NewsMedizinStudie: Konservierungszeiten von Lebertransplantaten verdreifacht
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Studie: Konservierungszeiten von Lebertransplantaten verdreifacht

Mittwoch, 11. September 2019

/dpa

Boston – US-Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Organe auf unter Null Grad gekühlt werden können, ohne zu gefrieren. In einer Machbarkeitsstudie in Nature Biotechnology (2019; doi: 10.1038/s41587-019-0223) konnten drei Lebertransplantate ohne Schäden über 27 Stunden konserviert werden.

Spenderorgane müssen derzeit bei Temperaturen über dem Gefrierpunkt transportiert werden. Ein Absinken der Temperatur auf unter 0 Grad würde zur Bildung von Eiskristallen führen, die die Zellwände zerstören. Eine Gefrierverzögerung („super-cooling“), bei der die Flüssigkeit unter den Gefrierpunkt abgekühlt werden kann, ohne dass sie erstarrt, ist heute mit Gefrierschutzmitteln möglich, von denen die meisten jedoch für das Gewebe toxisch sind.

Anzeige

In früheren Studien hatte ein Team um Korkut Uygun vom Massachusetts General Hospital in Boston die Konservierungszeiten von Rattenlebern verlängert. Dies war ihnen gelungen, indem sie der Konservierungslösung eine modifizierte Glukoseverbindung (3-OMG) und Polyethylenglycol (PEG-35kD), ein bekanntes Frostschutzmittel, hinzufügten. Durch die PEG-Verbindung konnte die Temperatur auf minus 6 Grad Celsius gesenkt werden, ohne dass es zu Frostschäden kam.

Bei den 200-mal größeren Organen von Menschen scheiterte das Verfahren jedoch. Die Bildung von Eiskristallen konnte nicht überall verhindert werden. Die Forscher haben die Methode deshalb in drei Bereichen modifiziert. Zum ersten wurden die Organe nach der Entnahme luftdicht versiegelt. Die Forscher hatten festgestellt, dass sich die Eiskristalle bevorzugt an Stellen bildeten, an denen die Konservierungsflüssigkeit Kontakt zur Umgebungsluft hatte.

Als nächstes fügten die Forscher der Konservierungslösung zwei zusätzliche Substanzen hinzu, um die Hepatozyten zu schützen. Der erste Zusatzstoff, Trehalose, stabilisiert die Zellmembranen. Der zweite Zusatzstoff, Glycerin, unterstützt die Schutzeigenschaften von 3-OMG. Beide Substanzen werden erfolgreich zur Kryokonservierung von einzelnen Zellen verwendet, nicht jedoch zur Konservierung von Transplantationsorganen.

Die zusätzlichen Substanzen erhöhten die Viskosität der Konservierungslösung. Die übliche manuelle Spülung der Organe gelang deshalb nicht. Die Forscher mussten auf eine maschinelle Perfusion zurückgreifen, die bisher jedoch nicht für die Verwendung sehr kalter Lösungen vorgesehen war.

Am Ende gelang es den Forschern, die Organe für den Transport auf minus 4 Grad abzukühlen und später langsam wieder zu erwärmen. Die menschlichen Spenderlebern, die derzeit nach spätestens 9 Stunden transplantiert werden müssen, waren bis zu 27 Stunden „haltbar“. Diese Verlängerung könnte die Flexibilität der Zuteilungszentren erhöhen und einen Transport über weite Strecken ermöglichen.

In den USA könnten Lebertransplantate mit der Methode an alle Kliniken des Landes transportiert werden, schreiben die Autoren. Die Experimente wurden allerdings bisher nur an 3 Leberorganen im Labor erprobt, die später nicht transplantiert wurden. Vor einem Einsatz am Menschen dürften noch weitere präklinische Versuche erforderlich sein. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Braunschweig – Statt in Untersuchungshaft zu sitzen, hätte er in Jordanien 50.000 US-Dollar pro Monat verdienen können. Ein im Göttinger Transplantationsskandal freigesprochener Chirurg soll dafür mit
Im Organspendeskandal freigesprochener Arzt soll 1,1 Millionen Euro Entschädigung erhalten
9. September 2019
Frankfurt am Main – Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) hat die einzelnen Tätigkeitsberichte aller deutschen Transplantationszentren für das vergangene Jahr veröffentlicht. Patienten
Tätigkeitsberichte der Transplantationszentren für 2018 liegen vor
29. August 2019
Philadelphia – In den Vereinigten Staaten wurden zwischen 2004 und 2014 fast 28.000 Nieren verstorbener Spender entsorgt. Französische Transplantationszentren hätten hingegen mehr als 60 % (etwa
Französische Transplantationszentren nutzen eher Nieren von älteren Spendern als die USA
19. August 2019
Sydney – Die mutmaßliche Verwendung von Organen exekutierter Strafgefangener in China hat im letzten Monat die Fachzeitschriften Transplantation und PLOS ONE bewogen, insgesamt 15 Publikationen
Journals ziehen Publikationen wegen Organtransplantationen nach Hinrichtung zurück
15. August 2019
Freiburg – Mehrere Fachgesellschaften haben eine neue Leitlinie für Diagnose, Prävention und Behandlung von Virusinfektionen bei Organ- und Stammzelltransplantierten vorgelegt. Sie richtet sich an
Leitlinie zu Virusinfektionen bei Organ- und Stammzelltransplantierten veröffentlicht
6. August 2019
Göttingen/Braunschweig –Gut vier Jahre nach seinem Freispruch im Prozess um den Göttinger Transplantationsskandal verlangt ein Arzt gut 1,2 Millionen Euro Schadenersatz vom Land Niedersachsen. Eine
Transplantationsmediziner fordert nach Freispruch rund 1,2 Millionen Euro
25. Juni 2019
Berlin – Ein Bündnis von medizinischen Spitzenorganisationen will die Abläufe der Organspende in Deutschland weiter verbessern. Der Gemeinschaftliche Initiativplan umfasst etwa Empfehlungen für
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER