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Medizin

Sepsis: Blutkulturen müssen vor Behandlungsbeginn entnommen werden

Donnerstag, 19. September 2019

/Kateryna_Kon, stockadobecom

Boston – Bei Sepsis-Patienten sollten vor Beginn einer empirischen Antibiose 2 Blut­kulturen abgenommen werden, um die Therapie später auf die nachgewiesenen Erreger anpassen zu können. Bei einer Verschiebung der Blutkulturen auf die ersten beiden Stunden nach Beginn der Antibiose kommt es nach einer Studie in den Annals of Internal Medicine (2019; DOI: 10.7326/M19-1696) zu einem deutlichen Abfall der positiven Blutkulturen.

Blutkulturen können bei Sepsis-Patienten die für die Blutinfektion verantwortlichen Erreger identifizieren. Die Ergebnisse liegen allerdings erst in einigen Tagen vor. So lange kann die Therapie nicht warten. Die Patienten erhalten deshalb vorher eine empirische Antibiose. Die Ärzte wählen ein Antibiotikum, das nach ihrer Erfahrung am besten wirkt. Wenn die Ergebnisse der Blutkulturen vorliegen, kann dann auf ein besser geeignetes Mittel gewechselt werden.

Der Zeitpunkt für die Entnahme der Blutkulturen ist umstritten. Die Leitlinien fordern, dass sie vor dem Beginn der Antibiose erfolgt, da sonst das Ergebnis verfälscht wird.

Notfallmediziner möchten lieber sofort mit der empirischen Antibiose beginnen, da jede Verzögerung die Überlebenschancen verschlechtert. Sie argumentieren, dass eine Blutentnahme kurz nach Beginn der Antibiose die Chancen auf den Nachweis der Erreger kaum verschlechtern dürfte.

Die FABLED-Studie (für „eFfect of Antimicrobial administration on BLood culture positivity in patients with severe manifestations of sepsis in the Emergency Department“) könnte diese Kontroverse jetzt beenden. An 7 US-Zentren wurden bei 3.164 Sepsis-Patienten 4 Blutkulturen abgenommen, 2 vor Beginn der Antibiose und 2 in den ersten beiden Stunden danach.

Ergebnis: In den präantimikrobiellen Blutkulturen wurde bei 102 von 325 Patienten (31,4 %) Patienten wenigstens ein mikrobieller Krankheitserreger gefunden. In den postanti­mikrobiellen Blutkulturen war dies nur noch bei 63 von 325 Patienten (19,4 %) der Fall.

Der absolute Unterschied im Anteil positiver Blutkulturen zwischen prä- und postanti­mikrobiellen Blutkulturen betrug mithin 12 Prozentpunkte, und er war nach den Berechnungen von Matthew Cheng vom Brigham and Women's Hospital in Boston und Mitarbeitern mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 5,4 bis 18,6 Prozentpunkten signifikant.

Die Sensitivität, dass in der postantimikrobiellen Kultur derselbe Erreger gefunden wird wie in der präantimikrobiellen Kultur, betrug 52,9 % (42,8 bis 62,9 %).

Die Ergebnisse sprechen für die frühzeitige Entnahme der Blutkulturen, da sie die Treffsicherheit der späteren Antibiose erhöhen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #724508
Banjospeed
am Sonntag, 8. Dezember 2019, 14:18

Entscheidende Analyse fehlt

Interessant wäre natürlich gewesen, ob der Anteil an Patienten, die keinen Erregernachweis haben UND ein Versagen der antimikrobiellen Therapie haben sich zwischen den Gruppen unterschieden hätte.

Denn wenn ich nach Gabe der Antibiose den Erreger nicht mehr nachweisen kann ist ja die naheliegende Erklärung, dass er auf meine Antibiose anspricht. Und dann wird der Erregernachweis ja eigentlich obsolet!
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