NewsMedizinGentechnisch veränderte Mücken breiten sich in Brasilien aus
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Gentechnisch veränderte Mücken breiten sich in Brasilien aus

Donnerstag, 12. September 2019

Tote Mücken auf weißem Hintergrund. /abimagestudio, AdobeStock.com
/abimagestudio, AdobeStock.com

Jacobina – Bei einem Feldversuch mit gentechnisch veränderten Mücken sind nach For­scherangaben Teile aus deren Genom in die natürliche Mückenpopulation gelangt. Je nach Stichprobe hätten 10 bis 60 Prozent der Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) in der Ortschaft Jacobina im Nordosten von Brasilien entsprechende Spuren im Genom, berich­ten Forscher im Journal Scientific Reports (2019; 9: 13047).

Welche Folgen die Übertragung des gentechnisch veränderten Erbguts auf künftige Ge­ne­rationen von Gelbfiebermücken habe, sei noch unklar, schreibt das Team um Jeffrey Powell von der Yale University in New Haven (USA). Nach heftiger Kritik an der Studie überprüft die Redaktion des Fachjournals gerade die darin gemachten Angaben der For­scher. Sie werde sich danach dazu äußern, schreibt sie in einem der Studie beigefügten Abschnitt.

Anzeige

In einer Reaktion auf die Studie betont Oxitec, dass weder in dieser noch in einer anderen Arbeit ein negativer Effekt durch die genutzte Technik dokumentiert sei. Die Oxitec-Mü­cken seien nachweislich auch nicht resistent gegen gewöhnliche Insektizide. Nach Anga­ben von Ernst Wimmer von der Uni Göttingen haben sich wie erwartet zwar Teile des Ge­noms der Oxitec-Mücken mit dem der Wildpopulation vermischt, ob darunter auch die neu eingesetzten Gene waren, zeige die Veröffentlichung nicht.

Das britische Unternehmen Oxitec hatte von 2013 bis 2015 wöchentlich rund 450.000 männliche Gelbfiebermücken mit verändertem Erbgut in Jacobina freigelassen. Die Gene der Moskitos waren so verändert worden, dass die Nachkommen der Insekten nicht über­lebensfähig sein sollten. Ziel war eine Eindämmung der Population der Mücken, die unter anderem Gelbfieber, Dengue-Fieber und das Zika-Virus übertragen können.

Zwar konnte die Anzahl der Mücken mit dieser Methode verschiedenen Studien zufolge tatsächlich um 80 bis 95 Prozent reduziert werden. Allerdings überlebten einige Moskitos und tragen nun ein verändertes Erbgut in sich.

Das eher gentechnik-kritisch eingestellte Institut Testbiotech wirft Oxitec vor, den Feld­versuch ohne ausreichende Studien gestartet zu haben. „Die Versuche der Firma Oxitec haben zu einer weitgehend unkontrollierbaren Situation geführt“, sagte Geschäftsführer Christoph Then in einer Mitteilung des Instituts.

Möglicherweise seien die Gentechnik-Mücken robuster und resistent gegen Insektizide, schreibt das Forscherteam um Powell. „Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein Über­wachungsprogramm bei der Aussetzung gentechnisch veränderter Organismen ist, um nicht erwartete Folgen festzustellen.“

© dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #555880
ziebur311265
am Sonntag, 3. November 2019, 14:00

Reduktion der Mückenpopulationen mittels Gentechnik

Und da gehen unsere Kinder auf die Straße und protestieren f ü r die Erhaltung der Artenvielfalt. Die anthropozentrische Sicht der "wünschenswerten" Natur treibt schon seltsame Blüten.
LNS

Nachrichten zum Thema

17. September 2020
Berkeley/Kalifornien – 3 Jahre nach der Zikaepidemie ist es in Nicaragua zu einer schweren Dengueepidemie gekommen. Eine Studie in Science (2020; DOI: 10.1126/science.abb6143) untersucht einen
Zikainfektion erhöht Risiko auf schweres Denguefieber
16. September 2020
Düsseldorf – Der Malariaparasit Plasmodium knowlesi ist Anfang der 2000er Jahre in Borneo von Affen auf den Menschen übergesprungen und breitet sich seitdem in kleinen Fallzahlen in Südost-Asien aus.
Malariaparasit Plasmodium knowlesi breitet sich nach Indien aus
24. August 2020
Paris – Nach Südostasien sind jetzt erstmalig auch in Afrika Malariaparasiten aufgetreten, die gegen Artemisinin, dem Standardmedikament der letzten beiden Jahrzehnte, resistent sind. Laut einer
Malaria: Artemisininresistenz erstmals in Afrika beobachtet
10. August 2020
Nairobi/London – Wegen der Coronapandemie könnten in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Menschen in Afrika südlich der Sahara an Malaria sterben als im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommen britische
Zahl der Malariatoten in Afrika könnte sich wegen Corona verdoppeln
14. Juli 2020
Paris – Die Coronapandemie könnte in ärmeren Ländern nach Einschätzung von Experten zu einem drastischen Anstieg der Todesfälle auch durch Malaria, HIV und Tuberkulose führen. In Gebieten, in denen
Experten befürchten allgemeinen Anstieg tödlicher Infektionskrankheiten
10. Juni 2020
Nijmegen − 2 neue Malaria-Impfstoffe, die aus lebenden, aber genetisch abgeschwächten Parasiten bestehen, haben sich in 2 Phase-1-Studien in Science Translational Medicine (2020; 12: eaaz5629
Impfstoffe aus genetisch abgeschwächten Parasiten sollen vor der Malaria schützen
4. Juni 2020
Berlin/Luxemburg/Brüssel – Die erste Finanzierungsrunde für den EU-Malaria-Fonds ist abgeschlossen. Er soll realisierbare und preiswerte, innovative Lösungen zur Prävention und Behandlung von Malaria
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER