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Medizin

Multiresistente Keime bei Stadtratten weit verbreitet

Freitag, 6. September 2019

/kichigin19, stock.adobe.com

Wien – Menschen sind nicht die einzigen Lebewesen, die von multiresistenten Bakterien infiziert werden können. Eine Studie in Eurosurveillance (2019; doi: 10.2807/1560-7917.ES.2019.24.32.1900149) ergab, dass die gefährlichen Keime auch bei Stadtratten weit verbreitet sind.

Ratten halten sich gerne in der Nähe von Menschen auf. Sie ernähren sich von deren Ab­fällen, die sie häufig in der Kanalisation aufspüren. Dort können sie auch Krankheits­er­reger aufnehmen. Ratten sind deshalb für Forscher interessant, die die Verbreitung von multiresistenten Keimen untersuchen.

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Amélie Desvars-Larrive von der veterinärmedizinischen Universität Wien und Mitarbeiter haben 62 Exemplare der Wanderratte (Rattus norvegicus) untersucht, die sie am Karls­platz und an den Uferpromenaden der Donau einfingen. Der Karlsplatz gehört zu den touris­tischen Zentren der österreichischen Hauptstadt, die Uferpromenaden sind bei Obdachlosen beliebt.

Die Forscher fanden heraus, dass die meisten Ratten mit multiresistenten Keimen besie­delt waren. Bei 9 der 62 Ratten wurden 8 multiresistente Escherichia coli und zwei Ente­robacter mit der gefürch­teten NDM-1-Resistenz gefunden, gegen die viele Antibiotika wirkungslos bleiben. 9 Enterobacteriaceae-Isolate enthielten das CTX-M-Gen, 1 das amp­C-Gen. Beide vermitteln ebenfalls eine Resistenz gegen Beta-Laktam-Antibiotika. Methicillin-resistente Staphylo­kokkenarten wurden bei 37 Ratten isoliert.

Stadtratten werden damit zu potenziellen Überträgern von Krankheitserregern. Am meis­ten gefährdet dürften Obdachlose sein, die einen wesentlich engeren Kontakt zu den Na­gern haben als Touristen, sofern die besuchten Orte regelmäßig gereinigt werden. Ob und wie häufig es tatsächlich zu Infektionen kommt, ist nicht bekannt.

Wien ist übrigens nicht die einzige Stadt, in der Ratten mit multiresistenten Enterobacte­riaceae infiziert sind. Die Inzidenz in der aktuellen Studie (14,5 %) war vergleichbar mit der in früheren Untersuchungen in Berlin (13,6 %) und Hongkong (13,9 %). In Piräus be­trug die Inzidenz sogar 61,5 % gegenüber „nur“ 6,5 % in Vancouver. © rme/aerzteblatt.de

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