NewsMedizinICD: Jeder dritte Patient fährt trotz Verbots weiter Auto
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

ICD: Jeder dritte Patient fährt trotz Verbots weiter Auto

Donnerstag, 5. September 2019

/Mariusz Blach, stockadobecom

Kopenhagen – Ein Drittel aller Patienten, denen ein automatischer Kardioverter/ Defibril­lator (ICD) implantiert wurde, fährt trotz Verbots weiter Auto. Darunter waren in einer Um­frage aus Dänemark, die auf dem Jahreskongress der European Society of Cardiology in Paris vorgestellt wurde, auch zahlreiche Lkw- und Busfahrer.

Ein ICD soll und kann Patienten mit ventrikulären Arrhythmien vor einem plötzlichen Herztod schützen. Bei der Auslösung eines Impulses kann der Patient jedoch vorüber­gehend die Kontrolle verlieren, weshalb er zu diesem Zeitpunkt nicht hinter dem Steuer eines Kraftfahrzeugs sitzen sollte. Schon gar nicht sollte er einen Lkw oder Bus steuern.

Anzeige

Die Länge der Fahrverbote ist von Land zu Land unterschiedlich geregelt. Die European Society of Cardiology empfiehlt ein dauerhaftes Verbot für alle Berufsfahrer. Private Pkw-Fahrer sollten nach der ICD-Implantation zur Primärprävention vier Wochen pausieren und nach der ICD-Implantation zur Sekundärprävention drei Monate nicht Auto fahren.

Die Primärprävention erfolgt in der Regel bei Patienten, die noch keinen Herzstillstand erlitten hatten. Bei einer Sekundärprävention ist es in der Regel zu einem schweren kar­dia­len Ereignis gekommen.

Liberal, dennoch Verstöße

In Dänemark sind die Regeln etwas liberaler. Patienten dürfen nach der ICD-Implantation zur Primärprävention bereits nach einer Woche wieder Pkw fahren, vorausgesetzt sie nehmen an einem Home-Monitoring teil, bei dem die Herztätigkeit regelmäßig registriert wird.

Trotz der großzügigen Regelung gibt es in Dänemark zahlreiche Verstöße, wie Jenny Bjerre von der Universitätsklinik in Gentofte bei Kopenhagen in einer Umfrage heraus­fand.

Die Kardiologin hatte Fragebögen an Patienten verschickt, denen zwischen 2013 und 2016 ein ICD implantiert wurde: 92 % der Patienten, die den Fragebogen zurückschick­ten, hatten einen gültigen Führerschein. 7 % waren Berufsfahrer von Lkw, Bussen, Taxis, Autos mit Anhängern, oder sie besaßen einen anderen Führerschein für berufliches Fah­ren.

Etwa ein Drittel der Patienten hatte gegen ein geltendes Fahrverbot verstoßen: Von den Primärpräventionspatienten hatten sich 34 % innerhalb von einer Woche nach der ICD-Implantation hinter das Steuer ihres Pkw gesetzt. Von den Sekundärpräventionspatienten hatten 43 % nicht die geforderte Pause von drei Monaten eingehalten.

Und selbst die Patienten, bei denen der ICD schon einmal einen Impuls abgegeben hatte, hatten zu 30 % nicht die dann geforderte Karenzzeit von drei Monaten eingehalten. Auch die Berufsfahrer hatten zu 35 % ihre frühere Tätigkeit wieder aufgenommen.

Männer hatten sich häufiger als Frauen über die Regeln hinweggesetzt. Über 60-Jähri­ge brachten seltener die nötige Geduld auf als jüngere Patienten. Bis zu 60 % der Patien­ten behaupteten, nichts von einem Fahrverbot gewusst zu haben.

Bjerre konnte die Richtigkeit dieser Angaben nicht überprüfen. Sie ermahnte die Ärzte jedoch, die Patienten ausdrücklich auf das Fahrverbot hinzuweisen. Dies gelte im übrigen auch für Patienten, die sich gegen einen ICD entscheiden. Denn auch ein plötzlicher Herz­stillstand hinter dem Steuer kann zu einem Unfall führen, der den Patienten und andere Verkehrsteilnehmer gefährdet. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Berlin – Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig kardiologische Telemedizinzentren unterstützen und ihnen so ermöglichen, mehr Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zu betreuen. Daran forscht
Künstliche Intelligenz soll telemedizinische Betreuung effektiver machen
19. September 2019
Berlin – Nicht bei jedem Patienten mit Verdacht auf eine stabile koronare Herzkrankheit (KHK) muss eine invasive Herzkatheter-Untersuchung durchgeführt werden. Die europäische Leitlinie empfiehlt eine
Myokardszintigrafie könnte mehr unnötige Herzkatheter verhindern
18. September 2019
Uppsala – Der Besuch einer Herzschule im Rahmen einer kostenlosen Reha senkt bei schwedischen Herzinfarkt-Patienten die kardiovaskuläre Sterberate und die Gesamtsterblichkeit in den ersten beiden
Herzschule in Schweden verringert Sterblichkeit von Herzinfarktpatienten
5. September 2019
Oxford – Vegetarier (einschließlich Veganer) und Pescetarier (die Fisch essen) hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein niedrigeres Risiko auf eine ischämische Herzerkrankung als
Vegetarier und Pescetarier erleiden seltener Herzinfarkte, Vegetarier aber mehr Schlaganfälle
3. September 2019
Cleveland (Ohio) – Für extrem adipöse Menschen mit einem Typ-2-Diabetes sind Magenverkleinerung und Magenbypass nicht nur die effektivste Methode zur Gewichtsabnahme. Nach den Erfahrungen eines
Typ-2-Diabetes: Metabolische Chirurgie schützt Adipöse vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen
3. September 2019
Laval und Hamilton – Von schätzungsweise 55 Millionen Erwachsenen, die 2017 gestorben sind, entfielen 17,7 Millionen Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die damit weltweit die häufigste
Herz-Kreislauf-Erkrankungen erklären hohes Sterberisiko in ärmeren Ländern
3. September 2019
Frankfurt am Main – Mehr Forschung zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mehr Hilfsangebote für Patienten fordert die Deutsche Herzstiftung – und hat auch ihre eigene Förderung entsprechend ausgerichtet.
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Archiv

NEWSLETTER