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Mehr Masernfälle in Niedersachsen

Montag, 9. September 2019

/dpa

Hannover – Seit Jahresbeginn sind 85 Frauen, Männer und Kinder in Niedersachsen an Masern erkrankt. 47 Fälle davon stehen im Zusammenhang mit dem Ausbruch der Infek­tionskrankheit im Landkreis Hildesheim, wie das Landesgesundheitsamt in Hannover mit­teilte. 2018 hatte es landesweit insgesamt nur 18 Masernfälle gegeben.

Zuletzt wurden bei einer 18-jährigen Schülerin der Berufsbildenden Schulen in Papen­burg Masern festgestellt – daraufhin mussten ungeimpfte Schüler dem Unterricht fern­bleiben. Ein weiteres Mädchen hatte sich allerdings schon angesteckt, wie der Landkreis Emsland berichtete.

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Der letzte Fall des Masernausbruchs im Landkreis Hildesheim wurde nach Behördenan­gaben Ende April gemeldet. In der Region starb sogar eine Frau nach ihrer Masernerkran­kung infolge einer Lungenentzündung.

Das Bundeskabinett hat vor kurzem ein Gesetz für eine Masernimpfpflicht auf den Weg gebracht. Von März 2020 an müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind. Die Impfpflicht gilt auch für Tages­mütter, Kita-Personal, Lehrer und Beschäftigte im Medizinbereich. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 2.500 Euro. © dpa/aerzteblatt.de

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MITDENKER
am Mittwoch, 11. September 2019, 14:45

GRÜNE JUGEND

Die GRÜNE JUGEND überholt inzwischen die FDP bezügl. neoliberaler und (big)pharmafreundlicher Aussagen. Da sehe ich schwarz für die Zukunft der Partei, schade eigentlich...
Offenbar haben die jungen Schlauberger noch nicht mitgekriegt, dass sie von den Skeptikern und der GWUP systematisch gekapert worden sind. Das wird noch gewaltig innerparteilichen Ärger geben.
Avatar #771555
Rosenkohl
am Dienstag, 10. September 2019, 16:43

Instrumentalisierung von Todesfällen

Laut epidemiologischem Bulletin 36/2019 haben die Masern bis zur 33. epidemiologischer Woche 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum in Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen stark zugenommen, sind in Hamburg und Hessen leicht gestiegen, in Sachsen-Anhalt, Bremen, dem Saarland und Schleswig-Holstein genau gleich geblieben, haben in Berlin und Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern leicht abgenommen und in Bayern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen stark abgenommen. Deutschlandweit ist die Zahl mit 471 unwesentlich kleiner als 473 im Vorjahreszeitraum.

Dann also zu Niedersachsen. Die dortige Ge­sund­heits­mi­nis­terin hat noch am 8. Mai eine Impfpflicht abgelehnt. Dann plötzlich am 9. Mai schwenkte der Ministerpräsident um, https://www.landtag-niedersachsen.de/drucksachen/drucksachen_18_05000/03501-04000/18-03714.pdf. Seither bezeichnet auch die Ge­sund­heits­mi­nis­terin Impfpflicht plötzlich als "Ultima Ratio eines Gesamtpakets zur Verbesserung des Impfschutzes" https://www.landtag-niedersachsen.de/parlamentsdokumente/steno/18_wp/endber048.pdf (S. 4398). Die Ministerin übergeht, daß Impfpflicht im Infektionsschutzgesetz bisher als "letztes Mittel" zur Eindämmung einer lebensbedrohlichen Epidemie vorgesehen ist, nicht jedoch zur bloßen vermeintlichen "Verbesserung des Impfschutzes". Daß eine Impfpflicht den Impfschutz nicht verbessert ist nebenbei herrschende Lehrmeinung.

"Dabei müssen immer die Rechtsgüter Gesundheitsschutz und Selbstbestimmung bzw. körperliche Unversehrtheit gegeneinander abgewogen werden" (S. 4399) sagt die Ministerin. Auf die Frage des Abgeordneten Stefan Bothe "Verstieße die Einführung einer Impfpflicht bei Kindern nach Ansicht der Landesregierung unter Umständen gegen den Artikel 6 des Grundgesetzes, in dem steht, dass die Pflege und Erzie-ung das natürliche Recht der Eltern sind?" antwortet die Ministerin lapidar: "Nein. Da geht der Gesundheitsschutz vor" (S. 4402-4403).

Die Ministerin übergeht, daß indem Eltern das Pflege- und Erziehungsrecht ausüben sie stellvertretend auch für Gesundheitsschutz, Selbstbestimmung und körperliche Unversehrtheit des Kindes sorgen.

Die zuvor noch gegen Impfpflicht auftretende Landtagsfraktion von Bündnis90/Grüne hat übrigens seit der Wende der Landesregierung keine Meinung für oder gegen eine Impfpflicht mehr verlauten lassen, sondern ist anscheinend verstummt. Im Unterschied zum Landesverband der Grünen Jugend, der eine Impfpflicht begeistert begrüßt.

Die tagespolitische Instrumentalisierung des Hildesheimer Todesfalles durch die niedersächsische Landespolitik erinnert an das Vorgehen von Karl Lauterbach und Jens Spahn, die eine Impfpflicht am 22. Februar 2015 in der Welt am Sonntag forderten, noch bevor am folgenden Montag die Berliner Landesregierung den Maserntod eines Kleinkindes offiziell bekanntgab. Anscheinend verfügten Lauterbach und Spahn, der von einer "historischen Chance" sprach, damals über Insiderinformationen.
Avatar #771752
catch-the-day
am Montag, 9. September 2019, 23:42

selektive Wahrnehmung

Warum wird eigentlich nicht genauso penibel darüber berichtet, wie viele Patienten an Krankenhauskeimen sterben?
LNS

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