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Medizin

Menorrhagie: Laparoskopische Hysterektomie erreicht in Vergleichsstudie höhere Zufriedenheitswerte

Montag, 16. September 2019

/CLIPAREA.com, stock.adobe.com

Aberdeen – Frauen mit einer Menorrhagie, denen zu einer chirurgischen Behandlung geraten wurde, waren in einer randomisierten Vergleichsstudie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)31790-8) nach einer laparoskopischen Hysterektomie zufriedener als nach einer Endometriumablation, obwohl der Eingriff für sie schmerzhafter war und sie länger benötigten, bis sie ihre beruflichen und freizeitlichen Aktivitäten wieder aufnehmen konnten.

Bis in die 1990er Jahre bestand die Behandlung einer rezidivierenden Menorrhagie, die nicht auf Medikamente ansprach, in einer offenen Hysterektomie. Mitte der 1990er Jahre wurde dann gezeigt, dass eine Verödung (Endometriumablation) der Gebärmutter­schleim­haut häufig gleich gute Ergebnisse erzielt und dabei die Frauen vor den Komplikationen einer Laparotomie bewahrt. Bei der Endometriumablation wird die Schleimhaut nach Einführung einer Sonde oder eines Katheters über kurze Zeit erhitzt oder abgekühlt, bis die Schleimhaut abgestorben ist.

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Inzwischen gibt es mit der laparoskopischen suprazervikalen Hysterektomie (LASH) eine minimal-invasive Alternative zur offenen Hysterektomie. Das britische National Institute for Health Research hat in den letzten Jahren die Ergebnisse von Endometriumablation und LASH in einer größeren randomisierten Studie miteinander verglichen.

An der HEALTH-Studie nahmen an 31 Kliniken insgesamt 660 Frauen im Alter von unter 50 Jahren (ohne Kinderwunsch) teil, denen die Frauenärzte zu einer chirurgischen Behandlung geraten hatten. Die Frauen im mittleren Alter von 42 Jahren hatten sich bereit erklärt, das Los darüber entscheiden zu lassen, ob sie sich einer Endometriumablation oder einer Operation unterziehen.

Die Endometriumablation wurde in der Regel ambulant durch­geführt. Die Patientinnen konnten die Klinik im Mittel nach 3,2 Stunden verlassen. Nach der LASH vergingen im Mittel 21,5 Stunden bis zur Entlassung. Die meisten Patientinnen mussten also wenigstens eine Nacht in der Klinik verbringen.

Die LASH war für die Patientinnen schmerzhafter als die Endometriumablation. Sie benötigten doppelt so häufig starke Schmerzmittel (orale Opiate: 44 % versus 23 %; parenterale Opiate 30 versus 15 %). Die Patientinnen waren auch länger krank geschrieben (42 versus 10 Tage). Auch sportliche und soziale Aktivitäten mussten länger warten (42 versus 14 Tage).

Dennoch waren die Patientinnen mit der LASH insgesamt zufriedener. Auf einer 6-Punkte Likert-Skala bewerteten 270 von 278 Frauen (97 %) das Behandlungsergebnis nach 15 Monaten positiv. Nach der Endometriumablation waren nur 244 von 280 Frauen (87 %) dieser Ansicht. Der Unterschied von 9,8 %-Punkten war nach Berechnungen von Kevin Cooper, Universität Aberdeen, und Mitarbeitern mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 5,1 bis 14,5 %-Punkten signifikant (adjustierte Odds Ratio 2,53; 1,83 bis 3,48).

Auch im 2. primären Endpunkt der Studie, dem Fragebogen MMAS („menorrhagia multi-attribute quality of life scale“) waren die Ergebnisse nach der LASH besser. Insgesamt 180 von 262 Frauen (69 %) erreichten den MMAS-Maximalwert von 100 Punkten (der einer kompletten Beseitigung der Symptome entspricht). Nach der Endometriumablation wurde dieser Wert nur von 146 von 268 Frauen (54 %) erreicht. Der Unterschied von 13,3 Punkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 3,8 bis 22,8 ebenfalls signifikant (adjustierte Odds Ratio 1,87; 1,31 bis 2,67).

Der Vorteil von LASH auf die Lebensqualität dürfte darauf zurückzuführen sein, dass die Operation (bis auf die Zervix) den gesamten Uterus und damit den Ursprungsort der Beschwerden beseitigte. Die Patienten klagten nach der Behandlung seltener über periodische Beckenschmerzen (Odds 0,31; 0,22 bis 0,44) und auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Odds Ratio 0,61; 0,41 bis 0,91) hatten nachgelassen.

Im klinischen Alltag bleibt es bei der persönlichen Entscheidung der Frau, ob sie ihren Uterus behalten möchte. Die LASH ist zudem mit einem gewissen Risiko verbunden. Es ergibt sich aus der Notwendigkeit, den Uterus in der Bauchhöhle zu zerkleinern, um ihn durch die kleinen Öffnungen des minimal-invasiven Eingriffs entfernen zu können. Bei dieser „Morcellation“ kann es zur Aussaat von Krebszellen kommen, wenn die Beschwerden durch einen malignen Tumor (Leiomyosarkom) ausgelöst wurden, was allerdings selten ist. Unter den Teilnehmerinnen der Studie wurde in keinem Fall ein Malignom entdeckt. © rme/aerzteblatt.de

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