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Ausland

Deutsches Rettungsschiff kann nach Italien

Montag, 2. September 2019

/picture alliance, Francesco Ruta, ANSA

Rom – Mehr als 130 Migranten von zwei tagelang blockierten Rettungsschiffen haben nach einer dramatischen Sturmnacht nun doch in Italien an Land gehen dürfen. Der Ka­pitän des deutschen Schiffs „Eleonore“, Claus-Peter Reisch, rief nach einer Woche Blocka­de auf dem Meer den Notstand aus und steuerte trotz eines Verbots der italienischen Regierung nach Sizilien.

Dort konnte er heute im Hafen von Pozzallo überraschend rasch anlegen. Die Migranten durften aussteigen. Das Schiff werde beschlagnahmt, erklärte das Innenministerium in Rom. Auch von dem Rettungsschiff „Mare Jonio“ gingen die Migranten nach knapp einer Woche von Bord.

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Die Lage auf der „Eleonore“ war schon seit Tagen heikel. Das als private Motorjacht regis­trierte Boot war viel zu klein für die vielen Menschen. In der Nacht zum heutigen Montag kam dann ein Gewittersturm dazu. „Es herrschte Lebensgefahr; so hoch waren die Well­en“, sagte der SPD-Politiker und Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Markus Rinder­spacher, der seit gestern mit an Bord war.

Auf Videos ist zu sehen, wie Blitze in der Dunkelheit um das schaukelnde Schiff zucken. Die Migranten sitzen mit silber-goldenen Wärmedecken dicht gedrängt in jeder mögli­chen Ecke des Schiffs. Es hätten sich längst nicht alle Flüchtlinge unter Deck sichern können, viele wurden nass bis auf die Haut, sagte Rinderspacher. „Die 104 Flüchtlinge sind durchnässt und nach sieben Tagen auf dem Schiff völlig erschöpft und ausgelaugt.“

Reisch entschied also, den Notfall auszurufen und steuerte Richtung Italien. Wohl wissend, dass dort ein Einfahrtsverbot galt. Darüber setzte er sich hinweg. Das Seerecht sagt, dass Schiffe, die den Notstand ausrufen und auf denen Leben in Gefahr ist, einen Hafen ansteuern dürfen.

Doch der Fall der deutschen Kapitänin Carola Rackete ist noch sehr präsent: Sie war mit dem Schiff „Sea-Watch 3“ unerlaubt in den Hafen von Lampedusa gefahren, hatte dabei ein Polizeischiff touchiert und war vorübergehend festgenommen worden. Die Empörung vor allem in Deutschland war groß.

Noch-Innenminister Matteo Salvini zeigte sich auch jetzt wieder hart: „Gesetze und Gren­zen müssen respektiert werden.“ „Wenn irgendjemand meint, dass er darauf ohne Konse­quenzen pfeifen kann, hat er sich gewaltig geirrt.“ Doch der Chef der rechten Lega ist ge­schwächt und auf dem Weg in die Opposition.

Derzeit verhandelt die populistische Fünf-Sterne-Bewegung mit den – migrationsfreund­li­cheren – Sozialdemokraten über eine neue Koalition. Es könnte also sein, dass Salvinis rigorose „Politik der geschlossenen Häfen“ ein Ende findet. Unklar ist, ob gegen Reisch nun in Italien ermittelt wird – wie zum Beispiel gegen Rackete. Heute durften auch rund 30 Migranten von Bord des italienischen Rettungsschiffes „Mare Jonio“ gehen, das tage­lang vor Lampedusa gewartet hatte.

Vor Malta ist nun noch die deutsche „Alan Kurdi“ blockiert. Sie hatte 13 Migranten aufge­nommen, die wie so viele andere auch selbstständig mit einem seeuntauglichen Holz­boot von Tunesien nach Lampedusa fahren wollten. Nun sitzen sie auf der „Alan Kurdi“ fest. „Die Einfahrt wurde uns erwartungsgemäß verboten“, sagte der Sprecher der Hilfs­organisation Sea-Eye, Gorden Isler. „Wir befürchten, dass wir dort Tage, vielleicht sogar Wochen festhängen.“ © dpa/aerzteblatt.de

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