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Politik

Nationale Diabetesstrategie in den finalen Zügen

Mittwoch, 11. September 2019

 Aufschrieb zur Blutzuckerselbstkontrolle eines Diabetikers. /Jeanette Dietl, stock.adobe.com
In 80 Prozent von 46 untersuchten Ländern der OECD und der EU hat die Diabetes-Berichterstattung einen hohen Stellenwert. Mehr als drei Viertel dieser Länder haben bereits eine nationale Diabetes-Strategie oder Aktionsplan zu Diabetes mellitus. /Jeanette Dietl, stock.adobe.com

Berlin – CDU/CSU und SPD haben im Koalitionsvertrag 2018 eine nationale Diabetesstra­tegie beschlossen. Diese befände sich in­zwischen in den Endzügen, verkündete die ge­sund­heitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Sabine Dittmar heute bei einer Pressekonferenz der Deutschen Dia­betes Gesellschaft (DDG) in Berlin.

„Ich gehe davon aus, dass wir noch in dieser Woche zu einem Ergebnis kommen, so dass wir die Strategie in der letzten Sitzungswoche in der Fraktion bestätigen lassen können.“ Innerhalb der SPD-Fraktion bestünde bereits ressortübergreifend Einigkeit. Das Papier zur nationalen Diabetesstrategie müsse nur mit der Union abgestimmt werden. Eine Spre­cherin der Union bestätigte, dass noch diese Woche Gespräche stattfinden würden, die zu einer Einigung führen könnten.

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Den abschließenden Beratungen wollte Dittmar nicht vorgreifen. Sie verriet nur, dass eine Zuckersteuer kein Thema sei. Sie wünsche sich zudem mehr Mut bei Nährwertkenn­zeichnung, Werbebeschränkungen und der Reduktion von Zucker in zuckergesüßten Ge­tränken.

Damit schloss sie sich der Stellungnahme von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks an. Sie sprach sich heute erneut für eine Zuckersteuer und eine Steuersen­kung auf gesunde Lebensmittel aus, was sie als „gesunde Mehrwertsteuer“ bezeichnete.

Unnötige Verbraucherberfragung zur Nährwertkennzeichnung

Prüfer-Storcks zeigte wenig Verständnis für den „langwierigen Prozess“, den Bundeser­näh­rungsministerin Julia Klöckner (CDU) bei der Nährwertkennzeichnung mit einem eige­nen Modell und einer anschließenden Verbraucherbefragung angestoßen habe.

Die von Klöckner initiierte Umfrage sei nicht notwendig gewesen. Diese Einschätzung hätten auch alle von der SPD geführten Länder auf der letzten Verbrauchschutzminister­kon­­ferenz geteilt. Schließlich habe man mit dem Nutri-Score ein bereits gut untersuchtes System. Sie gehe aber davon aus, dass der Nutri-Score als Sieger aus der Verbraucherbe­fragung hervorgehen werde. Die Ergebnisse werden noch im September erwartet.

Im Etatentwurf für den Haushalt 2020 zeichnet sich unterdessen kein stärkerer Fokus auf Diabetes ab. Das geplante Budget sieht weiterhin drei Millionen Euro vor – die gleiche Summe wie bereits 2019, die jedoch noch nicht aufgebraucht wurde. Ohne zusätzliches Budget seien Maßnahmen zur Diabetesprävention und -versorgung sehr beschränkt, sagte Barbara Bitzer, Sprecherin der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten.

„Meines Wissens sind diese drei Millionen vor allem für die Nationale Diabetes-Survei­llance des Robert Koch-Instituts und die lang geplante Aufklärungskampagne der Bun­des­zentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vorgesehen und reichen bereits hierfür kaum aus.“ Nach Angaben der BZgA soll die Umsetzung konkreter Maßnahmen sukzessive ab Ende 2019 beginnen. Einen Auftakt würde der Weltdiabetestag am 14. November 2019 darstellen.

Diabetiker fühlen sich von der Politik nicht angemessen vertreten

Dass die Umsetzung der nationalen Diabetesstrategie drängt, zeige auch eine aktuelle Umfrage von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe unter mehr als 1.500 Menschen mit Diabetes Typ 2, die der Vorsitzende Jens Kröger heute vorgestellt hat: „86 Prozent der Befragten fühlen sich nicht angemessen in der Politik vertreten und 89 Prozent halten die Öffentlichkeit für nicht gut informiert zum Thema Diabetes.“

Zudem berichteten 44 Prozent, dass sie keine Schulung nach ihrer Erstdiagnose erhalten hätten. „Letzteres zeigt, dass zur Umsetzung der nationalen Diabetesstrategie auch die Aufwertung von Gesundheitsfachberufen wie der Diabetesberaterin gehört“, betonte Gottlobe Fabisch, Geschäftsführerin des Verbands der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland.

Die rund 4.700 Diabetesberaterinnen, die in den letzten drei Dekaden die Weiterbildung erfolgreich abgeschlossen hätten, würden schon heute in manchen Regionen Deutsch­lands nicht den Bedarf an qualifizierten Diabetesfachkräften decken können. © gie/aerzteblatt.de

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