NewsÄrzteschaftFachgesellschaften warnen vor unkritischem Umgang mit Nahrungs­ergänzungsmitteln
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Fachgesellschaften warnen vor unkritischem Umgang mit Nahrungs­ergänzungsmitteln

Donnerstag, 12. September 2019

  Choice between vitamins from supplements or from vegetables and fruits  /inventart AdobeStock.com
Bei Menschen, die unter einem Mangelzustand leiden, können Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein, etwa bei bestimmten Krankheiten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder einer einseitigen Ernährung. / inventart AdobeStock.com

Wiesbaden – Die Deutschen geben immer mehr Geld für Nahrungsergänzungsmittel aus. „Der Trend steht in deutlichem Gegensatz zu aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Hochrangig publizierte Studien legen nahe: Nahrungsergänzungsmittel sind ohne Nutzen für die Primärprävention, also die Gesunderhaltung und Vorbeugung von Krankheiten“, warnen die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechsel­krankheiten (DGVS) und die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Eine langfristige Einnahme könne sogar risikoreich sein. Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente sollten deshalb nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, so die Fachgesellschaften. 

Ihre Empfehlungen stützen die Fachgesellschaften auf diverse Studien: Eine der umfassendsten Untersuchungen zum Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln erschien 2017 in Advances in Nutrition. Hier werteten Forscher 49 verschiedene Studien mit 290.000 Teilnehmern aus und stellten fest: Die Einnahme von Vitamin C-, Vitamin D- , Vitamin K- , Magnesium-, Selen-, oder Zink-Präparaten ebenso wie Omega 3-Fettsäure-Kapseln hat keinen positiven Einfluss auf die Vermeidung von Krankheiten wie Krebs oder Herz-Kreislauf-Leiden und bewirkt keine Lebensverlängerung.

Anzeige

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen Studien, die in jüngster Zeit publiziert wurden, etwa eine Auswertung der US-Kohortenstudie NHANES aus diesem Jahr (Ann Intern Med. 2019). Hier fanden Forscher lediglich positive Effekte für Vitamine und Mineralstoffe aus der Nahrung, nicht jedoch, wenn diese in Form von Nahrungsergänzungsmitteln aufgenommen wurden.

Nahrungsergänzungsmittel nur für wenige Personengruppen notwendig

„Die Werbeaussage, wonach jeder Mensch eine Extraportion Vitamine oder Mineralstoffe zur Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit und Gesundheit braucht, ist schlicht und einfach falsch“, sagte Jürgen Schölmerich, Facharzt für Gastroenterologie und ehemaliger ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Universitätsklinikums Frankfurt am Main. Nur für wenige Personengruppen, etwa Schwangere oder Veganer, seien bestimmte Nahrungsergänzungsmittel-Präparate tatsächlich empfohlen.

Außerdem überschreiten die Hersteller oft die von den Fachgesellschaften empfohlenen Höchstdosen der Nahrungsergänzungsmittel. Sabine Pricelius, Centrum für Gesundheit der AOK Nordost

„Ein an sich gesunder Mensch, der sich ausgewogen ernährt, braucht keine Nahrungs­ergänzungsmittel“, bestätigt auch Sabine Pricelius, Fachärztin für Innere Medizin und Naturheilverfahren am Centrum für Gesundheit der AOK Nordost. Gerade die freiverkäuflichen Präparate würden oft eine Fülle an unterschiedlichen Vitaminen und Nährstoffen enthalten, was gelegentlich zu unerwünschten Interaktionen der Nährstoffe und Vitamine untereinander führen könnte. „Außerdem überschreiten die Hersteller oft die von den Fachgesellschaften empfohlenen Höchstdosen der Nahrungsergänzungsmittel“, sagt Pricelius.

Dennoch wurden 2018 hierzulande nach einer vom Lebensmittelverband Deutschland in Auftrag gegebenen Erhebung 225 Millionen Packungen dieser Präparate verkauft. Der Umsatz ist von 1,31 Milliarden Euro im Jahr 2017 auf 1,44 Milliarden Euro im Jahr 2018 gestiegen. Verbraucher sollten sich mit ihrem Arzt besprechen, ob und wenn ja, welche Präparate sie benötigen.

Keine Empfehlung für Acetylsalicylsäure in der Primärprävention

Schölmerich warnte auch vor der Einnahme von Acetylsalicylsäure-Tabletten zur Primärprävention. „Wegen seiner blutverdünnenden Wirkung wird Aspirin beispielsweise erfolgreich nach Herzinfarkten oder Schlaganfällen eingesetzt, um ein weiteres Ereignis zu verhindern“, so Schölmerich. Für den Einsatz von Acetylsalicylsäure in der Primärprävention jedoch sei die Datenlage ernüchternd, so der Experte und verweist auf eien Studie im New England Journal of Medicine© hil/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #787438
NicMus
am Samstag, 14. September 2019, 11:25

Eine Meldung von der Pharmaindustrie?

So ein Quatsch.
Die meisten Menschen in Deutschland sind übersäuert.
Übersäuerung macht oft chronisch krank ( Diabetis,Rheuma,Arthtrose,
Gicht usw.)
Ich selbst konnte mit einer Ermährungsumstellung und Nahrungsergänzungsmitteln von einem Rheumamittel loskommen.
Erfolg genug???
Seht euch in You Tube Videos von Robert Franz an.
Da geht einem das Licht auf.
Es gibt noch andere Heilmittel wie Chemiebomben.
Viel Gesundheit wünsche ich euch allen :-)
Avatar #787436
afranke_ch
am Samstag, 14. September 2019, 11:04

3 Tage nach der ARD Monitor Reportage? Ein Zufall?

Als ob man es geahnt hätte, kriecht nun das gesamte Pharmanetzwerk aus ihrer Höhle und möchte den Verbraucher warnen - vor was eigentlich? Wenn vor etwas gewarnt werden sollte, dann vor der unreflektierten Verschreibungspraxis mancher Fachleute, die schmerzpatienten unter Drogen (Opiate) setzen und mit Psychopharmaka ruhig stellen (deren Nutzen laut NZZ nicht besser als Placebo ist). Natürlich kommt es immer darauf an, WAS in NEM enthalten ist. Es gibt zahlreiche vielversprechende Substanzen, die sich bei Beschwerden bewährt haben - auch in anderen Kulturen und Ländern dieser Welt (und zwar seit Jahrtausenden). Nahrungsergänzungsmittel sind dabei lediglich das "Vehikel", um die Substanz in den Körper zu bringen. Tausende unabhängige Studien, die in solchen Reportagen und pauschalen Warnungen (besonders der Verbraucherschutzzentrale) unerwähnt bleiben, sprechen eindeutig für den gesundheitlichen Nutzen. Doch das Lobby-Hobby gewisser Behörden, NGO´s und Medien scheint wohl eher die Desinformation des Verbrauchers zu sein. Ich sag nur Gift im Herzen!
Avatar #787400
Teff
am Freitag, 13. September 2019, 22:09

Seltsam


Selbst die sonst nicht wirklich alterative Wikipedia spricht von Vit C-Mangel als eine Bedingung für chron.entzündliche Erkrankungen etc.Und viele Deutsche essen lt Befragungen zuwenig oder garkein Obst und Gemüse.Auch ohne Mega.Dosen schadet der Blick nach Amerika bei den Vitaminen nicht.
Avatar #787395
Naturkraft
am Freitag, 13. September 2019, 21:06

Keine Vitamine nötig?

ca. 55% der deutschen haben Vit. D-Mangel, in der Erkältungszeit sind Vitamin C Präparate nachweislich wirksam... Hier werden Studien und simple Tatsachen wie das wir in diesen Breitengraden und mit Kleidung gar nicht genug Vitamin D(3) aufnehmen können.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. September 2019
Berlin – In der Debatte um klarere Kennzeichnungen von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln liegt eine weitere bundesweite Repräsentativbefragung vor, die das Institut für Demoskopie Allensbach
Lebensmittelverband sieht eigenes Nährwertkennzeichnungsmodell als Favorit
11. September 2019
Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstrategie beschlossen. Diese befände sich inzwischen in den Endzügen, verkündete die gesundheitspolitische Sprecherin
Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen
11. September 2019
Grado – Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern in Deutschland sollen ein besonderes Gewicht auf ärztliche Fortbildungen zum Thema Ernährung legen. Das haben verschiedene Ärztekammern und ärztliche
Ärztekammern betonen Bedeutung der Ernährungsmedizin
10. September 2019
London – Eine Steuer auf zuckerreichen Snacks wie Kekse, Kuchen und anderen Süßigkeiten könnte als Maßnahme gegen Fettleibigkeit effektiver sein als die Erhöhung der Preise für zuckergesüßte Getränke.
Steuer auf zuckerreiche Snacks möglicherweise besonders effektiv
5. September 2019
Oxford – Vegetarier (einschließlich Veganer) und Pescetarier (die Fisch essen) hatten in einer prospektiven Beobachtungsstudie ein niedrigeres Risiko auf eine ischämische Herzerkrankung als
Vegetarier und Pescetarier erleiden seltener Herzinfarkte, Vegetarier aber mehr Schlaganfälle
4. September 2019
Lyon – Erwachsene, die täglich zwei oder mehr Süßgetränke konsumieren, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2019; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.2478) auch dann ein
Europäische Studie: Süßgetränke erhöhen Sterberisiko
4. September 2019
Genf – Die Regierungen sollten weltweit in ihren Gesundheitssystemen einen stärkeren Fokus auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung und eine ausreichende Nährstoffversorgung legen. Das fordert die
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER