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Medizinstudierende üben psychiatrische Patientengespräche mit Avataren

Montag, 16. September 2019

/maynagashev, stockadobecom

Bochum – Medizinstudierende der Ruhr-Universität Bochum (RUB) sollen künftig psychi­a­trische Untersuchungsgespräche mit sogenannten Avataren üben. Sie erhalten dazu eine Virtual-Reality-Brille und treffen die digitalen Patientenkonstrukte in einem virtuellen Behandlungsraum.

„Das ermöglicht es ihnen, mit Patienten aller Krankheitsbilder und Schweregrade zu üben und das Panorama zu erweitern“, erklärte Projektleiterin Paraskevi Mavrogiorgou von der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin.

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Bei der Diagnostik psychischer Erkrankungen kommt es laut der Klinik nicht nur darauf an, was ein Patient dem Untersuchenden im Gespräch antwortet. Es gehe auch darum, wie er oder sie das tue: Wie klingt die Stimme? Sieht die Person ihrem Gegenüber in die Augen? Wie ist die Körperhaltung?

„Im Universitätsklinikum sehen wir vor allem schwerkranke Patienten“, erläuterte Mavro­gi­orgou. Es sei häufig schwierig, sie zu motivieren, an der Studierendenausbildung teilzu­nehmen. „Und es sind nicht die Patienten, die die angehenden Ärzte in ihrer Berufspraxis wahrscheinlich häufig sehen werden“, so die Ärztin. Die Avatare sollen für Abhilfe sorgen.

Die vorbereitenden Arbeiten dauerten bereits über zwei Jahre, jetzt geht es laut der Kli­nik darum, die virtuellen Personen inhaltlich zu bestücken. „Sie brauchen eine Biografie und sie müssen in der Lage sein, gemäß ihrer psychischen Erkrankung auf bestimmte Schlüsselfragen zu antworten“, erklärte Mavrogiorgou. 

Außerdem sollen die Avatare auch in ihrer Körpersprache krankheitsgerecht agieren. Sie können dafür im Gespräch sitzen, stehen, liegen oder herumlaufen. Auch ihre Mimik soll dem geübten Beobachter Aufschluss über die zugrundeliegende Erkrankung geben können.

Das Projektteam rechnet damit, dass die Avatare im Frühjahr 2020 einsatzbereit sind. Im Sommersemester 2020 sollen die ersten Studierenden in Gespräche mit ihnen einsteigen. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #103205
Patroklos
am Dienstag, 17. September 2019, 10:25

Sprache gestaltet die Welt.


Virtuelle Monster ("die digitalen Patientenkonstrukte"; "die virtuellen Personen inhaltlich zu bestücken")
erschaffen, um den realen Monstern zu entkommen? Verständlich, dass die tatsächlichen psychiatrischen Patienten sich dem verweigern.
Hoffentlich führt diese Form der psychiatrischen Ausbildung nicht zu einem nachhaltigen Empathieverlust der Ärzte.
Avatar #771029
machtgeLichtgestalt
am Dienstag, 17. September 2019, 08:41

Bleibt lieber beim Computerspielen!

Der wissenschaftliche Beweis mit den 5 Sinnen fehlt!
LNS

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