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Ausland

Europa kommt im Kampf gegen gesundheitliche Ungleichheit nicht voran

Dienstag, 10. September 2019

/dpa

Brüssel – Die gesundheitlichen Ungleichheiten sind in vielen Ländern Europas in den vergangenen Jahren gleich geblieben oder haben sich sogar vertieft. Das zeigt der erste sogenannte Health Equity Status Report der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO).

Laut dem Bericht ist es aber möglich, viele der Faktoren für diese gesellschaftlichen Un­gleichheiten in den einzelnen Ländern kurzfristig anzugehen, sogar innerhalb der Vier-Jahres-Legislatur­periode einer Regierung.

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„Zum ersten Mal stellt der Health Equity Status Report den Regierungen die Daten und Instrumente zur Verfügung, die sie benötigen, um gesundheit­liche Ungleichheiten in re­lativ kurzer Zeit anzugehen und sichtbare Ergebnisse zu erzielen“, sagte Zsuzsanna Jakab, WHO-Regionaldirektorin für Europa, bei der Vorstellung des Reports.

Soziales Gefälle

Während die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa bis 2016 auf 82 Jahre für Frau­en und 76,2 Jahre für Männer angestiegen ist, gibt es immer noch erhebliche ge­sund­heitliche Ungleichgewichte zwischen den sozialen Gruppen: Die Lebenserwartung einer Frau wird um bis zu sieben Jahre und die eines Mannes um bis zu 15 Jahre gesenkt, wenn sie zu den am stärksten benachteiligten Gruppen gehören.

Fast doppelt so viele Frauen und Männer in den am wenigsten wohlhabenden 20 Prozent der Bevölkerung berichten von Krankheiten, die ihren Alltag einschränken, im Vergleich zu den am meisten wohlhabenden 20 Prozent.

Trends zeigen laut dem Bericht zudem, dass sich in fast 75 Prozent der befragten Länder die Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen den am stärksten und am wenigsten begünstigten Regionen seit über einem Jahrzehnt nicht verändert haben und sich in eini­gen Fällen sogar noch verschärft haben.

In den am stärksten benachteiligten Gebieten überleben zum Beispiel vier Prozent mehr Babys ihr erstes Jahr nicht, verglichen mit Babys, die in wohlhabenderen Gebieten gebo­ren wurden.

Risikofaktoren für gesundheitliche Ungleichheit

Der Bericht identifiziert fünf Hauptrisikofaktoren, die viele Menschen davon abhalten, eine gute Gesundheit zu erreichen und ein sicheres und menschenwürdiges Leben zu führen.

  • Etwa 35 Prozent der gesundheitlichen Ungleichheiten resultieren laut der WHO daraus, „nicht über die Runden zu kommen“. Zu den Betroffenen können auch Menschen in Vollzeitbeschäftigung gehören, also die sogenannten arbeitenden Armen.
  • Ungünstige Lebensbedingungen machen laut dem Report 29 Prozent der gesund­heitlichen Ungleichheiten aus. Dieser Faktor beinhaltet unter anderem feuchte und unhygienische Wohnverhältnisse, Lebensmittelknappheit und anderes.
  • 19 Prozent der Ungleichheiten machen laut der WHO „Sozial- und Humankapital“ aus. Dazu gehören unter anderem Gewalt gegen Frauen, mangelnde Beteiligung an der Bildung und mangelndes lebenslanges Lernen.
  • Ein mangelnder Zugang zum Gesundheitssystem sind für 10 Prozent der gesund­heit­lichen Ungleichheiten verantwortlich. Dazu gehören auch hohe Eigenbeteili­gun­gen für die Versorgung.
  • Die Unfähigkeit, in vollem Umfang am Arbeitsmarkt teilzunehmen, macht laut dem Report 7 Prozent der gesundheitlichen Ungleichheiten aus.

Engagement gegen gesundheitliche Ungleichheiten wirkt sich laut der WHO auch öko­no­misch positiv aus: Die Verringerung der Ungleichgewichte um 50 Prozent würde den Län­dern finanzielle Vorteile bringen, die zwischen 0,3 Prozent und 4,3 Prozent des Bruttoin­lands­pro­dukts liegen, so der Bericht. © hil/aerzteblatt.de

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