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Ausland

Purdue Pharma beantragt Insolvenzverfahren wegen Opioidklagen

Montag, 16. September 2019

/dpa

New York – Der US-Pharmakonzern Purdue Pharma, gegen den fast 2.300 Klagen wegen seines süchtig machenden Schmerzmittels Oxycontin anhängig sind, hat Insolvenz bean­tragt. Mit dem Insolvenzverfahren nach Kapitel 11 will Purdue die Klagen beilegen, wie das Unternehmen gestern Abend in New York mitteilte. Das Unternehmen soll in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.

Bundesstaaten, Städte und Landkreise fordern vom Unternehmen eine Milliardensumme zurück, die sie für den Kampf gegen Opiatabhängigkeit und Überdosierung ausgegeben haben. Ursprünglich wollten die Behörden bis zu zwölf Milliarden US-Dollar (rund elf  Milliar­den Euro) an Schadenersatz erheben, die Verantwortlichen von Purdue konnten sich aber mit diesen auf einen Vergleichsbetrag von mehr als zehn Milliarden US-Dollar einigen. Das wäre damit die bisher höchste Vergleichssumme im Zusammenhang mit der in den USA grassierenden Welle der Opioidabhängigkeit.

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Für Aufsehen sorgte unterdessen, dass die wohlhabende Eigentümerfamilie von Purdu offenbar versucht haben könnte, das Ausmaß ihres Vermögens zu verschleiern. Die New Yorker Staatsanwältin Letitia James teilte am vergangenen Freitag mit, die Familie Sack­ler habe mindestens eine Milliarde Dollar (900 Millionen Euro) in die Schweiz überwie­sen. Der Transfer sei im Rahmen von Ermittlungen gegen Purdue Pharma und Mitglieder der Familie aufgeflogen.

James hatte im August rund 30 Finanzinstitute um Informationen gebeten, um das Ver­mö­gen der Eigentümerfamilie zu ermitteln. Sie habe noch gar nicht alle angeforderten Dokumente erhalten, erklärte sie nun. „Allein die Unterlagen eines Finanzinstituts haben Geldtransfers in Höhe von rund einer Milliarde Dollar zwischen den Sacklers, den von ihnen kontrollierten Betrieben und verschiedenen Finanzinstitutionen gezeigt, darunter diejenigen, die Gelder auf Schweizer Konten geschleust haben“, erklärte die Staatsan­wäl­tin.

James bestätigte damit Informationen der New York Times, nannte aber keine Namen in der Schweiz. Das US-Magazin Forbes schätzt das Vermögen der Familie Sackler auf rund 13 Milliarden Dollar. Die Familie weist diese Zahl zurück. Mehrere US-Bundesstaaten, da­runter New York, Massachusetts, Connecticut, Pennsylvania und North Carolina, verwei­sen darauf, dass das Vermögen noch höher ist und auf mehreren Auslandskonten liegt.

Aus diesem Grund lehnen sie einen möglichen Vergleich mit Purdue ab, auf den sich rund 20 US-Bundesstaaten und tausende Gemeinden einerseits und Purdue Pharma mit der Fa­milie Sackler andererseits verständigt hatten. Nach Angaben der Klägeranwälte wäre Purdue Pharma bereit, zehn bis zwölf Milliarden Dollar Entschädigung zu zahlen, wovon zwei bis drei Milliarden von der Eigentümerfamilie übernommen werden sollen. Zudem soll die Familie die Kontrolle über Purdue Pharma aufgeben.

Purdue Pharma vertreibt vor allem das Schmerzmittel Oxycontin, das mitverantwortlich für die Opioidkrise in den USA gemacht wird. Kritiker werfen Pharmaunternehmen vor, die Sucht­­gefahr durch opioidhaltige Schmerzmittel bewusst verschleiert und das massen­hafte Verschreiben der Medikamente befördert zu haben. Millionen US-Bürger wurden in der Folge süchtig. In weniger als zwei Jahrzehnten starben mehr als 400.000 Menschen an einer Überdosis. Allein 2017 gab es den Behörden zufolge landesweit rund 47.600 Todesfälle. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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