NewsAuslandItalien beschlagnahmt Rettungsschiff „Mare Jonio“
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Italien beschlagnahmt Rettungsschiff „Mare Jonio“

Dienstag, 3. September 2019

/picture alliance, Elio Desiderio, ANSA via AP (Archivbild)

Rom – Italien hat das Rettungsschiff „Mare Jonio“ vor der Insel Lampedusa beschlag­nahmt. Das bestätigten dem Innenministerium nahe stehende Kreise heute. Die vor der Insel Lampedusa ankernde „Mare Jonio“ hatte zuletzt 98 Menschen vor Libyen gerettet. Ein Großteil der Flüchtlinge war bereits vor der Beschlagnahmung in Italien an Land gegangen.

Die italienische Hilfsorganisation Mediterranea Saving Humans, die das Schiff gechartert hat, erklärte in Onlinenetzwerken, die „Mare Jonio“ sei „mit der offiziellen Genehmigung der Küstenwache“ in die italienischen Hoheitsgewässer gefahren. Die Beschlagnahmung sei „der letzte Rachefeldzug derjenigen, die nicht tolerieren, dass sich die Menschlichkeit durch­setzt“.

Anzeige

Noch-Innenminister Matteo Salvini hatte zuletzt die rechtlichen Maßnahmen gegen die Tätigkeit privater Hilfsorganisationen verschärft. Danach können Strafzahlungen von bis zu einer Million Euro verhängt werden, wenn ein Rettungsschiff ohne Genehmigung in die italienischen Hoheitsgewässer fährt. Außerdem muss der Kapitän mit Strafverfolgung rechnen.

Vor der „Mare Jonio“ wurde bereits das humanitäre Schiff „Eleonore“ der deutschen Hilfs­organisation Lifeline mit rund 100 Migranten an Bord von den italienischen Behörden beschlagnahmt, weil es ohne Erlaubnis in italienische Hoheitsgewässer eingefahren war.

Heute wurde klar, dass Deutschland, Frankreich, Irland, Portugal und Luxemburg die 104 Migranten der „Eleonore“ aufnehmen, wie eine Sprecherin der EU-Kommission sagte. Die Brüsseler Behörde hatte die Lösung in den vergangenen Tagen koordiniert. Nun organi­sie­re man die Verteilung der Migranten von Italien aus, sagte die Sprecherin.

Ein weiteres Schiff, die „Alan Kurdi“ der deutschen Hilfsorganisation Sea Eye, ist derzeit auf dem Weg nach Malta. Darüber hinaus verließ die von SOS Méditerranée und Ärzte ohne Grenzen gecharterte „Ocean Viking“ gestern Abend Marseille für eine zweite Mission vor Libyen, nachdem sie im August 356 Migranten gerettet hatte.

Unterdessen wurde bekannt, dass das geplante EU-Sondertreffen zur Seenotrettung auf Malta nun doch nicht am 19. September stattfinden wird. Derzeit werde nach einem neuen Termin gesucht, hieß es aus EU-Kreisen.

Malta hatte die zuständigen Minister Deutschlands, Frankreichs, Italiens sowie des EU-Ratsvorsitzenden Finnland ursprünglich für den 19. September eingeladen, um sich auf eine Übergangslösung zur Umverteilung von Bootsflüchtlingen zu einigen. Am Vortag sollte es ein Treffen auf Beamtenebene geben. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

21. September 2020
New York – Die Coronapandemie verschlechtert Hilfsorganisationen zufolge die weltweite Ernährungslage. Vor den Veranstaltungen zum 75. Geburtstag der Vereinten Nationen in New York forderte die
Hilfsorganisationen warnt vor Verschärfung der Ernährungskrise
21. September 2020
Berlin – Deutsche Flüchtlingshelfer im Mittelmeer haben den italienischen Behörden Schikane vorgeworfen. Das Rettungsschiff „Sea-Watch 4“ werde unter „fadenscheinigen Bedingungen“ am Auslaufen im
Italien setzt „Sea-Watch 4“ in Palermo fest
21. September 2020
Lesbos – Die akute Krise der obdachlos gewordenen Migranten auf der griechischen Insel Lesbos ist nach Aussagen des stellvertretenden Migrationsministers Notis Mitarakis erst einmal vorbei. „Wir haben
Rund 10.000 Migranten im neuen Zeltlager auf Lesbos
17. September 2020
Washington – Mehrere reiche Nationen, die zusammen nur 13 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen, haben sich laut einem Bericht der Hilfsorganisation Oxfam bereits mehr als die Hälfte der angekündigten
Reiche Länder sichern sich Löwenanteil an Coronaimpfstoff
17. September 2020
Athen – Die internationale Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) kritisiert die Anwendung von Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten auf der griechischen Insel Lesbos. Die Polizei
Ärzte ohne Grenzen kritisiert Zwangsmaßnahmen bei der Umsiedlung von Geflüchteten in Moria
14. September 2020
Insel Lesbos – Vier Tage nach dem Großbrand im Flüchtlingslager Moria haben die ersten Migranten auf der Insel Lesbos ein neues provisorisches Zeltlager bezogen. Nach Behördenangaben von gestern
Erste Flüchtlinge beziehen provisorisches Lager auf Lesbos
11. September 2020
Berlin – Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen geht nicht davon aus, dass es nach dem Brand in Moria eine gesamteuropäische Reaktion geben wird. Die Blockadehaltung einzelner EU-Mitglieder in der
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER