NewsMedizinZahnmedizin: Gel lässt Zahnschmelz neu entstehen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Zahnmedizin: Gel lässt Zahnschmelz neu entstehen

Montag, 2. September 2019

/christophe papke, stock.adobe.com

Hangzho – Chinesische Forscher haben ein Gel entwickelt, das im Prinzip die Bildung von neuem Zahnschmelz ermöglicht. Die entstehenden Hydroxylapatit-Kristalle binden fest am bestehenden Zahnschmelz und setzen dessen Struktur fort, sodass laut der Studie in Science Advances (2019; 5: eaaw9569DOI: 10.1126/sciadv.aaw9569) kein Unterschied zum natürlichen Zahnschmelz erkennbar war.

Zahnschmelz ist das härteste Material im menschlichen Körper. Er besteht zu 96 % aus Hydroxylapatit-Kristallen, die fischschuppenartig angeordnet sind, was dem Schmelz und damit den Zähnen ihre enorme Beißfähigkeit verleiht. Allerdings hat der Zahnschmelz den Säuren, die bestimmte Mikroorganismen unter den Zahnbelegen bilden, wenig entgegen­zusetzen. Bei unzureichender Mundhygiene und einer zuckerreichen Kost bilden sich innerhalb weniger Jahre Defekte im Zahnschmelz, die derzeit nur repariert werden können.

Anzeige

Alle bisherigen Materialien von Amalgam bis zu den modernen Keramiken erreichen nicht annähernd die Härtegrade des natürlichen Zahnschmelzes, und was noch schlimmer ist, sie verbinden sich nicht fest mit dem natürlichen Zahnschmelz. Nach einigen Jahren kommt es zur Lockerung, die einen Ersatz der Füllungen notwendig machen.

Ein Team um Ruikang Tang von der Zhejiang Universität in China hat jetzt ein Gel ent­wickelt, das die derzeitigen Ersatzmaterialien an Härte übertrifft und sich nahtlos an den verbliebenen Zahnschmelz anfügt. Das Gel besteht wie der natürliche Zahnschmelz aus Kalzium und Phosphat. Nach dem Auftragen bilden sich Hydroxylapatit-Kristalle, die sich mit den Hydroxylapatit-Kristallen auf der Zahnoberfläche verbinden und dessen Struktur fortsetzen. Es kommt zu einem Phänomen, das in der Geologie als epitaxiales Wachstum bezeichnet wird und im Ergebnis zur Vergrößerung eines Kristalls führt.

Die Aufnahmen mit dem Rasterelektronenmikroskop zeigen, dass die einzelnen Stangen („rods“) und Zwischenstangen („interrods“), aus denen die einzelnen Fischschuppen des Zahnschmelzes bestehen, durch das Gel verlängert werden. Der neu entstandene Zahn­schmelz hatte auch die gleichen Härtegrade und Reibungseigenschaften wie der natürliche Schmelz.

Eine wichtige Einschränkung ist die geringe Schichtdicke von etwa 3 Mikrometern. Um den Zahnschmelz eines Zahnes wieder aufzubauen, müsste die Behandlung etwa 400-Mal wiederholt werden, was unrealistisch ist. Auch die chemische Unbedenklichkeit des Gels müsste noch untersucht werden. Es enthält neben den Mineralien Kalzium und Phosphat das Lösungsmittel Triethylamin. Dieses verdampft bei der Aushärtung der Hydroxylapatit-Kristalle und könnte beim Einatmen die Schleimhaut der Atemwege reizen.

Laut Tang liegt die Konzentration von Triethylamin jedoch unter den derzeitigen Grenzwerten. Die Forscher testen das Gel derzeit im Tierversuch. Sollte es sich als unbedenklich erweisen, könnten schon bald erste klinische Studien beginnen. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #840102
Nova OG
am Dienstag, 25. August 2020, 02:12

Leser

Bereits 2006 wurde ein Hydroxylapatit bildendes Dentalmaterial entwickelt, ein Zahnfüllungsmaterial welches sich in relativ kurzer zeit fast komplett (>95%) zu Hydroxylapatit umwandelt!
Aktuell besitzt die Firma Kulzer GmbH das Patent. Durch in-vitro- Experimente hatt sich gezeigt das es vom Körper selbst remineralisierbar ist und sich mit dem Natürlichen Zahnschmelz verbindet. Quelle: https://patents.google.com/patent/DE102006013854B4/de
Avatar #771752
catch-the-day
am Montag, 2. September 2019, 18:46

Studienteilnehmer gesucht?

Hier würde ich mich freiwillig für eine Studie in einer deutschen Klinik zur Verfügung stellen ...
LNS

Nachrichten zum Thema

13. August 2020
Münster – Die Information, die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfehle den Aufschub nicht dringende Zahnbehandlungen, um „einer weiteren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus vorzubeugen“, gilt
Zahnärzte betonen Bedeutung der Vorsorge auch während der Pandemie
12. August 2020
Genf – Um einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 vorzubeugen, hat die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) zum Verzicht auf Zahnarztbesuche aufgerufen, die der reinen Vorsorge dienen. In
WHO empfiehlt Verschiebung nicht dringender Zahnbehandlungen
28. Mai 2020
Berlin − Kinder in Deutschland haben offenbar häufiger Karies an ihren bleibenden Zähnen als bisher angenommen. Laut dem heute in Berlin veröffentlichten Barmer-Zahnreport wurde bereits ein
Kinder haben häufiger Karies als bisher angenommen
4. Mai 2020
Berlin – Ein geplanter Schutzschirm für Zahnärzte, Therapeuten und bestimmte Reha-Einrichtungen soll morgen in Kraft treten. Für Zahnärzte ist offenbar ein Schutz in geringerem Umfang als ursprünglich
Schutzschirm für Zahnärzte wird zurückgefahren
12. April 2020
Berlin – Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) will angesichts der Coronakrise weitere Teile des Gesundheitswesen finanziell unterstützen. Wegen einbrechender Patientenzahlen sollen nun unter
COVID-19: Finanzhilfen auch für weitere Gesundheitsberufe und Zahnärzte
30. März 2020
Hannover − Viele Zahnärzte in Niedersachsen können sich nicht ausreichend vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus schützen. „Wir haben einen absoluten Mangel an Desinfektionsmitteln
Zahnärzten fehlen Schutzausrüstung und Unterstützung
20. März 2020
Berlin − Deutschlands Zahnärzte wollen die Versorgung der Patienten auch bei einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus sicherstellen. Patienten, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben und
VG WortLNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER