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KV Westfalen-Lippe: Spelmeyer folgt auf Nordmann

Montag, 9. September 2019

Dirk Spelmeyer (re.) wird am 1. Februar 2020 das Amt von Gerhard Nordmann übernehmen. /KVWL

Dortmund – Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) hat einen neuen 1. Vorstandsvorsitzenden. Dirk Spelmeyer wird am 1. Februar 2020 das Amt von Gerhard Nordmann übernehmen. Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) wählte den 59-jährigen Facharzt für Urologie aus Dülmen im Münsterland in ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit an die Spitze der KVWL.

Nordmann hatte in der Ver­tre­ter­ver­samm­lung am 6. Juli 2019 angekündigt, am 1. Februar 2020 in den Ruhestand gehen zu wollen. Spelmeyer hatte sich als einziger Kandidat zu­nächst zur Wahl in den Vorstand gestellt und konnte 39 Stimmen auf sich vereinigen. Drei VV-Mitglieder enthielten sich, es gab eine Gegenstimme.

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Nach dieser Wahl verlas der 2. Vorstandsvorsitzende der KVWL, Volker Schrage, eine Er­klä­­rung, dass er und sein Vorstandskollege Thomas Müller für die folgende Wahl des 1. Vorstandsvorsitzenden nicht kandidieren werden. „Thomas Müller und ich verzichten be­wusst auf den Vorstandsvorsitz“, betonte Schrage.

Der neue Vorstand habe viel vor, wolle neue Impulse setzen, einträchtig den Kurs der KVWL abstecken und gut mit der VV zusammenarbeiten. „Wir wollen unsere Amtszeit aber nicht mit einem Gerangel um Posten beginnen.“ Vielmehr gehe es um das gemeinsa­me Tragen von Verantwortung. „Sie sollen uns an unserem Handeln messen und nicht an­hand von Vorstand Nummer Eins, Zwei und Drei“, machte Schrage den Mitgliedern der VV deutlich.

Strukturen aufbrechen und neue Wege gehen

Damit blieb Spelmeyer der einzige Kandidat für die Wahl zum 1. Vorsitzenden und konnte 43 der 46 Stimmen auf sich vereinigen. Nach seiner Wahl kündigte er an, neue Impulse setzen und die strikte Trennung der Ressorts in der KVWL angehen zu wollen. „Ich habe vor, in Absprache mit den beiden anderen Vorständen die Strukturen aufzubrechen und mehr an Projekten orientiert mit den einzelnen Leuten zusammenzuarbeiten.“

Vor allem im Bereich der Sicherstellung der ambulanten Versorgung gelte es, durch flexi­ble Lösungen für die Arbeitszeit und durch Kooperationen unter Ärzten dem Ärztemangel zu begegnen.

„Wir müssen ganz neue Wege gehen, neue Vorschläge unterbreiten für die niedergelasse­nen Kolleginnen und Kollegen, um denen Angebote zu machen, die Praxen besser abge­ben zu können, und neue Strukturen schaffen, damit junge Ärzte in das System kommen“, so der künftige 1. Vorstandsvorsitzende, der sich selbst als Querdenker sieht. Dazu sollen sich die Mitarbeiter aus den drei Ressorts der KVWL regelmäßig beraten und ausloten, wo es Möglichkeiten der Zusammenarbeit, Synergieeffekte und Schnittmengen gibt.

Als vordringlichste Aufgabe sieht es der neu gewählte KVWL-Chef an, „erst mal rauszu­gehen und mit den Kolleginnen und Kollegen vor Ort ins Gespräch zu kommen“. Über die­ses Vorhaben habe er sich schon seit Monaten mit seinen künftigen Vorstandskollegen Müller und Schrage beraten. „Das Erste ist: Wir werden jetzt Regionalkonferenzen ma­chen“, schilderte Spelmeyer. Die sollen unmittelbar nach seinem Amtsantritt und in enger Abstimmung mit den Bezirksstellenleitern stattfinden, um auch sie stärker einzubinden.

Dadurch soll der neue Führungsstil der KVWL deutlich werden. „Wir wollen nicht sagen, der Vorstand bestimmt jetzt alles von oben, sondern wir wollen mit den Bezirksstellen­leitern und den Mitarbeiten des Hauses in die Peripherie gehen.“

Durch die flächendeckend in Westfalen-Lippe geplanten Regionalkonferenzen will der neue Vorstand erfahren, was die niedergelassenen Mediziner vor Ort beschäftigt und „wo die brennenden Probleme sind“. Das soll der KVWL auch zu einem anderen Image verhel­fen, „damit die KV nicht mehr als Institution wahrgenommen wird, sondern als Partner“.

Gegenwind von der Basis erwartet

In den Konferenzen erwartet Spelmeyer „erst mal ziemlich Wind von vorne“. Er selbst sei jahrelang niedergelassen und habe sich schon über vieles geärgert. „Das wird sich dort auch wiederfinden“, ist der Urologe überzeugt. Deswegen sollen die Konferenzen „gut strukturiert“ und die Themen vorgegeben sein. „Denn wir wissen ja, was wichtig ist.“

Strukturiert aufgearbeitet werden sollen auch die Anliegen, mit denen sich Vertragsärzte an das Service-Center der KVWL wenden. Denn auch sie sollen in künftige Verbesserun­gen einfließen. Und die sollen nicht lange auf sich warten lassen „Das Gute ist, dass wir uns sehr einig sind in unseren Einstellungen, in unseren Meinungen und in der Zielrich­tung“, sagte Spelmeyer mit Blick auf seine Vorstandskollegen.

Den größten Respekt hat der künftige KVWL-Chef vor den Honorar- und Vertragsverhand­lun­­gen mit den Krankenkassen. „Das sind natürlich ein Riesenpaar Schuhe, die zurückge­lassen werde“, lobte Spelmeyer seinen Vorgänger Nordmann. „Bis ich die ausfülle, wird es eine Zeitlang dauern.“ Dafür seien die vier Monate, die ihm jetzt noch bis zu seinem Amts­­antritt bleiben, viel zu knapp. Er könne aber auf gute Mitarbeiter in seinem Ressort zurückgreifen, die schon eine Liste hätten, was am dringlichsten anzugehen sei.

„Ich muss viele Dinge jetzt erst mal lernen, aber ich habe auch meinen eigenen Kopf, meine eigenen Vorstellungen und meine eigenen Ziele, die ich da gerne durchdrücken möchte.“ Dazu gehöre unter anderem, die Kosten, die die Praxen für die Qualität in den Bereichen Hygiene, Qualitätsmanagement und Praxisorganisation haben, zu benennen und für eine bessere finanzielle Ausstattung zu sorgen. Die Vertragsärzte subventionier­ten mit ihrer täglichen Arbeit die Gesundheitsversorgung der Menschen in Westfalen-Lippe. Das sei nicht länger hinnehmbar.

Notfallversorgung: lokale Lösungen finden

Hinsichtlich der Notfallversorgung plädierte Spelmeyer dafür, schnell lokale Lösungen zu finden und umzusetzen wie etwa die Neustrukturierung der Arztrufzentrale und das „Ein-Tresen-Modell“ der Portalpraxen. Grund sei die hohe Inanspruchnahme von Klinikambu­lanzen, die das System personell und finanziell an seine Leistungsgrenzen geführt hat.

Kritik übte er am Diskussionsentwurf des Gesetzes zur Notfallversorgung, der den Sicher­stellungsauftrag der Kassenärztlichen Vereinigungen in Frage stellt. „Sollte der Versor­gungs­auftrag und die Abrechnung künftig auf die Länder übergehen, wird es fraglich sein, ob im Falle eines Scheiterns die KV diesen Versorgungsauftrag wieder zurückhaben will.“ Alternativ halte er die Etablierung einer separaten Versorgungssäule unter Führung der KV mit eigenständiger Finanzierung durch die Krankenkassen für den sinnvolleren Weg – ganz im Sinne des bisherigen Vorstands.

Die Tätigkeit in seiner Praxis will Spelmeyer künftig zurückfahren und nur noch an einem Tag in der Woche ausüben, um den Kontakt zur Patientenversorgung nicht zu verlieren. Schon jetzt arbeiteten in seiner Praxis zwei Job-Sharer, von denen einer bereit sei, den Praxisbetrieb zu übernehmen und ihm dadurch den Rücken für seine neue Aufgabe freizuhalten. „Also ich habe richtig Lust und ich glaube, die Mitarbeiter der KVWL auch, dass wir mal richtig Gas geben.“ © ts/aerzteblatt.de

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