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Medizin

Nächtlicher Chronotyp und sozialer Jetlag fördern Adipositas bei weiblichen Teenagern

Mittwoch, 18. September 2019

Schülerin gähnt im Unterricht. /Antonioguillem, AdobeStock.com
/Antonioguillem, AdobeStock.com

Boston – Der chronische Schlafmangel von Jugendlichen steht im Verdacht, die Adipositas zu befeuern. In einer Querschnittstudie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.3089) waren vor allem weibliche Teenager mit einem nächtlichen Chronotyp und einem ausgeprägten sozialen Jetlag gefährdet. Ein späterer Schulbeginn könnte nach Ansicht der Autoren günstige Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

Dass Jugendliche eher zu wenig als zu viel Schlaf bekommen, ist nicht neu. Vor allem am Montagmorgen kommt es bei vielen regelmäßig zu einem sozialen Jetlag, unter dem die schulischen Leistungen leiden. Relativ neu ist, dass Jugendliche ungebremsten Zugriff auf kaloriendichte Nahrungsmittel haben, die gerne in den Abend- und Nachtstunden verzehrt werden. Auch die insgesamt zu kurzen Schlafzeiten könnten nach Ansicht von Chrono­biologen dazu beitragen, dass die Zahl der übergewichtigen Jugendlichen zunimmt.

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Ein Team um Elsie Taveras vom Massachusetts General Hospital for Children in Boston hat das Phänomen an den Teilnehmern des „Project Viva“ näher untersucht. Es handelt sich um eine Gruppe von 804 Kindern und ihren Müttern, die seit 1999 regelmäßig untersucht werden. Im Alter von median 13,2 Jahren haben die Kinder für eine Woche einen Aktometer am Handgelenk getragen, der ihre Bewegungen und damit auch die Ruhezeiten registrierte.

Mit der „Morningness-Eveningness Scale for Children“ wurde ermittelt, ob die Kinder eher ein morgendlicher oder nächtlicher Chronotyp sind. Nachttypen fällt das Aufstehen am Montagmorgen besonders schwer. Sie haben kürzere Nachtzeiten und den größeren sozialen Jetlag.

Taillenumfang und Fettmasse-Index nehmen zu

Wie Taveras jetzt berichtet, war sowohl ein nächtlicher Chronotyp als auch ein sozialer Jetlag mit vermehrten Fetteinlagerungen verbunden. Die Assoziationen wurden allerdings nur bei weiblichen Teenagern beobachtet. Bei ihnen war ein nächtlicher Chronotyp mit einem um 0,58 cm (95-%-Konfidenzintervall 0,12 bis 1,03 cm) höheren Taillenumfang und einem um 0,16 kg/m2 (0,01 bis 0,31 kg/m2) höheren Fettmasse-Index verbunden. Die Fettmasse war mit der Dual-Röntgen-Absorptiometrie bestimmt worden.

Jede zusätzliche Stunde eines sozialen Jetlags war mit 1,19 cm (0,04 bis 2,35 cm) mehr Taille und einem um 0,45 kg/m2 (0,09 bis 0,82 kg/m2) höheren Fettmasse-Index verbunden.

Bei den männlichen Teenagern wurden keine Assoziationen gefunden. Die Gründe hierfür sind nicht bekannt. Die Studie hat auch zahlreiche kardiometabolische Risikofaktoren wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker untersucht. Ein Einfluss des Chronotyps konnte allerdings bislang nicht nachgewiesen werden.

Aus politischer Sicht wären spätere Schulanfangszeiten nach Ansicht von Taveras eine sinnvolle Maßnahme, um die Schlafdauer der Teenager zu verlängern. In Seattle hat sich dies als wirksam erwiesen. Seit die Schulen dort um eine Stunde später öffnen, bekommen die Schüler laut einer im letzten Jahr in Science Advances (2018; 4: eaau6200) publizierten Studie im Durchschnitt 34 Minuten mehr Schlaf und auch die Schulnoten haben sich leicht verbessert. © rme/aerzteblatt.de

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