NewsVermischtesLebensmittel­verband sieht eigenes Nährwertkenn­zeichnungsmodell als Favorit
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Vermischtes

Lebensmittel­verband sieht eigenes Nährwertkenn­zeichnungsmodell als Favorit

Freitag, 13. September 2019

In der Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach wurden zwei Modelle zur Nährwertkennzeichnung verglichen: Modell der Industrie (oben) und Nutri-Score (unten).
In der Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach wurden zwei Modelle zur Nährwertkennzeichnung verglichen: Modell der Industrie (oben) und Nutri-Score (unten).

Berlin – In der Debatte um klarere Kennzeichnungen von Zucker, Fett und Salz in Lebens­mitteln liegt eine weitere bundesweite Repräsentativbefragung vor, die das Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt hat. In der vom Lebensmittelverband Deutschland beauftragten Umfrage unterliegt das von vielen europäischen Ländern favorisierte Nutri-Score-Modell dem eigenen Vorschlag des Spitzenverbands der deutschen Lebensmittelwirtschaft.

Diese neue Auswertung steht nicht nur im Widerspruch mit den Ergebnissen der zuvor präsentierten forsa-Umfrage, die medizinisch-wissenschaftliche Organisationen zusammen mit foodwatch beauftragt hatten. Die Ergebnisse widersprechen auch der Bewertung des Max-Rubner-Instituts (MRI), die das Industrie-Modell besonders schlecht bewertet hatten und diversen Studien, die die Verständlichkeit des Nutri-Scores zuvor untermauert hatten. 

Anzeige

Die Umfrage sollte Einschätzungen zu zwei Nährwert-Logos abfragen – zum Nutri-Score und einem Modell, das der Verband selbst vorgeschlagen hat. Es besteht aus mehreren Kreisen mit dem Gehalt an Fett, gesättigten Fettsäuren, Zucker und Salz pro 100 Gramm. Eine hervorgehobene Fläche in jedem Kreis gibt an, wie viel Prozent der täglichen Zufuhr der Verzehr von 100 Gramm bedeutet. Eine zusammenfassende Bewertung, wie gesund das Produkt ist, wird nicht gegeben.

Das Institut für Demoskopie Allensbach hatte 1.262 Teilnehmern ab 16 Jahren Abbildungen des Nutri-Scores und dem Vorschlag des Lebensmittelverbands Deutschland gezeigt. Beim Modell des Wirtschaftsverbands konnten laut der Umfrage 10 Prozent der Teilnehmer nicht sagen, weshalb es auf der Packung ist. Gut oder sehr gut über das Produkt informiert fühlten sich damit demnach 48 Prozent.

Weit schlechter schnitt der farbige Nutri-Score ab. Fast die Hälfte der Befragten (46 Prozent) konnte nicht sagen, weshalb es auf der Packung ist. Gut oder sehr gut über das Produkt informiert fühlten sich durch Nutri-Score demnach 20 Prozent.

Verbraucher wünschen sich eine zusammenfassende Bewertung 

Die Umfrage macht aber auch deutlich: Ein Großteil (71 Prozent) wünscht sich eine zusammenfassende Bewertung, wie gesund das Produkt ist. Dieses Kriterium erfüllt aber nur der Nutri-Score und nicht das Modell des Lebensmittelverbands. „Insofern bestätigt die Umfrage eher den Nutri-Score“, sagt Barbara Bitzer, Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft. 

Philipp Hengstenberg, Präsident des Lebensmittelverbands Deutschland sieht ein Dilemma von Herstellern und Verbrauchern, das die Umfrage offenbart: Einerseits wollen 72 Prozent der Verbraucher ein Kennzeichnungssystem, welches Informationen über einzelne Nährstoffe enthält, andererseits wünschen sich 71 Prozent der Befragten eine zusammenfassende Bewertung. Angesichts dieser Ergebnisse habe man Allensbach beauftragt, in einer zweiten Testreihe das britische Ampelmodell mit dem Vorschlag des MRI zu vergleichen.

