NewsÄrzteschaftHofmeister hält dritten Sektor in der Notfallversorgung für überflüssig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Hofmeister hält dritten Sektor in der Notfallversorgung für überflüssig

Freitag, 13. September 2019

Stephan Hofmeister /Jürgen Gebhardt

Berlin – Gegen Integrierte Notfallzentren (INZ), die von den Krankenhäusern und den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) als eigenständige wirtschaftliche Einrichtungen gemeinsam betrieben werden, hat sich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Stephan Hofmeister, ausgesprochen.

Er kritisierte damit heute bei der KBV-Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) in Berlin einen Dis­kus­sionsentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zur Reform der Notfallver­sorgung, der seit Mitte Juli kursiert, aber den Vermerk trägt, dass er mit der Leitung des Hauses noch nicht abgestimmt ist.

Anzeige

Zwar hält auch die KBV zentrale Anlaufstellen für Notfallpatienten an Krankenhäusern für notwendig, um diese in die angemessene Versorgungsebene weiterleiten zu können. Ein dritter Sektor sei aber schon deshalb nicht sinnhaft, weil es keinen „dritten Patienten“ ge­be, sagte Hofmeister. Notfallpatienten würden entweder ambulant weiterbehandelt oder müssten aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung im Krankenhaus versorgt werden.

Da seien die Zuständigkeiten klar. Ein dritter Sektor schaffe nur zusätzliche Schnittstell­en. Dasselbe gelte für den Vorschlag aus dem BMG, den Sicherstellungsauftrag für den Notdienst den Ländern zu übertragen. Bevor man ein etabliertes System ändere, sollte man erst einmal genau prüfen, wohin man es ändern wolle, forderte Hofmeister.

„Nach meiner Wahrnehmung haben das die meisten Landesregierungen auch verstanden und sind von einem anfänglichen, fast schon begeisterten ,Ja‘ zur Übernahme des Sicher­stellungsauftrags nach 18 Uhr zu einem realitätsorientierten ,lieber-vielleicht-doch-nicht‘ umgeschwenkt,“ meinte der KBV-Vorstand.

Wie viele Krankenhäuser kommen als Notfallstandorte infrage?

Für die eigentlich entscheidende Frage in Sachen Notfallreform hält Hofmeister die Wahl der Standorte für die zentralen Anlaufstellen der Notfallpatienten. Das sei eine politisch hochbrisante Aufgabe, die endlich angegangen werden müsse, meinte er.

„Fakt ist: Es können nicht alle 1.600 derzeit an der Notfallversorgung teilnehmenden Kli­niken sein. Es kann vermutlich nicht einmal die Hälfte davon sein“, erklärte er. Dafür gebe es schlicht keine Ärzte und kein medizinisches Personal.

„Hier wird es schmerzhafte Entscheidungen geben müssen“, sagte Hofmeister. Die Lan­des­regierungen müssten sich bei diesen wichtigen Weichenstellungen an objektiven Kri­terien orientieren und nicht daran, was sich im nächsten Wahlkampf am besten verkaufen lasse.

Hofmeister kündigte zudem an, dass KVen und KBV den Strukturwandel in der stationä­ren Versorgung künftig aktiver mitgestalten wollen. Dazu soll eine Expertengruppe auf­ge­­baut werden, die vorhandenes Know-how aus dem KV-System zusammenführt und ei­nen „Instrumentenkoffer“ bereitstellt, aus dem sich Projekte in den Regionen bedienen können, wenn es gilt, Alternativen für medizinisch und wirtschaftlich untragbare Kran­ken­häuser zu finden. Voraussetzung dafür ist dem KBV-Vorstand zufolge, dass es regional über das bereits vorhandene ambulante Angebot hinaus einen Versorgungsbedarf gibt.

Werben für einen schönen Beruf

Abschließend betonte Hofmeister die hohe Arbeitszufriedenheit, die niedergelassene Ärz­te und Psychotherapeuten in Umfragen stets angeben. „Unsere Praxen sind nicht nur das Rückgrat der ambulanten Versorgung, sie sind auch eine wesentliche Säule der Daseins­für­sorge. Deshalb ist unser Beruf in selbständiger, freiberuflicher Tätigkeit absolut sinn­stiftend.“

Dies gelte es, nun auch dem medizinischen Nachwuchs zu vermitteln. Gelinge das nicht, komme es unweigerlich zu einem Systemwechsel. „Weniger Freiheit für Bürgerinnen und Bürger, weniger medizinische Versorgung, staatliche Planwirtschaft und staatliche Ein­griffe allenthalben“, warnte Hofmeister. © HK/hil/sb/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

3. Juli 2020
Berlin – Die Zahl der Fälle in den Notaufnahmen ist während der Coronapandemie seit Mitte März um bis zu 40 Prozent gesunken. Das berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen
Weniger Fälle in Notaufnahmen während der Pandemie
25. Juni 2020
Berlin – Nach den ersten Monaten der Pandemie beginnt unter vielen gesundheitspolitischen Experten eine Debatte über die Lehren für die künftige Versorgung in Deutschland. Dabei müsse die ambulante
Rüddel: „Die ambulante Versorgung ist die Stütze des Systems“
23. Juni 2020
Magdeburg – Ärzte und Wissenschaftler der Universitätsmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg haben zusammen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen ein neues
Behandlungsregister unterstützt Pandemieforschung
18. Juni 2020
München – Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) haben sich in einer aktuellen Stellungnahme für Notfallzentren ausgesprochen, die
Augenärzte machen sich für integrierte Notfallzentren stark
5. Juni 2020
Berlin – Der Hartmannbund (HB) hat angesichts einer vorübergehenden „Fokussierung auf das Thema Corona“ angemahnt, verstärkt auch wieder anderen Baustellen des Gesundheitssystems in den Blick zu
Hartmannbund sieht Zeitpunkt, um über Corona hinauszublicken
4. Juni 2020
Hannover – Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Niedersachsen setzt bei der Betreuung von Patienten im ärztlichen Bereitschaftsdienst auf Rettungssanitäter und andere Gesundheitsfachkräfte sowie auf
Telemedizin soll Ärzte im Bereitschaftsdienst entlasten
2. April 2020
Berlin – Unter der Rufnummer 116117 können Patienten seit gestern eine telefonische Ersteinschätzung erhalten, ob sie möglicherweise an COVID-19 erkrankt sind. Das softwaregestützte medizinische
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER