NewsMedizinJeder zweite Geflüchtete ist psychisch belastet
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Jeder zweite Geflüchtete ist psychisch belastet

Donnerstag, 19. September 2019

/Daniel Ernst, stock.adobe.com

Leipzig – Rund die Hälfte der Flüchtlinge zeigt kurz nach Ankunft in Deutschland deut­liche Zeichen einer psychischen Störung oder Belastung. Das ist das Ergebnis einer Stu­die Universitätsmedizin Leipzig, die gestern vor­ge­stellt wurde und die in Epidemiology and Psychiatric Sciences (DOI: 10.1017/S2045796019000325) erschienen ist. Die Autoren fordern eine professionelle Behandlung der Betroffenen so­wie psychosoziale Beratungs­angebote vor Ort.

Wissenschaftler um Heide Glaesmer und Yuriy Nesterko von der Abteilung für Medizini­sche Psychologie und Medizinische Soziologie führten die Studie in einer Leipziger Erst­auf­­nahmeeinrichtung für Asylsuchende von Mai 2017 bis Juni 2018 durch. Insgesamt nahmen 569 erwachsene Geflüchtete aus mehr als dreißig Ländern teil. Etwa die Hälfte wurde innerhalb der ersten Woche nach der Ankunft befragt.

Anzeige

Ein Drittel der Befragten leide demnach unter einer Posttraumatischen Belastungsstö­rung, ein Drittel berichtete von psychosomatischen Symptomen wie Herzrasen und Angst­zu­ständen. Viele Betroffene wiesen der Studie zufolge außerdem Symptome einer Depression auf und litten unter mehr als einer psychischen Störung.

„Die Ergebnisse sind für uns grundsätzlich nicht überraschend. Die Geflüchteten hatten zum Zeitpunkt der Befragung fast immer eine lange Flucht hinter sich, viele hatten Krieg und Gewalt erfahren und waren von ihren Familien und Angehörigen getrennt“, sagte Glaesmer.

Durch die traumatischen Erfahrungen und die psychischen Störungen sei die Leistungs­fähigkeit der Betroffenen oft in wichtigen Lebensbereichen eingeschränkt und das Risiko für die Entwicklung weiterer psychischer Erkrankungen beziehungsweise deren Chroni­fi­zierung steige stark an.

„Die Studienergebnisse weisen zum einen auf die Dringlichkeit einer professionellen Be­handlung der Betroffenen hin. Zum anderen sind psychosoziale Entlastungs- und Bera­tungsangebote vor Ort vonnöten, insbesondere für kürzlich angekommene Geflüchtete, um Symptomverschlechterungen und der Entwicklung von psychischen Störungen vorzu­beugen“, erklärte Co-Autor Nesterko.

Die Studie ist den Autoren zufolge eine Momentaufnahme kurz nach der Ankunft in der Erstaufnahmeeinrichtung. Es sei deshalb zu erwarten, dass bei einigen Geflüchteten psy­chische Belastungen erst noch zum Tragen kommen, während andere möglicherweise in einer sicheren und ruhigen Umgebung diese überwinden könnten.

„Entscheidend ist, dass ohne eine zeitnahe und bedarfsorientierte Versorgung die Gefahr einer stetigen Ver­schlechterung der psychischen Gesundheit als sehr hoch einzustufen ist“, sagen Glaesmer und Nesterko. © kna/pb/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
16. Oktober 2019
Damaskus – Im Zuge der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien und der „extrem instabilen Situation“ zieht die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) alle internationalen Mitarbeiter aus der
Ärzte ohne Grenzen zieht Mitarbeiter aus Nordsyrien ab
15. Oktober 2019
Hamburg – In Hamburg sind derzeit mehr Personen im Maßregelvollzug untergebracht als in den Jahren zuvor. 2019 waren es 304 Patienten, wie die Gesundheitsbehörde jetzt mitteilte. Im vergangenen Jahr
Zahl der Personen im Maßregelvollzug in Hamburg steigt
15. Oktober 2019
Köln – Seit dem Beginn der türkischen Militäroffensive in Nordsyrien befinden sich nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef fast 70.000 Kinder auf der Flucht. Bis heute seien in Nordostsyrien
Fast 70.000 Kinder in Nordsyrien auf der Flucht
15. Oktober 2019
Berlin – Die Welthungerhilfe warnt vor neuen Gefahren für die Ernährungssicherheit durch den Klimawandel in ohnehin gefährdeten Staaten. „Die Bekämpfung von Hunger und Unterernährung in einem sich
Der Klimawandel verschärft den Hunger
15. Oktober 2019
Athen/Lesbos – Im völlig überfüllten Migrantenlager der griechischen Insel Samos hat es am gestern Abend nach einem Streit zwischen Syrern und Afghanen schwere Krawalle gegeben. Nach einer
Ausschreitungen in Migrantenlager auf Samos
15. Oktober 2019
Rom – Italien hat der Hilfsorganisation SOS Méditerranée erlaubt, die 176 Flüchtlinge an Bord des Rettungsschiffs „Ocean Viking“ an Land zu bringen. Das teilte die Organisation gestern am späten Abend
LNS LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER