NewsAuslandNach Migrantenzustrom: Athen ruft EU zur Aufnahme von Kindern auf
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Nach Migrantenzustrom: Athen ruft EU zur Aufnahme von Kindern auf

Montag, 9. September 2019

/dpa

Athen – Griechenland hat die anderen EU-Staaten aufgerufen, zumindest minderjährige Migranten aus den Registrierlagern auf den Inseln der Ägäis aufzunehmen. Dort sind zur­zeit mehr als 24.000 Menschen untergebracht. Rund 40 Prozent von ihnen sind laut UN-Organisationen und griechischen Behörden Minderjährige im Alter unter 17 Jahren.

„Es kann nicht sein, dass ein Land sich weigert, 50 oder 100 Kinder aufzunehmen“, sagte der griechische Regierungschef Kyriakos Mitsotakis gestern im Staatsfernsehen (ERT). Er kritisierte zudem die Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Gren­­zen nach Europa für syrische Flüchtlinge zu öffnen.

Anzeige

Der konservative griechische Regierungschef forderte die EU auf, Maßnahmen gegen jene Staaten zu ergreifen, die sich weigern, Minderjährige aufzunehmen. „Einige Staaten wollen alle Vorteile der Bewegungsfreiheit im Schengen Raum haben, sie weigern sich aber, die Lasten zu teilen“, sagte Mitsotakis. Vor allem das Problem mit den Kindern liege ihm am Herzen.

Von Samstagmorgen bis Sonntagmittag Ortszeit setzten nach Angaben der griechischen Küstenwache 332 Migranten zu den Inseln, Rhodos, Kalymnos, Samos, Farmakonisi und Lesbos und damit auch in die EU über.

Auffanglager zu voll

In den für rund 6.300 Menschen ausgelegten Registrierlagern auf den Inseln Lesbos, Chi­os, Samos, Leros und Kos leben bereits mehr als 20.000 Menschen. Weitere 4.000 Men­schen sind in kleineren Lagern und Wohnungen untergebracht. Im August setzten nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 8.103 Menschen aus der Türkei zu den griechischen Ägäis-Inseln über. Im August 2018 kamen knapp 3.200.

Mitsotakis wies außerdem die Drohung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurück, die Grenzen nach Europa für syrische Flüchtlinge zu öffnen. „Erdogan muss be­grei­­fen, er kann nicht der EU und Griechenland drohen, um mehr Gelder (für die Türkei) zu sichern“, so Mitsotakis. Die EU habe bereits sechs Milliarden Euro an die Türkei wegen des Migrantenzustroms überwiesen.

Wenn Erdogan das Abkommen mit der EU neu aushandeln möchte, dann könne man da­rü­­ber sprechen, sagte Mitsotakis. „Nicht aber mit Drohungen und mit einer Sprache, die nicht mit guter Nachbarschaft im Einklang steht.“ Erdogan hatte vorgestern erklärt, die Türkei könne einen möglichen weiteren Flüchtlingszustrom aus Syrien nicht alleine schultern. Er appellierte an die EU, genügend finanzielle Unterstützung bereitzustellen. „Entweder Sie teilen diese Last oder wir müssen die Tore öffnen“, sagte Erdogan.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien 2011 rund 3,6 Millio­nen Flüchtlinge aufgenommen, mehr als jedes andere Land der Welt. Der im März 2016 geschlossene Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sieht vor, dass die EU alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurück­schi­cken kann. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise im Jahr 2015 hatte es Tage gegeben, an denen rund 7.000 Migranten über die Türkei griechische Inseln erreichten.

Die Bearbeitung der Asylanträge kommt wegen Personalmangels jedoch auch heute nur mühsam voran. Die im Juli abgelöste linke Regierung in Athen unter Ex-Premier Alexis Tsipras hatte wiederholt erklärt, sie habe nicht genügend Sachbearbeiter, um Asylver­fah­ren voranzubringen.

Die neue konservative griechische Regierung hat angekündigt, die Asylverfahren zu be­schleunigen. Wer kein Asyl bekommt, soll sofort in die Türkei zurückgeschickt werden. Für die Bearbeitung der Asylanträge soll es mehr Personal geben. „Wir werden das Ver­fahren beschleunigen, ohne Menschenrechte zu verletzen“, sagte Regierungschef Misto­takis. © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER