NewsMedizinBundesamt kritisiert angebotene Früherkennungs­untersuchungen mit Computertomografie als rechtswidrig
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Bundesamt kritisiert angebotene Früherkennungs­untersuchungen mit Computertomografie als rechtswidrig

Dienstag, 17. September 2019

Ärztin, die einer Patientin hilft, eine Mammographie zu machen. / AntonioDiaz, AdobeStock.com
Bisher ist das Mammografiescreening zur Brustkrebsvorsorge das einzige legale Angebot, das Röntgenstrahlung zur Früherkennung einsetzt. / AntonioDiaz, AdobeStock.com

Salzgitter – Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat das Angebot von Arztpraxen und Kranken­häu­sern für Früher­kennungs­untersuchungen mittels Computertomografie (CT) scharf kri­­tisiert. BfS-Präsidentin Inge Paulini bezeichnete die Angebote als „rechtswidrig“ und „irreführend“. Die Ergebnisse der Studie wurden in Fortschritte auf dem Gebiet der Rönt­genstrahlen und der bildgebenden Verfahren (RöFo) publiziert (2019; doi: 10.1055/a-0989-2621).

Im Februar 2019 untersuchte die Bundesbehörde 150 Internetseiten radiologischer Pra­xen (110), medizinischer Versorgungszentren (18) und Kliniken (22), die nach Angaben des BfS rechtswidrig CT-Früherkennungsunter­suchun­gen von Lungen- und Darmkrebs sowie von koronaren Herz­krankheiten angeboten haben und es heute noch tun (Beispiele siehe Kasten).

Die Anbieter stellen demnach im Internet nur sel­ten detaillierte, fachlich valide und aus­ge­wogene Informationen zu Nutzen und Risiken zur Verfügung. Die Informationen im In­ternet wiesen mehrheitlich Qualitätsmängel auf. Die Begriffe Prävention, Früherkennung und Vorsorge wurden überwiegend synonym verwendet.

Formulierungsbeispiele rechtswidriger Angebote

  • Die Untersuchungen dürfen auch dann durchgeführt werden, wenn die Krankenkasse keine Kostenübernahme zusagt.
  • Vermeiden Sie primäre Risikofaktoren, insbesondere das Rauchen, oder nutzen Sie alternativ zumindest die Möglichkeiten der modernen Schnittbilddiagnostik zur Vorsorge.
  • Darmspiegelung im CT = schonende Rundum-Vorsorge, bequem und ohne Risiko. Die CT-Darmspiegelung ist die derzeit modernste Technik der Darmuntersuchung. Sie kombiniert eine schonende Vorbereitung mit einer angenehmen und schnellen Durchführung.

So waren die Angaben über die Strahlenrisiken dem BfS zufolge „insgesamt unzurei­chend“. Informationen über Risikofaktoren, Anzahl und zeitlichen Abstand der Tests, die jeweilige Untersuchung sowie zur Abklärungsdiagnostik entbehrten oft der wissenschaft­li­­chen Grundlagen.

Auf fast 100 Webseiten wurden die Patienten darüber informiert, dass die Kosten nicht von den Krankversicherungen erstattet werden würden. Nur eine Internetseite habe da­rauf hingewiesen, dass die Untersuchung ab Ende 2018 (mit Inkrafttreten des Strahlen­schutz­­gesetzes) nur noch bei konkreter Indikation durchgeführt werden dürfe.

Zwar werden radiologische Früherkennungsuntersuchungen derzeit aufgrund neuer Stu­dien erörtert. Wer eine CT als individuelle Gesundheitsleistung anbiete, missachte aber die Regelungen des Strahlenschutzgesetzes, warnen die Autoren des BfS.

Und auch davor waren nach Bestimmung der alten Röntgenverordnung diese Untersu­chun­gen mit Ausnahme von Röntgenreihenuntersuchungen, wie etwa dem Mammografie-Screening-Programm, unzulässig, erklärte Erstautor Gunnar Brix vom BfS dem Deutschen Ärzteblatt.

Vom Verbot ausgenommen ist heute wie damals die Brustkrebsfrüherkennung mittels der Röntgen-Mammografie. Für eine mögliche Zulassung der CT-Lungenkrebsfrüherkennung wurde ein Bewertungsprozess initiiert.­

Der Rechtsrahmen

Voraussetzung ist eine wissenschaftliche Bewertung des BfS, in dem Nutzen und Risiken des jeweiligen Verfahrens gegeneinander abgewogen sowie Mindeststandards für die Unter­suchungen festgelegt werden. Es folgt die Zulassung durch das BMU in Form einer Rechtsverordnung.  Anschließend erteilt die zuständige Behörde eine auf 5 Jahre befristete Genehmigung. Der Strahlenschutzverantwortliche einer Praxis oder Klinik muss nun einen Antrag an die zuständige Landesbehörde richten.

