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Medizin

Linkshändigkeit: Genvarianten verändern Architektur in Sprachregionen

Freitag, 6. September 2019

/Siarhei, stockadobecom

Oxford – Britische Forscher haben in einer genomweiten Assoziationsstudie 4 Genvari­an­ten entdeckt, die zu einer Linkshändigkeit prädisponieren. Sie waren laut ihrem Bericht in Brain (2019; doi: 10.1093/brain/awz257) mit strukturellen Veränderungen in den Nerven­bahnen zwischen den Sprachzentren verbunden.

Etwa ein Zehntel der Bevölkerung benutzt für feinmotorische Tätigkeiten bevorzugt die linke Hand. Die Gründe sind nicht bekannt. Die Linkshändigkeit tritt allerdings familiär gehäuft auf, und Zwillingsstudien haben den genetischen Anteil auf etwa 25% geschätzt.

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Um die beteiligten Gene zu identifizieren, hat ein Team um Dominic Furniss von der Uni­versität Oxford die genetischen Daten von 547.011 Teilnehmern der UK Biobank ausge­wertet, von denen sich 38.332 als eindeutige Linkshänder eingestuft hatten. Die Forscher verglichen das Erbgut der Teilnehmer an etwa 11 Millionen verschiedenen Stellen, die als Einzelnukleotid-Polymorphismen (SNP) bezeichnet werden.

Dabei gab es 4 „Treffer“. 3 SNP wurden bei Genen (MAP2, TUBB, MAPT) entdeckt, die die Baupläne für Bestand­teile des Zytoskeletts (Mikrotubuli) enthalten. Varianten könnten durchaus die Architektur des Gehirns verändern, auch wenn die Auswirkungen der einzel­nen SNP wie häufig in genomweiten Assoziationsstudien gering waren.

Diese Befunde passen zu einer Analyse von Magnetresonanztomografien (MRT), die bei etwa 10.000 Teilnehmern der UK Biobank durchgeführt wurden. Die Forscher fanden auch hier Besonderheiten. Teilnehmer mit einer der 4 SNP wiesen Unterschiede in der weißen Hirnsubstanz auf, die aus Axonen, den „Leitungen“ im Gehirn bestehen.

Da das Zytoskelett ein wichtiger Bestandteil der Axone ist, könnten die SNP die in den MRT entdeckten Veränderungen erklären. Die Unterschiede zwischen den Rechts- und Linkshändern betrafen Leitungsbahnen, die die Sprachzentren verbinden.

Die Sprachzentren, die sich in der linken Hemisphäre befinden, sind einer der wichtigsten Unterschiede zwischen den beiden Großhirnhälften. Seit langem wird vermutet, dass sie die Linkshändigkeit beeinflussen.

Die Studie bestätigt dies. Ob die verstärkten Leitungsbahnen eine Kompensation der Links­händigkeit sind oder sogar Vorteile in der Sprachkompetenz mit sich bringen, ist nicht bekannt. Die Studie konnte dies nicht klären, da bei den Teil­nehmern keine ent­sprechenden Tests durchgeführt wurden.

Eine andere häufig diskutierte Frage ist, ob Linkshänder eine erhöhte Anfälligkeit für Entwicklungsstörungen des Gehirns haben, zu denen im weitesten Sinn heute auch die Schizophrenie zählt. Eine frühere Meta-Analyse hatte ein um 55 % erhöhtes Risiko ge­funden (Br J Psychiatry 2014; 205: 260-7).

Furniss fand tatsächlich Hinweise auf eine erhöhte psychische Anfälligkeit, die allerdings sehr gering ausfiel. Die Patienten mit den SNP für die Linkshändigkeit erkrankten übri­gens seltener an einem Morbus Parkinson. Auch hier war die Assoziation jedoch schwach ausgeprägt. © rme/aerzteblatt.de

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