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Politik

Heilmittelerbringer drängen auf Direktzugang ohne vorherige Arztkonsultation

Montag, 9. September 2019

/dpa

Berlin – Patienten sollten Heilmittelerbringer – also Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und andere – aufsuchen können, ohne vorher dazu eine ärztliche Ver­ordnung erhalten zu haben. Das betont der Spitzenverband der Heilmittelerbringer im Umfeld des heute stattfindenden zweiten Therapiegipfels in Berlin.

„Der Direktzugang würde nicht nur Wartezeiten verkürzen, sondern das Gesundheits­sys­tem auch finanziell entlasten – bei mindestens ebenso guten therapeutischen Ergebniss­en“, hatte der Ver­band im Vorfeld des Treffens mitgeteilt.

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Unterstützung erhält er von den Grünen. „Der Beruf der sogenannten Heilmittelerbringer wird weit unter seinem Wert gehandelt. Zuletzt gab es mehr Geld, es gibt aber immer noch nicht genug Anerkennung. Die Lösungen sind aus diversen Gutachten bekannt und werden im Ausland auch längst praktiziert“, sagte Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Gesundheitspolitik der Partei.

Die Schlüsselwörter lauteten: Akademisierung und Direkt­zu­gang. In den meisten Ländern ist die Ausbildung akademisch, Patienten mit Beschwer­den können direkt zur Therapeu­tin gehen. Sie betonte, „Ärzte und Therapeuten stehen nicht in einer Rangordnung, in der es anord­nende und ausführende Berufe gibt“ – vielmehr ergänzten ihre Kompetenzen sich. „Es braucht nicht für alles und jedes einen Arzt“, so Klein-Schmeink.

Der Direktzugang biete zudem Lösungsmöglichkeiten für eine bessere Versorgung, insbe­sondere im ländlichen Raum. Die Bundesregierung sollte daher schnell Modellversuche zum Direktzugang für Heilmittelerbringer ermöglichen, forderte Klein-Schmeink.

Verbesserungen für Heilmittelerbringer will auch die CDU erreichen: Neben höheren Ho­no­raren sollen die Therapeuten laut dem Terminservice- und Versor­gungs­gesetzes künf­tig unabhängiger über die Art und Dauer der Behandlung entscheiden können, indem Ärzte Blankoverordnungen ausstellen.

Bis zum 15. November 2020 müssen dafür der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken­ver­sicherung und die Verbände der Heilmitteler­bringer im Einvernehmen mit der Kassen­ärztlichen Bundesvereinigung eine Vereinbarung schließen, die unter anderem die Indi­ka­tionen enthält, die sich für eine Blankoverordnung eignen. Zu dem heutigen Therapie­gipfel werden rund 500 Besucher erwartet. Die Eröffnung hat Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) übernommen.

Die Ärzteschaft steht dem Direktzugang kritisch gegenüber. Die Kassenärztliche Bundes­ver­einigung (KBV) begrüßt zwar grundsätzlich die erweiterte Versorgungs­verantwortung der Heilmittelerbringer, pocht aber darauf, dass die Diagnose- beziehungsweise Indikati­onsstellung für eine Heilmittelverordnung auch weiterhin vertragsärztliche Aufgabe bleiben müsse. © hil/aerzteblatt.de

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w.baertl
am Montag, 9. September 2019, 20:14

TSS für Heimittelerbringer?

ehe man den Direktzugang mit noch mehr Kontakten und Behandlungsbedürftigkeit anstrebt, sollten de Heilmittelerbringer doch jetzt erst einmal flächendeckend Termine innerhalb der gesetzlich vorgesehenen Frist von 2 Wochen ermöglichen. Die Klagen unserer Patienten über keine freien Termine bzw. erst nach 4 Wochen nehmen exponentiell zu. 90 % unserer Rezepte müssen wir über die Regelwartezeit hinaus verlängern. Herr Spahn sollte erst einmal über eine Terminservicestelle (TSS) für Heilmirtelerbringer nachdenken, ehe er diese "Nadelöhrschleuse" noch weiter öffnet.
W.Bärtl
Orthopäde
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