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Medizin

Herzschule in Schweden verringert Sterblichkeit von Herzinfarkt­patienten

Mittwoch, 18. September 2019

In Schweden ist die Herzschule Teil der Reha nach einem Myokardinfarkt. Die Gruppenschulung zielt darauf ab, modifizierbare Risiken zu verbessern. /Robert Kneschke, AdobeStock.com

Uppsala – Der Besuch einer Herzschule im Rahmen einer kostenlosen Reha senkt bei schwedischen Herzinfarkt-Patienten die kardiovaskuläre Sterberate und die Gesamt­sterblichkeit in den ersten beiden Jahren um die Hälfte, wie eine Analyse im European Journal of Preventive Cardiology (2019; doi: 10.1177/2047487319871714) zeigt.

Der Nutzen von Reha-Einrichtungen und Schulungsprogrammen wird häufig bezweifelt, weil ihre Effektivität im Gegensatz zur Akuttherapie selten in klinischen Studien überprüft wird. Entsprechend gering ist die Akzeptanz. In Schweden besuchen nur etwa 40 % der Patienten nach einem ersten Herzinfarkt eine Herzschule, obwohl die Teilnahme kostenlos ist.

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Die Teilnehmer werden in den Herzschulen über die Ursachen ihrer Erkrankung unterrichtet, und sie erfahren, wie sie durch gesündere Ernährung, mehr körperliche Bewegung und den Verzicht auf das Rauchen einen weiteren Herzinfarkt vermeiden können.

Da in Schweden alle Einwohner eine persönliche Identifikationsnummer haben, die in verschiedenen Registern benutzt wird, konnten John Wallert von der Universität Uppsala und Mitarbeiter die Daten leicht mit dem SWEDEHEART-Register abgleichen, das alle Patienten mit Herzerkrankungen erfasst. Ein weiterer Abgleich erfolgte mit dem Sterberegister.

Wie zu erwarten, hatten die Patienten, die den Besuch der Herzschule ablehnten, insgesamt die größeren Herz-Kreislauf-Risiken. Es gab in dieser Gruppe mehr Raucher, mehr Diabetiker und mehr Patienten, die schon einmal eine andere Herz-Kreislauf-Erkrankung, etwa einen Schlaganfall, erlitten hatten. Auch die medikamentöse Versorgung war schlechter, das Bildungsniveau niedriger und das Einkommen geringer. Die genauen Angaben im SWEDEHEART-Register ermöglichten es Wallert, diese Unterschiede bei der Berechnung des Sterberisikos zu berücksichtigen.

Reha-Nutzen auch nach 5 Jahren noch signifikant

Am Ende blieb es bei einem deutlichen Nutzen der Reha-Maßnahme. Wallert ermittelt eine adjustierte Hazard Ratio von 0,53 (95-%-Konfidenzintervall 0,44-0,64) für einen Tod und von 0,50 (0,38-0,65) für einen Herz-Kreislauf-Tod in den ersten beiden Jahren nach dem Herzinfarkt. Die beiden Sterberisiken wurden durch die Maßnahme demnach in etwa halbiert.

Nach 5 Jahren war die Wirkung der Herzschule etwas abgeschwächt, aber weiterhin signifikant. Die adjustierte Hazard Ratio auf einen Tod betrug 0,62 (0,55-0,69) und auf einen Herz-Kreislauf-Tod 0,57 (0,47-0,69).

Da es sich um eine epidemiologische Studie handelt, gibt es Einschränkungen. Es ist nicht gesagt, dass das SWEDEHEART-Register alle möglichen Risikofaktoren erfasst. Es bleibt denkbar, dass die Nichtteilnehmer der Herzschule aus anderen Gründen eine schlechtere Prognose haben. Berechnungen von Wallert zeigen jedoch, dass diese relativen Risiken im Bereich von 2 bis 3 (also einer Verdopplung oder Verdreifachung) liegen müssten, um den in der Studie gefundenen Nutzen zu negieren. © rme/aerzteblatt.de

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