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Medizin

Varikosis: Lasertherapie und Operation erzielen in Studie langfristig bessere Ergebnisse als Sklerotherapie

Freitag, 6. September 2019

/dpa

Glasgow – Eine endovenöse Laserbehandlung und ein operatives Stripping haben in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2019; 381: 912-922) in der Behandlung der Varikosis günstigere Auswirkungen auf die Lebensqualität der Pa­tienten erzielt als die kostengünstigere Sklerotherapie. Die Autoren halten die Mehrkos­ten für das Gesundheitswesen in einer Kosten-Nutzen-Analyse für vertretbar.

Die operative Entfernung der erweiterten oberflächlichen Venen gilt als Goldstandard in der Behandlung der Varikosis. Weniger invasive Alternativen sind die Sklerotherapie, die die Venen durch Injektion von Chemikalien verödet, und die endovenöse Laserbehand­lung, die denselben Effekt durch eine thermische Schädigung der Venenwände erzielt. Die Sklero­therapie ist kostengünstiger als eine Operation. Für die endovenöse Laserbe­handlung wird deutlich mehr berechnet.

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Die britische CLASS-Studie hat die 3 Verfahren einem randomisierten Vergleich unterzo­gen. An 11 Zentren wurden 798 Patienten per Los einer der 3 Behandlungen zugeteilt. Primärer Endpunkt war die Lebensqualität der Patienten 5 Jahre nach der Behandlung.

Als Maßstab diente der „Aberdeen Varicose Vein Questionnaire“ (AVVQ). Der Fragebogen bewertet die Lebensqualität mit 0 bis 100 Punkten, wobei weniger Punkte eine höhere Lebensqualität anzeigen. Die Fragebögen zur allgemeinen Lebensqualität „EuroQol EQ-5D“ und „36-Item Short-Form Health Survey“ (SF-36) waren sekundäre Endpunkte der Studie.

Wie Julie Brittenden von der Universität Glasgow und Mitarbeiter mitteilten, erzielten Operation und Laserablation im AVVQ die besten Ergebnisse. Der Unterschied zwischen Laserablation und Sklerotherapie betrug 2,86 Punkte im AVVQ. Er war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,22 bis 4,49 statistisch signifikant.

Auch die Operation war im AVVQ der Sklerotherapie überlegen. Der Unterschied betrug 2,60 Punkte im AVVQ (1,22 bis 3,99). Der Vorteil der Chirurgie gegenüber der Laserabla­tion war mit 0,16 Punkten minimal und nicht signifikant (-1,42 bis 1,74 Punkte). Hin­sicht­lich der allgemeinen Lebensqualität im „EuroQol EQ-5D“ und im „SF-36“ gab es keine Unterschiede.

Eine zweite Analyse betraf die Kosteneffektivität. Die Forscher setzten dabei die Vorteile in der Lebensqualität, die durch Lasertherapie und Chirurgie im AVVQ gegenüber der Sklero­therapie erzielt werden, mit den höheren Kosten in Beziehung. Als Kosten wurden für die Sklerotherapie 777 Pfund (865 Euro), für die Laserablation 1.237 Pfund (1.378 Euro) und für die Chirurgie 1.527 Pfund (1.700 Euro) angesetzt. Endpunkt war der Preis, der für den Gewinn eines zusätzlichen Jahres in guter Lebensqualität (QALY) gezahlt werden muss.

Den Mehrkosten der Laserablation von 460 Pfund gegenüber der Sklerotherapie stand ein Gewinn von 0,113 QALY gegenüber. Das ergibt 4.064 Pfund pro QALY, was weit unterhalb der in Großbritannien für vertretbar gehaltenen Grenze von 20.000 Pfund pro QALY liegt. Aus Sicht von Brittenden wären deshalb die Mehrkosten der Laserablation vertretbar. Sie müsste nach der Logik auch der Operation vorgezogen werden, weil die Auswirkung auf die Lebensqualität in etwa gleich gut waren und die Kosten um 390 Pfund günstiger sind.

In der Laser-Ablationsgruppe gaben 58 % der Patienten an, keine Krampfadern mehr zu haben. In der Chirurgiegruppe waren es 54 % und in der Sklerotherapie-Gruppe 47 %. 11 %, 7 % und 14 % haben sich in den jeweiligen Gruppen in der Zwischenzeit einer weiteren Behandlung unterzogen.

In einer visuellen Analogskala von 0 (keine Krampfadern) bis 10 (schlechtester möglicher Zustand) bewerteten die Patienten in der Laser-Ablationsgruppe ihren Zustand mit 2,6, in der Chirurgie-Gruppe mit 2,4 und in der Sklerotherapiegruppe mit 3,2 Punkten. Eine kom­plette Ausschaltung der Stammvene war in der Chirurgie-Gruppe bei 75,9 %, in der Laser-Ablationsgruppe bei 64,0 % und in der Sklerotherapie-Gruppe bei 33,3 % der Patienten gelungen. © rme/aerzteblatt.de

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