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Kalifornien verschärft Impfpflicht für Kinder

Dienstag, 10. September 2019

/stalnyk, stock.adobe.com

Sacramento – Kalifornien will mit einem neuen Gesetz die Impfpflicht im US-West­küs­ten­­staat verschärfen. Der demokratische Gouverneur Gavin Newsom unterzeichnete ges­tern einen Entwurf, der Ausnahmen von den bereits bestehenden Impfvorschriften weiter einschränkt. Hunderte Impfgegner hatten vor dem Kapitol in der kalifornischen Haupt­stadt lautstark protestiert, wie die Zeitung Sacramento Bee berichtete.

Anders als in Deutschland gibt es in Kalifornien bereits seit 2015 eine Impfpflicht für Kin­der, die staatliche oder private Schulen oder Kitas besuchen. Ausnahmen wurden nur in medizinischen Ausnahmefällen gemacht, wie etwa Unverträglichkeiten mit dem Impf­stoff.

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Das neue Gesetz sieht eine stärkere staatliche Kontrolle dieser Ausnahmeregelungen vor. Es richtet sich vor allem gegen Ärzte, die zahlreiche dieser medizinischen und möglicher­weise fragwürdigen Befreiungen ausgestellt hatten.

In den USA gibt es viele Eltern, die unter anderem aus Sorge vor möglichen Nebenwir­kun­gen ihre Kinder nicht impfen lassen. Gegner führen häufig die von Wissenschaftlern widerlegte Behauptung an, Impfungen könnten zu Autismus führen.

In Deutschland hat das Bundeskabinett ein Gesetz für eine Masernimpfpflicht auf den Weg gebracht. Ab März 2020 müssen Eltern vor der Aufnahme ihrer Kinder in eine Kita oder Schule nachweisen, dass diese geimpft sind.

Die Impfpflicht gilt auch für bestimmte Erwachsene, wie Tagesmütter, Kitapersonal, Lehrer und Beschäftigte im Medizinbereich. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 2.500 Euro. © dpa/aerzteblatt.de

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MITDENKER
am Mittwoch, 11. September 2019, 14:54

Die Folgen der Impfpflicht

...sind hier nachzulesen. Wie immer hervorragender Beitrag von Bert Ehgartner:

https://ehgartner.blogspot.com/
Avatar #771555
Rosenkohl
am Dienstag, 10. September 2019, 18:38

Eingriff in die Kind-Eltern- und Arzt-Patient-Beziehungen

Impfpflicht gibt es nicht erst seit 2015 in Kalifornien.

Eine erste Impfpflicht wurde gegen Pocken wurde 1850 von Massachusetts für öffentliche Schulen eingeführt. Zu Begin des 20ten Jahrhunderts verlangten beinahe die Hälfte der Bundesstaaten daß Kinder vor dem Schuleintritt geimpft werden.

Im Jahr 1963 gab es in 20 Staaten, Washington D.C. und Puerto Rico entsprechende Gesetze, wobei verschiedene Impfungen vorgeschrieben wurde. Die Durchsetzung war uneinheitlich. In den frühen 1970er Jahren gab es in Staaten mit einer Schulimpfpflicht zwischen 40 und 51% geringere Maserninszidenzen. In 6 Staaten mit einer strengen Umsetzung von Impfpflichten an Schulen gingen die Masern ab 1977 stark zurück. Ab 1980 hatten sämtliche 50 Bundestaaten eine Impfpflicht für Kinder beim Schuleintritt erlassen, vergl. S. 8-9 von https://www.cdc.gov/vaccines/imz-managers/guides-pubs/downloads/vacc_mandates_chptr13.pdf. Im Jahr 1986 unterzeichnete Präsident Ronald Reagan den National Childhood Vaccine Injury Act, womit Impfstoffhersteller von Regressforerungen bei Impfschäden befreit wurden, was sich als entscheidend für die Förderung des Impfmarktes erwies, vergl. https://en.wikipedia.org/wiki/National_Childhood_Vaccine_Injury_Act.

Eine Impfpflicht gab es in Kalifornien somit schon lange. Seit 2015 wurden dann religiöse und weltanschauliche Ausnahmen nicht länger zugelassen.

Angeblich wurden kalifornische Abgeordnete damals 2015 mithilfe von animierten Computersimulationen ("FRED") davon überzeugt, daß höhere Impfraten zu Herdenimmunität führen. "After watching a simulated outbreak unfold among his constituency, however, Block said his sense of duty to protect public health overwhelmed his other concerns", https://fivethirtyeight.com/features/facts-alone-wont-convince-people-to-vaccinate-their-kids/.

Dies war praktisch der erkenntnistheoretische Sündenfall der Politik. Die meisten Politiker haben einmal simulierte Bilder der Herdenimmunität auf dem Bildschirm gesehen, jedoch niemals aktiv kognitiv nachvollzogen, worum es sich bei Herdenimmunität der Sache nach handelt. Daher bleibt diesen Politikern auch unbekannt, daß bei niedrigen Erkrankungszahlen, wie sie in den meisten westlichen Ländern inzwischen üblich sind, bereits Herdenimmunität vorliegt, und daß eine weitere Steigerung der Impfrate über die kritische Schwelle der Herdenimmunität hinaus nicht effektiv ist.

Es wäre zu belegen an welcher Stelle von Gegnern des neuesten kalifornischen Gesetzespakets, welches medizinische Ausnahmen weiter einschränken die Befürchtung geäußert wird, "Impfungen könnten zu Autismus führen". Diese angebliche Befürchtung wird von Impfpflicht-Proponenten offensichtlich zunehmend als ein leicht bekämpfbares Strohmann-Argument vorgeschoben. Nach meiner Kenntnis lehnen vieler Gegner das neue kalifornische Gesetz vielmehr wegen Eingriffen in die Kind-Eltern- und Arzt-Patient-Beziehungen ab. ("Opponents have criticized the bill as infringing on the child-parent and doctor-patient relationships", https://www.dailyherald.com/article/20190904/news/309049892/).
LNS

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