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Politik

Jede dritte Klinik muss Betten auf Intensivstationen zeitweise schließen

Freitag, 6. September 2019

/sudok1, stockadobecom

Berlin – Gut ein Drittel aller Kliniken kann seine Betten aufgrund der Personalunter­gren­zen nicht voll auslasten. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Kranken­hausinstitutes (DKI) hervor. Demnach mussten 37 Prozent aller Krankenhäuser Betten auf Intensivstationen schließen, um die Pflegepersonaluntergrenzen einhalten zu können.

Auch auf den pflegesensitiven Allgemeinstationen mussten 23 Prozent der Kliniken aus diesem Grunde Bettensperrungen vornehmen, und 29 Prozent mussten sogar ganze Be­reiche zeitweise von der Notfallversorgung bei der Leitstelle des Rettungsdienstes ab­melden.

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„Diese Zahlen sind ein alarmierendes Zeichen, dass die Pflegepersonaluntergrenzen zu Einschränkungen bei der Versorgung führen“, sagte Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Dies gelte besonders hinsichtlich der flächendeckenden Notfallversorgung der Bevölkerung mit Hochleistungsmedizin und für die Intensivstatio­nen. Hinzu käme, dass weitere sechs Prozent der Kliniken bei Intensivbetten Schließun­gen planten.

„Wenn nun noch weitere Bereiche mit Untergrenzen arbeiten müssen und die Untergren­zen bei Intensivstationen, wie von den Krankenkassen gefordert, noch weiter verschärft werden, kann das nicht mehr steuerbare Auswirkungen haben“, sagte Gaß. Die DKG habe deshalb das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) aufgefordert, den Umstieg auf ein Pflegepersonalbedarfsbemessungsinstrument jetzt einzuleiten.

Dass die Vorgaben zu Pflegepersonaluntergrenzen das Problem der Pflege nicht lösen können, wird laut Gaß daran ersichtlich, dass heute bereits 65 bis 70 Prozent aller Kran­kenhäuser Probleme bei der Besetzung freier Stellen in den pflegesensitiven Bereichen haben. In der Pflege herrsche Vollbeschäftigung, es stünden auf dem Stellenmarkt nicht genügend Pflegekräfte zur Verfügung.

Nur durch die Gewinnung zusätzlicher neuer Pflegekräfte und die Aufstockung von Teilzeit-Pflegestellen könne dieses Problem gelöst werden. Dies setze voraus, dass der Pflegeberuf für Berufsanfänger und für Rückkehrer attraktiver und mit dem Privatleben besser vereinbar werde, so Gaß. © hil/sb/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 18:20

Quantität vs Qualität

Auf der einen Seite werden Krankenhäuser als Keimschleudern und lebensgefährlich verunglimpft, auf der anderen sollen sie aber durch Missachtung von Pflegestandards die Bettenzahl hoch halten.
Unterbesetzte Intensivstationen bringen Menschen um!
Nur weil die Politiker zu feige sind, überflüssige Krankenhäuser zu schließen und deshalb viel zu viele Krankenhausbetten vorgehalten werden, gibt es relativ zu wenige Ärzte und Pflegepersonal!
Immer in der stillen Hoffnung, "der Markt" werde die unwirtschaftlichen Krankenhäuser via Inssolvenz schon aussondern...
Avatar #528057
Jörg Wiesenfeldt
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 12:57

Kapazitätsprobleme und Behandlungsqualität

Deutschland hat - Schweiz und Luxemburg ausgenommen - bezogen auf die Bevölkerung die meisten qualifiziert Pflegenden und Ärzt*innen Europas. Nur meint man, sich hier auch neun Krankenhausbetten pro 1000 Einwohner leisten zu sollen, und dann noch ein Finanzierungssystem, zugeschnitten auf profitorientierte Krankenhauskonzerne, mit vorprogrammierter Leistungsmengenexpansion. Damit die Erträge sprudeln, wurde traditionell am Pflegepersonal gespart. Dass das jetzt verordnete Gegengift der DKG nicht schmeckt, ist verständlich, aber man muss auch kein Mitleid haben, und wenn noch so viele Krokodilstränen fließen.
Avatar #751684
mednews for all
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 12:27

Traurig, wie ein Gesetz die schlagkraft des Gesundheitswesen so zerstört.

jedoch sind Pflegepersonaluntergrenzen wirklich Gift für die Versorgungskapazität und somit auch für die Qualität. Aktionismus hilft nicht.

"Der den Umgang des oberen Führungspersonals mit den Mitarbeitern, die im Verhältnis zur Verantwortung weiterhin absolut unzureichend Bezahlung (auch und besonders in Hinblick auf Familie und Rente) kennt wundert sich nicht, dass das Pflegepersonal mit den Füßen abstimmt und geht und guter Nachwuchs nicht lange bleibt bzw. gar nicht erst kommt."
Da muss man zustimmen.
Avatar #787616
Regina Reinhold
am Montag, 16. September 2019, 11:05

Tja

Schliesse mich da ganz der Meinung von Gromer an. So kann es meiner Meinung nach nicht wirklich weitergehen.
Avatar #106651
Gromer
am Samstag, 7. September 2019, 10:53

Tja

Wer den Umgang des oberen Führungspersonals mit den Mitarbeitern, die im Verhältnis zur Verantwortung weiterhin absolut unzureichend Bezahlung (auch und besonders in Hinblick auf Familie und Rente) kennt wundert sich nicht, dass das Pflegepersonal mit den Füßen abstimmt und geht und guter Nachwuchs nicht lange bleibt bzw. gar nicht erst kommt.
Durch die Untergrenzen kommt hoffentlich auch bei den Pflegekräften die positiven Seiten des "Angebot und Nachfrage regeln den Preis" an.
LNS

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