„Radiologische Verfahren können bei der Früherkennung von Krebs oder Herzerkrankun­gen eine wichtige Rolle spielen“, erklärte Paulini. „Allerdings muss sorgsam bewertet wer­den, ob der Nutzen einer solchen Untersuchung die damit verbundenen Risiken recht­fertigt und ob die erforderlichen Qualitätsstandards eingehalten werden.“

Das Ende 2018 in Kraft getretene Strahlenschutzgesetz ermöglicht dem Bundesministeri­um für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), weitere Röntgenuntersu­chun­gen für die Früherkennung von Krankheiten wie Lungen- oder Darmkrebs, Veren­gung der Herzkranzgefäße oder Osteo­porose zuzulassen. Dafür bedarf es einer Rechtsver­ordnung (siehe Kasten).

Die aktuelle Auswertung der Internetangebote zeigt dem BfS zufolge die Notwendigkeit für bundeseinheitliche und rechtlich verbind­li­che Regelungen für radiologische Früher­kennungsuntersuchungen.

Aus Sicht der Deutschen Röntgengesellschaft sind Früherkennungsuntersuchungen, die außerhalb der gesetzlichen Vorgaben bei asymptomatischen Personen und unter Verwen­dung ionisierender Strahlung angeboten werden, „mit der aktuellen Rechtsprechung nicht vereinbar und stehen nicht für eine qualitätsgesicherte, wissenschaftlich fundierte An­wen­dung bildgebender Verfahren, wie sie zwingend geboten ist“, hieß es von der Fachgesellschaft auf Nachfrage des Deutschen Ärzteblattes.

Die Anwendung der Computertomographie zur Früherkennung von Lungenkrebs bei asymptomatischen Personen sei also rechtlich nicht zulässig, bevor eine Rechtsverord­nung er­lass­en werde. Das gelte auch für alle anderen Früherkennungsuntersuchungen unter An­wendung ionisierender Strahlen.

Das BfS befinde sich aktuell im wissenschaftlichen Bewertungsverfahren für die Anwen­dung der Computertomographie zur Lungenkrebsfrüherkennung in einem definierten Ri­si­kokollektiv, hieß es. Erst nach Abschluss der wissenschaftlichen Bewertung werde ein Bericht an das BMU erfolgen, das über eine mögliche Rechtsverordnung und die Ausge­stal­tung dieser Rechtsverordnung entscheide. © gie/may/afp/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #717145
Tom Hofmann
am Dienstag, 1. Oktober 2019, 00:01

Welche Gefahr bei 1x CT

Die Anwendung der Computertomographie zur Früherkennung..sei tödlich, meint die Bundesregierung.
Welches Risiko steht da im Raum, wenn man mal so ein CT macht?
Der Zahnarzt röntgt ja erheblich mehr .
Avatar #762027
Kortmann
am Mittwoch, 18. September 2019, 07:16

Prävention

Leider ist dieser Beitrag stark verkürzt und teilw. sachlich falsch. Hier greif die RÖV und nicht die StrSchV. Wenn Sie über eine CT schreiben, dann sollten Sie nicht ein Bild von einer Mammographie einstellen.
LNS

Nachrichten zum Thema

27. Oktober 2020
Berlin – Das Mammografiescreeningprogramm können aktuell nur Frauen bis zum 69. Lebensjahr nutzen. Eine Anhebung dieser Altersgrenze auf 75 wurde gestern im Petitionsausschuss des Bundestages
Brustkrebsfrüherkennung: Staatssekretärin Weiß befürwortet Anhebung der Altersgrenze
26. Oktober 2020
London – Ein negatives Ergebnis in einem immunologischen Stuhltest, der okkultes Blut im Stuhl nachweist, hat in einer größeren Studie des britischen National Health Service bei Patienten mit
Immunologischer Stuhltest kann Darmkrebs bei symptomatischen Patienten sicher ausschließen
30. September 2020
Heidelberg – In den USA erkranken altersstandardisiert mehr Frauen an Brustkrebs als in Deutschland. Aber die Sterblichkeit ist offenbar deutlich geringer. Das berichten Wissenschaftler des Deutschen
Sterblichkeit wegen Brustkrebs bei älteren Frauen in Deutschland höher als in den USA
18. September 2020
Boston – Ein mobiler Magnetresonanztomograf, der ohne Kühlung auskommt, keine magnetische Abschirmung benötigt und den Strom aus einer normalen Steckdose bezieht, hat sich auf einer neurologischen
Mobiler Magnetresonanztomograf hilft Neurologen am Krankenbett
16. September 2020
Bern – Eine Mutation, die Krebszellen daran hindert, Doppelstrangbrüche ihrer DNA zu reparieren, erhöht beim Endometriumkarzinom offenbar die Erfolgschancen einer Strahlentherapie. Die in Cell Reports
Endometriumkarzinom: Gen könnte Erfolg einer Radiotherapie beeinflussen
14. August 2020
Berlin – Mit dem Start der elektronischen Dokumentation in den organisierten Früherkennungsprogrammen am 1. Oktober dieses Jahres wird auch der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) angepasst. Darauf
Früherkennung: Elektronische Dokumentationspflicht ab Oktober
13. August 2020
London – Ein früher Beginn eines jährlichen Brustkrebsscreenings im Alter von Anfang 40 hat in einer randomisierten Studie aus Großbritannien in den ersten 10 Jahren die Zahl der Brustkrebstodesfälle
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER