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Berufskrankheit Hautkrebs: Ärzte halten mehr Prävention für notwendig

Mittwoch, 4. September 2019

/dpa

Hannover – Angesichts der rapide gestiegenen Zahl von Hautkrebspatienten haben Ärzte heute zu mehr Sonnenschutz für im Freien arbeitende Menschen aufgerufen. „UV-Strah­lung ist ein krebsauslösender Stoff wie zum Beispiel Lösungsmittel oder Pestizide“, sagte Christoph Skudlik, Professor am Institut für interdisziplinäre Dermatologische Prävention und Rehabilitation an der Universität Osnabrück. Die tolerable Dosis werde regelmäßig bei im Freien tätigen Menschen überschritten. Aus seiner Sicht werde das Sonnenlicht unterschätzt.

Hautkrebs durch UV-Strahlung ist seit 2015 als Berufskrankheit anerkannt. Wie die Ge­setz­­liche Unfallversicherung (GUV) heute mitteilte, wurden im vergangenen Jahr 4.255 Fälle bestätigt. Allein der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) wurden 2018 knapp 2.944 neue Verdachtsfälle gemeldet, im ersten Halbjahr 2019 waren es bereits etwa 1.400 Meldungen.

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Damit habe Hautkrebs Lärmschwerhörigkeit als am häufigsten angezeigte Berufskrank­heit abgelöst, sagte BG Bau-Sprecherin Christiane Witek. Die Genossenschaft berät Un­ter­­­nehmer, informiert Auszubildende und bietet Vorsorgeuntersuchungen an – etwa eine halbe Million Beschäftigte nehmen sie jährlich in Anspruch.

Vielen Experten geht das nicht weit genug. Skudlik plädiert für verpflichtende Hautkrebs­scree­nings bei Menschen, die draußen arbeiten. Zudem sollten Arbeitgeber für Schatten sorgen sowie UV-Schutzkleidung ausgeben.

Siesta notwendig

„Wir müssen die Arbeitszeiten verändern und über eine Siesta nachdenken“, sagte Ralph von Kiedrowski, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD). Maurer in den Mittelmeerländern bekämen laut einer Studie nicht wesentlich mehr UV-Strahlung ab als in Deutschland, vermutlich weil sie zwischen 11 und 16 Uhr eine lange Mittagspause machten.

Zurzeit gibt es in Deutschland etwa 300.000 Neudiagnosen von Hautkrebs jährlich, davon betreffen laut BVDD etwa 23.000 Fälle schwarzen Hautkrebs. Nach einer Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ist die Zahl ihrer Versicherten, die zwischen 2006 und 2016 wegen Hautkrebs in ärztlicher Behandlung waren, stark gestiegen: beim schwarzen Hautkrebs bundesweit um 108 Prozent, beim weißen Hautkrebs sogar um 160 Prozent. Auch die Techniker Krankenkasse berichtet von einem Anstieg.

Hintergrund ist wahrscheinlich auch, dass weit mehr Patienten zur Vorsorge gehen. Seit 2008 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Haut­krebsscreening, das bei dafür qualifizierten Haus- und Hautärzten erfolgt. Allerdings nutz­ten viel zu wenige Patienten dieses Angebot, kritisierte von Kiedrowski. Der Berufs­verband der Deutschen Dermatologen berät Kindergärten bei der Prävention. Das Inter­esse sei riesig, allein in diesem Jahr wurden dem Verband zufolge schon 300 Kitas er­reicht. Es gebe auch viele Anfragen von Grundschulen.

Beim schwarzen Hautkrebs werden rund 3.000 Todesfälle pro Jahr in Deutschland regis­triert. Mehr als 70 Prozent aller Fälle werden laut BDD aber früh erkannt, die Aussichten auf Heilung liegen dann zwischen 86 und 100 Prozent. Auch beim weißen Hautkrebs liegen die Heilungschancen bei 95 Prozent. Er tritt meist im höheren Alter ab etwa 50 Jahren auf, häufig am Kopf oder Hals.

„Die Haut vergisst nicht“, betonte von Kiedrowski. Die Lichtbelastung von Jahrzehnten addiere sich. Er glaubt nicht, dass die Hautkrebsdiagnosen in den nächsten Jahrzehnten wieder sinken werden, weil sich Menschen besser schützen. „Nach einem sehr schönen Sommer ist das Sonnenkontingent eigentlich schon aufgebraucht“, meint der Mediziner.

Doch dann folgten bei vielen noch im Herbst und Winter Flugreisen in den Süden oder der Skiurlaub in den Bergen. Im Schnee kann durch Streuung und Reflexion der Strahlen eine um über 80 Prozent höhere UV-Strahlung erreicht werden. © dpa/aerzteblatt.de

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