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Medizin

ESC/EAS-Leitlinie empfiehlt aggressivere Lipidtherapie

Donnerstag, 12. September 2019

Zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen müssen Ärzte zunächst das Risiko einrodnen, um entsprechende LDL-Cholesterin-Zielwerte zu definieren. /syahrir, AdobeStock.com
Zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen müssen Ärzte zunächst das Risiko einrodnen, um entsprechende LDL-Cholesterin-Zielwerte zu definieren. /syahrir, AdobeStock.com

Berlin/Paris – In der neuen Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) und der European Atherosclerosis Society (EAS) zur Dyslipidämie empfehlen die Autoren noch niedrigere Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin (LDL-C)-Zielwerte. Die Leitlinie wurde kürzlich in Paris beim ESC-Kongress vorgestellt und im European Heart Journal publiziert (2019; doi: 10.1093/eurheartj/ehz455).

Es würde nun eine noch aggressivere Lipidtherapie mit noch niedrigeren Zielwerten definiert, berichtete heute Ulrike Schatz vom Universitätsklinikum an der Technischen Universität Dresden auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in Berlin. „Bei der Senkung des LDL-Cholesterins gilt der Leitspruch 'the lower the better' und 'the earlier the better'.“

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Die niedrigsten Zielwerte empfehlen die Kardiologen Höchstrisikopatienten, die ein 2. vaskuläres Ereignis innerhalb von 2 Jahren erlitten haben trotz maximaler lipidsenkender Therapie: Ziel-LDL-C < 1,0 mmol/l /(< 40 mg/dl). Für Höchstrisikopatienten mit einem 10-Jahres-Risiko für kardiovaskulären Tod unter 10 % gilt ab sofort ein Ziel-LDL-C < 1,4 mmol/l (< 55 mg/dl) oder mindestens 50 % Reduktion des LDL-C.

Die aktualisierte Leitlinie von 2016 hatte Patienten mit einem sehr hohen Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis LDL-C-Absenkungen auf einen Wert von 70 mg/dl empfohlen – oder wenigstens um 50 %, wenn der Ausgangswert zwischen 70 und 135 mg/dl lag.

Niedrigere LDL-C-Werte auch für Patienten mit hohem und moderatem Risiko

Einen ähnlichen Maßstab legen die ESC/EAS-Experten jetzt bereits bei Hochrisikopatienten mit einem 10-Jahres-Risiko für kardiovaskulären Tod von 5-10 % an. Hier soll ein Ziel-LDL-C < 1,8 mmol/l (< 70 mg/dl) gelten oder mindestens 50 % LDL-C-Reduktion. Zu dieser Gruppe zählen unter anderem auch Patienten mit einer familiären Hypercholesterinämie. Eine Krankheit, bei der nur zirka 10 % der Betroffenen diagnostiziert werden würde, betonte Schatz. Die meisten (80 %) davon würden zudem ihre Behandlungsziele nicht erreichen.

Patienten mit moderatem Risiko (10-Jahres-Risiko für kardiovaskulären Tod 1-5 %) wird empfohlen, einen LDL-C-Wert < 2,6 mmol/l (< 100 mg/dl) anzustreben. Für Patienten mit niedrigem Risiko (10-Jahres-Risiko für kardiovaskulären Tod unter 1 %) gilt ein Ziel-LDL-C-Wert < 3 mmol/l (< 116 mg/dl).

„Alle Zielwerte sind um eine Stufe nach unten gerutscht aufgrund neuer Studiendaten, etwa der IMPROVE-IT-, der FOURIER- oder der ODYSSEY OUTCOMES-Studie“, fasste Schatz die neuen Empfehlungen zusammen. Auch die neue ACC/AHA-Leitlinie der Amerikaner verlasse inzwischen wieder die „Fire and Forget“-Strategie und stelle wieder auf Zielwerte für LDL-Cholesterin ab, so Schatz.

Stufentherapie bei Dyslipidämie

Bei der Behandlung von Fettstoffwechselstörungen wenden Ärzte eine Stufentherapie an. Basis sind Lebensstil- und Diätmaßnahmen. An zweiter Stelle stehen Statine, die nach wie vor als Goldstandard zählen. „Im nächsten Schritt können Ezetimib und gegebenenfalls Gallensäureresorptionshemmer zum Einsatz kommen“, erklärte die Internistin Schatz. In besonderen, vom Gemeinsamen Bundesausschuss festgelegten Situationen, komme eine Antikörpertherapie zum Einsatz (PCSK9-Hemmer). Als Ultima Ratio stehe die Lipoproteinapherese zur Verfügung. © gie/aerzteblatt.de

Kommentare

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 15. September 2019, 18:48

Grober Unfug?

Es grenzt schon an groben Unfug zu behaupten,
"Die neuen LDL-Zielwerte für alle kardiovaskulären Risikokategorien sind:
- Für Hochrisikopatienten (10-Jahres-Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod > 10%) wird eine LDL- Reduktion um mindestens 50% gegenüber dem Ausgangswert und ein LDL-Ziel von unter 1,4 mmol/l (< 55 mg/dl) empfohlen.
- Bei Hochrisikopatienten, die bei maximaler tolerierter Statintherapie innerhalb von 2 Jahren 2 kardiovaskuläre Ereignisse erlitten haben (nicht unbedingt vom gleichen Typ), kann ein LDL-Ziel von unter 1,0 mmol/l (< 40 mg/dl) in Betracht gezogen werden.
- Für Patienten mit hohem Risiko (10-Jahres-Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod 5-10%) strebt man eine LDL-Reduktion um mindestens 50% gegenüber dem Ausgangswert und einem LDL-Ziel von unter 1,8 mmol/l (< 70 mg/dl) an.
- Für Personen mit mittlerem Risiko (10-Jahres-Risiko für einen kardiovaskuläre bedingten Tod 1-5%) gilt ein LDL-Zielwert von unter 2,6 mmol/l (< 100 mg/dl).
- Bei Personen mit geringem Risiko (10-Jahres-Risiko für einen kardiovaskulär bedingten Tod < 1%) verfolgt man ein LDL-Ziel von unter 3,0 mmol/l (< 116 mg/dl)"

Denn nach allen Gesetzen der Logik sind das doch differenzierte Zielwerte, welche abgestuft einem "treat-to-target"-Prinzip folgen.

Und eben n i c h t dem undifferenzierten "the-lower-the-better"- bzw. "the-earlier-the-better"- Prinzip huldigen, oder wie es die US-Kollegen auf ihrem ACC/AHA-Kongress in bester D. Trump Manier gesagt haben: "fire-and-forget".

Wer hier behauptet, "one-fits-for-all" hat die Lipidologisch-kardiologischen Herausforderungen in Klinik und Praxis nicht richtig verstanden. Wir diagnostizieren, untersuchen und behandeln im Übrigen auch nicht Laborergebnisse, sondern unsere Patientinnen und Patienten.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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