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Medizin

Vegetarier und Pescetarier erleiden seltener Herzinfarkte, Vegetarier aber mehr Schlaganfälle

Donnerstag, 5. September 2019

/kab-vision, stockadobecom

Oxford – Vegetarier (einschließlich Veganer) und Pescetarier (die Fisch essen) hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein niedrigeres Risiko auf eine ischämische Herz­erkrankung als Fleischesser. Der Vorteil wird laut der Publikation bei den Vegetariern je­doch teilweise durch ein erhöhtes Risiko auf einen (hämorrhagischen) Schlaganfall wie­der aufgehoben.

EPIC-Oxford, die britische Kohorte der „European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition“, zeichnet sich durch einen hohen Anteil von Vegetariern aus. Von den 48.188 Teilnehmern gaben bei der ersten Befragung 1993 16.354 an, ganz auf Fleisch zu verzichten. Weitere 7.506 aßen Fisch (aber kein anderes Fleisch). Der Anteil der beiden Gruppen war damit fast so hoch wie der der Fleischesser (24.428).

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Da ein großer Teil der Teilnehmer um 2010 erneut nach ihren Essgewohnheiten befragt wurde, konnte Tammy Tong vom Nuffield Department of Population Health an der Uni­versität Oxford den Einfluss eines langfristigen Fleischverzichts auf die Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersuchen.

Bis 2001, also während 18 Jahren, kam es zu 2.820 ischämischen Herzkrankheiten und 1.072 Schlaganfällen, darunter waren 300 hämorrhagische Schlaganfälle. Tong ermittelte für die Vegetarier ein um 22 % vermindertes Risiko auf eine ischämische Herzerkrankung (Hazard Ratio 0,78; 95-%-Konfidenzintervall 0,70 bis 0,87). Pescetarier erkrankten zu 13 % seltener (Hazard Ratio 0,87; 0,77 bis 0,99).

Erhöhtes Schlaganfallrisiko

Gleichzeitig war für Vegetarier das Schlaganfallrisiko um 20 % erhöht (Hazard Ratio 1,20; 1,02 bis 1,40), wobei dieses Risiko vor allem auf einen Anstieg der hämorrhagischen Schlaganfälle zurückzuführen war (Hazard Ratio 1,43; 1,08 bis 1,90). Für die Pescetarier war nur ein tendenziell erhöhtes Schlaganfallrisiko nachweisbar.

Tong konnte bei ihren Berechnungen eine Reihe von konkurrierenden Risiken berück­sich­tigen: Die Vegetarier waren 10 Jahre jünger als die Fleischesser. Sie litten seltener unter einem erhöhten Blutdruck oder Diabetes, sie hatten niedrigere Cholesterinwerte und wa­ren seltener wegen chronischer Erkrankungen in Behandlung. Sie trieben mehr Sport, rauchten seltener, und die Frauen nahmen nach den Wechseljahren seltener Hormonprä­parate ein.

Die Vegetarier (und auch die Pescetarier) hatten also deutlich geringere Herz-Kreislauf-Risiken. Damit stellt sich die Frage, ob der Lebensstil der Vegetarier noch in weiteren As­pekten, die die Studie nicht erfasst hat, gesünder war, als bei den Fleischessern. Dann könnte die geringere Rate von ischämischen Herzerkrankungen auf andere Aspekte zu­rück­führen als (nur) auf die Ernährung.

Andererseits ließe sich aber auch argumentieren, dass einige der bekannten Risikofakto­ren wie Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin sich unter einer vegetarischen Ernährung verbessern. Dann wäre der Vorteil, den die Vegetarier durch ihre Ernährung hätten, mög­licher­weise noch größer als die Zahlen vermuten lassen.

Warum eine vegetarische Kost das hämorrhagische Schlaganfallrisiko erhöht, ist unklar. Eine mögliche Erklärung könnte die schlechtere Versorgung mit Vitamin B12, Vitamin D oder essentiellen Aminosäuren sein. Beweisen kann dies die Studie allerdings nicht.

Unter dem Strich würde die vegetarische Kost das Herz-Kreislauf-Risiko insgesamt sen­ken: Die absolute Zahl von ischämischen Herzerkrankungen war um 10 Fälle pro 1.000 Personen über 10 Jahre niedriger (36,2 versus 46,2) als bei den Fleischessern, während es zur gleichen Zeit zu etwa 3 zusätzlichen Schlaganfällen kam (18,3 versus 15,4 auf 1.000 Personen über zehn Jahre). Pescetarier lagen mit 40,4 ischämischen Herzerkrankungen und 17,5 Schlaganfällen auf 1.000 Personen über 10 Jahre zwischen beiden Gruppen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #105608
vdg007
am Dienstag, 10. September 2019, 13:16

Erbliche Anlagen nicht vergessen.

Zu einem großen Anteil funktioniert unser Organismus aufgrund der genetischen Grundlagen, die wir seit der Erzeugung von Vater und Mutter mitbekommen haben. Nur ein kleiner Anteil lässt sich wirklich durch unseren Lebensstil und durch andere äußere Kontext Faktoren (Zugang zur Gesundheits Einrichtungen etc.) beeinflussen.
Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 6. September 2019, 21:15

Botschaft an pb1958

Vergessen Sie das Cholesterin. Mit dem Cholesterin verhält ist sich wie mit Rauch. Wie der Umstand, dass bei Bränden immer auch Rauch zu sehen ist, nicht bedeutet, dass Rauch Bränden verursacht. Der Grund, warum das Cholesterin Bestandteil der arteriosklerotischen Szene ist, kommt daher, weil das Cholesterin zur Ausbesserung von Gewebsschäden an den Arterienwänden eingesetzt wird, deren Ursache nicht das Cholesterin ist.
Avatar #765622
eLindros
am Freitag, 6. September 2019, 08:43

@pb1958

Hatten Sie es mal mit einer rein pflanzlichen und vollwertigen Ernährung versucht? Mit dem Verzicht auf Fleisch reduzieren Sie zwar das Cholesterin und die gesättigten Fettsäuren in Ihrer Ernährung, allerdings heben Sie diesen Effekt wieder auf, wenn Sie Fisch, Milchprodukte und Eier weiter verzehren. Je nach Menge können Sie so auch mit rein vegetarischer Ernährung keine Verbesserung der Cholesterinwerte erzielen. Auch veganer Junkfood wie pflanzliche Sahne oder Süßigkeiten ist nicht zuträglich. Die einzige Ernährungsweise die nachweislich auch schwere Herzerkrankungen in ihrem Fortschritt aufhalten und sogar umkehren kann ist eine rein pflanzliche und vollwertige Kost. Ich kann Ihnen die Arbeiten von Dean Ornish empfehlen, dessen Programm in den USA bereits von zahlreichen großen Kran­ken­ver­siche­rungen erstattet wird.
Avatar #52724
pb1958
am Donnerstag, 5. September 2019, 20:01

Cholesterin und vegetarische Ernährung

Also, ich habe genetisch bedingt seit Jahren einen LDL um 270, einen HDL von 110 und mehr, Triglyceride um Normbereich.
Ich habe versucht, mit vegetarischer Ernährung - außer Fisch keinerlei Tierprodukte - meinen LDL positiv zu beeinflussen.
Ergebnis: nach 8 Monaten konsequenter vegetarischer Ernährung war mein LDL auf 360 gestiegen - also ein absoluter Reinfall.
Insofern bezweifle ich, dass die Studienergebnisse wirklich auf eine vegetarische Ernährung zurückzuführen sind - da scheinen doch andere Faktoren wie Lebensstil, Vorerkrankungen und geringeres Lebensalter eine sehr große Rolle zu spielen.
LNS

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