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Politik

Ministerium will alle Krankenhäuser in Nordrhein-Westfalen wegen Fehlbildungen bei Neugeborenen abfragen

Montag, 16. September 2019

/picture alliance

Düsseldorf/Berlin – Nach einer ungewöhnlichen Häufung von Fehlbildungen bei Neuge­borenen an einem Gelsenkirchener Krankenhaus will sich das Ge­sund­heits­mi­nis­terium in Nord­rhein-Westfalen (NRW) einen genaueren Überblick verschaffen. Das Ministerium werde alle Klinken in NRW ab­fragen, ob dort ähnliche Fehlbildungen auf­ge­fallen seien, sagte eine Sprecherin des Ministeriums am Wochenende. Man nehme die Berichte über solche Fälle „sehr ernst“.

„Darüber hinaus nehmen wir Kontakt mit den Ärztekammern, dem Bund und den anderen Bundesländern auf, um möglichen Ursachen mit aller Sorgfalt nachzugehen“, hieß es vom Ministerium weiter. Ob ein Melderegister der richtige Weg sei, gelte es gemeinsam zu prü­fen, sagte die Sprecherin.

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Auch die Bundespolitik beobachtet die Ereignisse mit Sorge. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) sagte der Bild, man müsse herausfinden, was dahinter stecke. Das stehe auch den Eltern und den Kindern zu, um die es gehe. Ähnlich äußerten sich Bettina Hoffmann, Sprecherin für Umweltgesundheit, und Kirsten Kappert-Gonther, Sprecherin für Gesund­heitsförderung der Grünen im Bundestag, die genaue Aufklärung anmahnten.

„Die Gesundheitsressorts im Bund und in den Ländern müssen allen möglichen Ursachen sorgfältig nachgehen“, sagten beide. Dazu gehörten auch mögliche Umwelteinflüsse, de­nen die Mütter während der Schwangerschaft ausgesetzt gewesen seien.

Um für weitere Aufklärung zu sorgen, sollte bei Geburtskliniken in Deutschland abgefragt werden, ob ähnliche Fälle bei Neugeborenen festgestellt worden seien. Diskutiert werden sollte auch, inwieweit es sinnvoll ist, die Daten über Krankheiten bei Neugeborenen zu­sammenzuführen, um daraus weitere wissenschaftliche Erkenntnisse herstellen zu könn­en.

Grüne schlagen nationales Fehlbildungsregister vor

Hoffmann und Kappert-Gonther riefen die Bundesregierung auf, zügig zu prüfen, ob ein nationales Fehlbildungsregister umsetzbar sei, wie es finanziert werden könne und wie es im Einklang mit dem Datenschutz umgesetzt werden könnte. Außerdem sollte die Bun­desregierung eine gemeinsame Untersuchung mit anderen Ländern anstoßen, in denen in der Vergangenheit ähnliche Fälle aufgetreten seien.

„Die Informationslage sollte so umfassend und zeitig wie möglich an geburtshilfliche Akteure – Hebammen und Ärzte – weitergegeben werden. Schwangere brauchen infor­mierte Ansprechpersonen. Betroffenen Kindern und deren Eltern muss hochwertige fachliche und psychosoziale Beratung zugesichert werden“, so die Grünen-Politikerinnen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) verweist darauf, dass Fehlbildun­gen bei Neugeborenen sehr unterschiedliche Ursachen haben können, und dass dazu eine sehr sorgfältige Analyse erforderlich ist. „Ein Register würde uns auf jedem Fall weiterhelfen“, sagte BVKJ-Bundessprecher Hermann Josef Kahl.

Auch die Chefärztin der Handchirurgie des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelm­stift Hamburg, Wiebke Hülsemann, hält ein Register für sinnvoll. „In Deutschland gibt es keine Meldepflicht und kein Fehlbildungsregister“, erklärte sie. Das sei aber Vorausset­zung für einen Vergleich, ob die Fehlbildungen eventuell durch eine Noxe (Medikamente oder Umwelteinflüsse) gehäuft neu entstanden seien. Man könne bisher nur schätzen, dass etwa eins von 1.000 Lebendgeborenen eine Handveränderung aufweise. Das reiche von einem kleinen Ausmaß bis hin zu einer schweren Fehlbildung.

Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen waren zwischen Mitte Juni und Anfang Sep­tember drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Zuvor hatte es dort nach Angaben der Klinik jahrelang keinen einzigen Fall gegeben.

Bei allen drei Kindern sei jeweils eine Hand betroffen. An dieser Hand seien Handteller und Finger nur rudimentär angelegt. In der Klinik wurden 2018 nach eigenen Angaben mehr als 800 Kinder geboren.

In Frankreich gibt es bereits seit längerem eine Debatte, nachdem sich Fälle von Fehl­bil­dungen bei Babys in einigen Regionen des Landes gehäuft hatten. Die Kinder lei­den an einer Deformation von Gliedmaßen. Eine Untersuchungskommission untersuchte seit Herbst 2018 die Fälle.

Insgesamt seien 143 Berichte von Menschen mit Fehlbildungen und 43 Beiträge zu Hypothesen über mögliche Ursachen analysiert worden, heißt es im ersten Bericht der Gesundheitsbehörde Anses, der im Sommer veröffentlicht wurde. Eine Ursache für die Fehlbildungen konnten die Experten bisher allerdings nicht finden. Es gab aber auch Kritik an dem Bericht. So wird zum Beispiel bemängelt, dass nicht alle Fälle von Fehl­bildungen berücksichtigt worden seien. © dpa/may/aerzteblatt.de

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Avatar #769631
Naturfreund
am Mittwoch, 25. September 2019, 18:23

nicht das 1. Mal

https://www.youtube.com/watch?v=g7qvn9GiaLM
Avatar #769631
Naturfreund
am Mittwoch, 25. September 2019, 18:22

Giftmischer fragen...

..,..vielleicht gibt´s da Aufklärung

LNS

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