NewsMedizinEngland: Deutlicher Rückgang von Blutstrominfektionen auf Intensivstationen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

England: Deutlicher Rückgang von Blutstrominfektionen auf Intensivstationen

Donnerstag, 12. September 2019

/sudok1, stock.adobe.com

London – Die Einführung von Maßnahmen zur Infektionskontrolle hat auf Intensivstationen in England, Wales und Nordirland innerhalb weniger Jahre zu einem Rückgang von positiven Blutkulturen um fast 80 % geführt. Am deutlichsten war die Reduktion laut dem Bericht im Clinical Infectious Diseases (2019; doi: 10.1093/cid/ciz720) beim methicillinresistenten Staphylococcus aureus (MRSA), während die Zahl der vancomycinresistenten Enterokokken (VRE) zuletzt angestiegen ist.

In England, Wales und Nordirland sind Anfang der 2000er Jahre zahlreiche Maßnahmen zur Infektionskontrolle eingeführt worden. Dazu gehörten eine Meldepflicht für bestimmte Bakterien (MRSA 2001, C. difficile 2004), nationale Kampagnen („Clean your hands“ 2004; „Saving Lives“ 2005) und evidenzbasierte Leitlinien („EPIC-1“ 2001; „Winning Ways“ 2003) und Gesetze („Health Act“ 2004, „Health and Social Care Act“ 2008). Seit dem Jahr 2007 werden alle Blutstrominfektionen im „Intensive Care National Audit Research Centre“ (ICNARC) ausgewertet. Die Kliniken erhalten Rückmeldungen über ihren aktuellen Stand.

Anzeige

Nach den jetzt von Jonathan Edgeworth vom Guy’s and St. Thomas’ Hospital in London und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen waren die Maßnahmen überaus erfolgreich. Die Analyse basiert auf Daten zu fast 1,2 Millionen Patienten, die zwischen 2007 und 2016 auf Intensivstationen in England, Wales und Nordirland behandelt wurden. Zuletzt hatten sich alle 276 Intensivstationen des Landes beteiligt.

Schon in den ersten 5 Jahren kam es zu einem dramatischen Rückgang der meisten Blutstrominfektionen. Die Gesamtinzidenz sank von 7,3 pro 1.000 Patiententage im Jahr 2007 um 80 % auf 1,6 pro 1.000 Patiententage im Jahr 2012. Danach blieben die Zahlen einigermaßen konstant. Für den Zeitraum bis 2016 ermitteln die Autoren eine relative Inzidenzrate von 0,21, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,19 bis 0,23 hochsignifikant war.

Ein Rückgang war für alle wichtigen Erreger mit Ausnahme der VRE zu beobachten: Bei dem MRSA betrug er 97 %, bei Pseudomonas aeruginosa 80 %, bei S. aureus 77 % und bei Candida-Arten 71 %. Positive Blutkulturen mit E. coli waren 2016 zu 54 % seltener und Klebsiellen zu 42 % seltener als 2007. Bei den VRE kam es zu einer Verdreifachung von 1,9 auf 5,3 bei den Aufnahmen und von 1,5 auf 5,9 bei den auf der Station erworbenen Infektionen.

Eine derartig günstige Entwicklung bei den meisten Erregern sei nicht erwartet worden, meint Edgeworth in einer Pressemitteilung. Die Ergebnisse würden jedoch zeigen, dass die in den meisten Industrieländern in den letzten Jahren implementierten Infektionskontroll­maßnahmen wirksam sein können. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

20. September 2019
Antwerpen – Ein Stamm von Salmonella typhimurium, der in Zentralafrika Blutstrominfektionen verursacht, hat Resistenzen entwickelt, die die meisten der derzeit verfügbaren Antibiotika wirkungslos
Invasive XDR-Salmonellen in Afrika gegen (fast) alle Antibiotika resistent
19. September 2019
Berlin – Multiresistente Krankheitserreger erschweren in Krankenhäusern immer häufiger die Behandlung von Infektionen. Am Bundeswehrkrankenhaus in Berlin wird erprobt, ob die betroffenen Patienten von
„In osteuropäischen Ländern werden Bakteriophagen längst gegen Infektionen eingesetzt“
17. September 2019
Liverpool – Ein mit 2 Antibiotika imprägnierter Shunt hat in einer randomisierten Vergleichsstudie das Infektionsrisiko nach einer Hydrocephalus-Operation deutlich gesenkt. Die Gesamtzahl der
Imprägnierte Katheter vermeiden Infektionen nach Shunt-Operation bei Hydrocephalus
17. September 2019
Moskau – Bei einer Explosion und einem anschließenden Brand ist ein russisches Labor für Biowaffen beschädigt worden. Es bestehe jedoch keine Gefahr durch das Unglück in der Anlage in Sibirien, in der
Explosion in Biowaffenlabor in Russland
13. September 2019
Jena – Zur Erforschung von Infektionskrankheiten soll in Jena ein neues Leibniz-Zentrum entstehen. Der Bund unterstützt das Projekt in den kommenden 15 Jahren mit 150 Millionen Euro, wie ein Sprecher
Millionenförderung für neues Leibniz-Zentrum in Jena
12. September 2019
Essen – Am Universitätsklinikum Essen sind bei Trinkwasser-Proben „wenig krankmachende“ Erreger in den Zuleitungen gefunden worden. Das teilte das Klinikum gestern Abend mit. Als präventive Maßnahme
Patienten am Universitätsklinikum Essen sollen wegen Erreger kein Leitungswasser trinken
11. September 2019
London – Britische Forscher haben einen neuen Stamm von Streptococcus pyogenes entdeckt, der deutlich mehr Exotoxin A produziert und vermutlich für den Anstieg von invasiven Scharlacherkrankungen
VG WortLNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER