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Politik

Modellprojekt zur Finanzierung von Verhütung zieht Bilanz

Dienstag, 10. September 2019

Sven Bhren - stock.adobe.com

Berlin – Frauen mit geringem Einkommen haben einem Modellprojekt zufolge Probleme, ihre Verhütung zu finanzieren. „Verhütung darf keine Frage des Geldbeutels sein“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Caren Marks (SPD), heute in Berlin bei der Vorstellung der Ergebnisse des Modellvorhabens der Beratungsor­gani­sation pro familia.

Das Projekt „biko – Beratung, Information und Kostenübernahme bei Verhütung“ hatte drei Jahre lang an sieben Standorten in ganz Deutschland Frauen mit wenig Geld beraten und die Kosten für ihre verschreibungspflichtige Verhütungsmittel übernommen. Geför­dert wurde das Vorhaben durch das Bundesfamilienministerium.

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In einer nicht repräsentativen Anzahl von Interviews äußerte den Angaben zufolge mehr als die Hälfte der befragten Frauen, dass sie ohne eine Kostenübernahme nicht oder we­ni­ger sicher verhüten würden.

Frauen mit wenig Geld seien häufig dazu gezwungen, sich zwischen Verhütung und ande­ren wichtigen Anschaffungen zu entscheiden, erklärte Marks. Einige Frauen würden bei­spielsweise die Pille „strecken“, das heißt unregelmäßig zu sich nehmen, damit die Packung länger reiche. Dies gefährde sowohl eine zuverlässige Verhütung als auch die Gesundheit der Frauen, so die SPD-Politikerin.

Im Rahmen des Projekts wurden den Angaben zufolge für rund 4.400 Frauen die Kosten für Verhütungsmittel übernommen und 4.700 Beratungsgespräche geführt. Mehr als die Hälfte der Anspruchsberechtigten in Erstgesprächen bezogen Arbeitslosengeld II, 13 Pro­zent hatten ein niedriges Einkommen und 10 Prozent erhielten Bafög. Nachgefragt wur­den demnach vor allem die Hormonspirale und die Pille.

„Geschlechtergerechtigkeit in einer Gesellschaft lässt sich auch am Grad der Umsetzung sexueller und reproduktiver Rechte und Gesundheit messen“, betonte die pro-familia-Vor­sitzende Dörte Frank-Boegner. Die Tatsache, dass sich viele Frauen in Deutschland keine Verhütung leisten können, sei auch eine Diskriminierung von Frauen.

Berechnungen des wissenschaftlichen Instituts Camino zufolge wären bei einer Auswei­tung des Modellprojekts biko in ganz Deutschland rund 100.000 Frauen für eine erstma­lige Kostenübernahme berechtigt. Die Kosten dafür würden bei 16 Millionen Euro liegen, könnten aufgrund fehlender Daten aber auch auf 21 Millionen ansteigen.

Auf Basis der vorgestellten Ergebnisse forderte pro familia in diesem Zusammenhang, dass Verhütung in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auf­genommen, Nichtkrankenversicherte ebenfalls Zugang zu Verhütungsmitteln erhalten und auf eine „stigmatisierende Bedürftigkeitsprüfung“ für Menschen mit wenig Geld verzichtet werden solle. © kna/aerzteblatt.de

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