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Medizin

Fast jede hundertste CT-Unter­suchung führt zu Überempfind­lichkeit auf jodierte Kontrastmittel

Mittwoch, 4. September 2019

/dpa

Seoul – Überempfindlichkeiten auf jodhaltige Kontrastmittel sind bei der Computer­to­mo­grafie (CT) selten, aber nicht ungewöhnlich. Die Analyse eines Patientenregisters aus Südkorea in Radiology (2019; doi: 10.1148/radiol.2019190485) zeigt, welche Patienten gefährdet sind und wie sich schwere Zwischenfälle möglicherweise vermeiden lassen.

Die Zahl der CT-Untersuchungen hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. Allein zwischen 2007 und 2015 kam es in Deutschland zu einem Anstieg um etwa 40 %. Pro Jahr wird hierzulande bei mehr als jedem zehnten Einwohner ein CT durchgeführt.

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Neben dem Strahlenrisiko, das epidemiologische Studien mit einem langfristigen Anstieg von Krebs­erkrankungen in Verbindung bringen, sind die Patienten durch das bei jeder zweiten Untersuchung verwendete Kontrastmittel einem Risiko ausgesetzt. Nach den jetzt von Min Jae Cha von der Chung-Ang Universität in Seoul und Mitarbeitern ausge­wer­­­­­­teten Daten eines landesweiten Patientenregisters kommt es bei 0,73 % der Patienten zu einer Überempfindlichkeitsreaktion.

Die Studie umfasste 196.081 Patienten, bei denen zwischen März und Oktober 2017 in Südkorea eine CT-Untersuchung durchgeführt wurde. Eine Überempfindlichkeit wurde bei 1.433 Untersuchungen (0,73 %) beobachtet. Die meisten Fälle, nämlich 1.192 (0,61 % aller Untersuchungen) verliefen milde.

Die Patienten klagten nach der Kontrastmittelgabe über eine lokalisierte Urtikaria oder Juckreiz, über ein Hautödem, Juckreiz oder Kratzen im Hals, eine verstopfte Nase, Niesen, eine Bindehautentzündung oder über eine Rhinorrhoe, die sich ohne Behandlung von selbst zurückbildeten.

Bei 224 Patienten (0,11 % aller Untersuchungen) kam es zu einer diffusen Urtikaria und Pruritis, zu einem diffusen Erythem mit stabilen Vitalfunktionen, zu Gesichtsödem ohne Dyspnoe, zu einem Engegefühl im Hals oder Heiserkeit ohne Dyspnoe und Keuchen oder auch zu einem Bronchospasmus und eventuell leichter Hypoxie. Diese mittelschweren Überempfindlichkeitsreaktionen lösten meistens eine medizinische Behandlung aus. Die Patienten erhielten Antihistaminika und manchmal auch Kortikosteroide.

Bei 17 Patienten (0,01 % oder 1 auf 11.534 Patienten) kam es zu einer schweren, lebens­bedrohlichen allergischen Reaktion. Die Patienten entwickelten ein diffuses Ödem oder Gesichtsödem mit Dyspnoe, ein diffuses Erythem mit Hypotonie, einen anaphylaktischen Schock mit Hypotonie und Tachykardie oder einen Bronchospasmus mit erschwerter At­mung und einer ausgeprägten Hypoxie. Todesfälle sind jedoch offenbar nicht aufgetreten. Sie sind jedoch möglich. Ihre Häufigkeit wird nach anderen Untersuchungen auf 1 auf 100.000 bis 1 auf 1.000.0000 CT-Untersuchungen mit Kontrastmittelgabe geschätzt.

Die Forscher haben die klinischen Daten der betroffenen Patienten mit der gleichen An­zahl von Patienten gleichen Alters und Geschlechts ohne Überempfindlichkeitsreaktion ver­glichen. Der wichtigste Risikofaktor war – vorhersehbar – eine Überempfindlichkeits­reaktion bei einem früheren Kontrastmittel-CT. Cha ermittelt eine adjustierte Odds Ratio (OR) von 199 (95-%-Konfidenzintervall 49 bis 802).

Der zweitwichtigste Risikofaktor waren Überempfindlichkeiten in der Familie (OR 14; 2 bis 112). Es folgten eine Medikamentenallergie (OR 3,5; 1,9 bis 6,6), eine Asthmaerkran­kung (OR 1,9; 0,9 bis 4,0, also nicht signifikant) und andere allergische Erkrankungen (OR 6,8; 3,2 bis 14,8). Ein weiterer Risikofaktor ist eine Schilddrüsenüberfunktion (OR 3,6; 1,1 bis 12).

Hinsichtlich der verwendeten Kontrastmittel gab es Unterschiede. Am häufigsten waren Überempfindlichkeitsreaktionen auf Iodixanol (0,99 %), gefolgt von Iomeprol (0,95 %), Iobitridol (0,89 %), Iopamidol (0,70 %), Ioversol (0,66 %), Iohexol (0,62 %) und Iopromid (0,37 %). Eine klare Dosis-Wirkungsbeziehung hinsichtlich der Jodkonzentration ließ sich nicht herstellen.

Bei den Patienten, die bereits einmal eine Überempfindlichkeitsreaktion erlitten hatten, wurde in der Regel eine Prämedikation mit Antihistaminika und/oder ein Wechsel auf ein anderes Kontrastmittel vorgenommen. Beide Maßnahmen erwiesen sich nicht als ver­lässlich (sonst wäre es nicht zu einer neuen Reaktion gekommen). Sie konnten die Reak­tion jedoch vermutlich abschwächen. Cha ermittelt für ein Antihistaminikum eine Odds Ratio von 0,53 (0,33 bis 0,86) und für den Wechsel auf ein anderes Kontrastmittel eine Odds Ratio von 0,51 (0,36 bis 0,73). © rme/aerzteblatt.de

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