Bildergalerie

Methodisch höchst fragwürdig findet Bitzer, dass die Probanden keinerlei Erklärungen zu den Labels erhielten.  Dieser Punkt wird letztlich zum Eigentor für den Lebensmittel­verband: Auch ohne jede Erläuterung erkennt die Mehrheit der Befragten (54 Prozent) die Zielsetzung des Nutri-Scores. 37 Prozent machen sogar detaillierte korrekte Angaben zum Label.“ 

Jeder der so tut, als sei der Nutri-Score ein Ersatz für die detaillierte Nährwerttabelle auf der Verpackungsrückseite, führt die Öffentlichkeit in die Irre. Luise Mollig, foodwatch

Worauf die Befragten nicht hingewiesen wurden: Detaillierte Informationen zu einzelnen Nährstoffen befinden sich weiterhin auf der Rückseite der Verpackung. „Jeder der so tut, als sei der Nutri-Score ein Ersatz für die detaillierte Nährwerttabelle auf der Verpackungs­rückseite, führt die Öffentlichkeit in die Irre“, sagte Luise Mollig von foodwatch.

Der Nutri-Score hat in über 35 Studien, darunter Versuche in Supermärkten, bewiesen, dass er für alle Bevölkerungsschichten verständlich ist – und dass er am stärksten dazu führt, dass die Menschen gesünder einkaufen. Für das Label des Lebensmittelverbandes liegen bislang keine wissenschaftlichen Studien vor.

Offizielles Umfrageergebnis der Bundesregierung für September angekündigt

Die Entscheidung, welches Logo die Bundesregierung zur freiwilligen Nutzung auf Packungen empfiehlt, soll im Herbst zwischen insgesamt vier Modellen fallen – darunter sind die beiden nun abgefragten sowie das Keyhole- und MRI-Modell (siehe Bildergalerie).

Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) lässt dafür derzeit eine eigene Verbraucherbefragung durchführen. Das Ende September erwartete Ergebnis soll für sie maßgeblich sein. © gie/dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Oktober 2019
Berlin – Der Trend zu Nahrungsergänzungsmitteln hat sich auch auf Kinder ausgeweitet. Die Nachfrage nach entsprechenden Präparaten ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Das signalisiert eine
Nahrungsergänzungsmittel für Kinder immer gefragter
15. Oktober 2019
New York – Mindestens jedes dritte Kind unter fünf Jahren – 200 Millionen Mädchen und Jungen weltweit – leidet unter den Folgen unzureichender oder schlechter Ernährung. Das geht aus einem heute in
Millionen Kinder leiden unter Ernährungsproblemen
14. Oktober 2019
Hamburg/Göttingen – Die Pilzsaison führt zu einem Anstieg an Vergiftungsfällen. Das teilte das Giftinformationszentrum-Nord (GIZ) der Universitätsmedizin in Göttingen mit, das auch für Hamburg und
Viele Notrufe wegen Pilzvergiftungen
11. Oktober 2019
Sydney – Ein 13-minütiges Video zur Ernährung, ein Korb mit gesunden Nahrungsmitteln und ein Gutschein für den Lebensmittelhändler haben in einer randomisierten Studie Studenten bewogen, sich gesünder
Gesunde Ernährung könnte depressive Symptome bei Studierenden lindern
11. Oktober 2019
Bremen – Wegen der Gefahr von Durchfallerkrankungen nehmen das Deutsche Milchkontor (DMK) und das Unternehmen Fude und Serrahn eines ihrer Produkte vom Markt. Der am Freitagmorgen veröffentlichte
Rückruf in Supermärkten: Milchproduzent findet Ursache für Verunreinigung von Frischmilch
10. Oktober 2019
Bonn – Deutliche Verbesserungen bei der Ernährung in Krankenhäusern und Pflegeheimen fordert die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Der Grund: In deutschen Kliniken seien bis 30 Prozent der
Kritik an gravierender Fehl- und Mangelernährung in Kliniken und Pflegeheimen
10. Oktober 2019
Singapur – Als erstes Land der Welt verbietet Singapur die Werbung für extrem gezuckerte Getränke. Als „wenig gesund“ geltende Limonaden und andere Getränke müssen künftig Aufdrucke mit Angaben zum
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER