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Politik

Gemeindeschwestern könnten Modell für Thüringen sein

Mittwoch, 11. September 2019

/dpa

Erfurt – Thüringens Sozialministerin Heike Werner (Linke) kann sich die Einführung von Gemeindeschwestern mit medizinischer Ausbildung in Thüringen vorstellen. Es gebe be­reits das Modell „Schwester Verah“, sagte Werner. Dabei handelt es sich um medizinisches Personal, das von den Hausarztpraxen aus unter anderem Hausbesuche macht. „Vielleicht braucht man noch andere Modelle, wo jemand im Dorf und in der Region unterwegs ist“, sagte Werner gestern bei der Vorstellung des zweiten Thüringer Seniorenberichts in Erfurt.

Dabei denke sie ebenfalls an ausgebildete Krankenschwestern, die den Gesundheitszu­stand überprüfen und auch Blut abnehmen können. Allerdings müsse man mit den Kran­kenkassen über Möglichkeiten der Finanzierung sprechen, sagte Werner. Ihrer Ansicht nach funktioniert das Modell der „Schwester Verah“ eher für größere Hausarztpraxen.

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Kleinere Praxen hätten nicht genug Schwestern, die unterwegs sein könnten. Einige Kom­munen in Thüringen dächten bereits darüber nach, über das Landesprogramm „Solidari­sches Zusammenleben der Generationen“ Dorfzentren zu finanzieren, in denen eine Art Gemeindeschwester auch medizinische Aufgaben übernimmt.

2020 soll zunächst das Modell-Projekt „AgaThe“ starten. Dabei sollen ältere Menschen unterstützt werden, „damit Pflegebedürftigkeit erst gar nicht entsteht“, wie Werner sagte. Hier gehe es etwa darum, Hilfe im Haushalt zu organisieren, Freizeit- und Ehrenamts­ak­tivitäten zu vermitteln.

Die Senioren sollen auch durch das bereits vorhandene Hilfesystem gelotst werden. „Wir haben viele alte Leute, die nicht wissen, was es alles gibt und die sich dann zurückzie­hen“, sagte Werner. Nach Angaben des Sozialministeriums stehen für das Projekt „AgaThe“ im Haushalt 2020 rund 1,9 Millionen Euro bereit.

Laut aktuellem Seniorenbericht haben viele ältere Thüringer ab 75 Jahren Angst vor den finanziellen Folgen einer Pflegebedürftigkeit. „Es besteht die Angst auch davor, Angehöri­gen zur Last zu fallen“, sagte Werner.

Thüringen hat Werner zufolge bundesweit die höchste Zunahme von pflegebedürftigen Menschen. Zwischen 2015 und 2017 gab es eine Zunahme von knapp 24 Prozent. In Thü­ringen leben dem Bericht zufolge 287.000 Menschen, die 75 Jahre oder älter sind.

Für den zweiten Thüringer Seniorenbericht wurden unter anderem Daten des Statisti­schen Landesamtes ausgewertet, Fragebögen an Senioren verschickt und Experteninter­views geführt. Die neu erhobenen Daten in dem Bericht sind nicht repräsentativ. © dpa/aerzteblatt.de

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