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Medizin

Frühe Anämie in der Schwangerschaft kann Autismus, ADHS und geistige Behinderungen fördern

Freitag, 20. September 2019

/RFBSIP, stockadobecom

Stockholm – Eine Anämie in der Schwangerschaft kann die Entwicklung des Kindes be­hindern. Nach einer Kohortenstudie in JAMA Psychiatry (2019; doi: 10.1001/jamapsychiatry.2019) ist vor allem in den ersten 30 Wochen der Schwanger­schaft mit einem verminderten intrauterinen Wachstum zu rechnen. Die Kinder haben später auch ein leicht erhöhtes Risiko auf Autismus, Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperak­tivitätsstörung (ADHS) und geistige Behinderungen.

In der Schwangerschaft steigt der Eisenbedarf, und damit auch das Risiko einer Blutar­mut. Die meisten Anämien treten erst in der Spätschwangerschaft auf, wenn der rasch wachsende Fetus die Eisenreserven der Mutter angreift. In den ersten beiden Trimenon sind Anämien seltener. In einer Kohorte von fast 300.000 Kindern, die in den Jahren 1987 bis 2010 in Stockholm geboren wurden, hatten vor der 31. Gestationswoche nur etwa 1 % der Frauen eine Anämie.

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Die Auswirkungen waren dann jedoch gravierender. Ein Team um Renee Gardner vom Ka­ro­linska Institut in Stockholm ermittelte ein deutlich erhöhtes Risiko auf eine Frühgeburt (Odds Ratio 7,10; 95-%-Konfidenzintervall 6,28-8,03) oder auf eine Mangelgeburt („Small für Gestational Age“; Odds Ratio 2,81; 2,26-3,50). Trat die Anämie erst nach der 31. Wo­che auf, kam es deutlich seltener zur Frühgeburt (Odds Ratio 1,56; 1,49-1,62) oder Man­gel­geburt (Odds Ratio 1,76; 1,66-1,87).

Die gute Vernetzung der schwedischen Krankheitsregister ermöglichte es Gardner, auch die Auswirkungen auf die neuropsychologische Entwicklung zu untersuchen. Auch hier hatte vor allem die frühe Anämie ungünstige Folgen. Die Kinder der früh anämischen Mütter erkrankten zu 4,9 % an einer Autismus-Spektrum-Störung. Die Kinder gesunder Mütter erkrankten nur zu 3,5 % (Odds Ratio 1,44; 1,13-1,84).

Eine ADHS wurde bei 9,3 % der Kinder von früh anämischen Müttern diagnostiziert gegenüber einer Häufigkeit von 7,1 % bei Kindern gesunder Mütter (Odds Ratio 1,37; 1,14-1,64). Eine geistige Behinderung wurde bei 3,1 % versus 1,3 % festgestellt (Odds Ratio 2,20; 1,61-3,01).

Wie immer in epidemiologischen Studien lässt sich eine Kausalität letztlich nicht bewei­sen. Der Zusammenhang ist aber biologisch plausibel. Da Eisenmangel die häufigste Ur­sache ist, sollte – unter ärztlicher Leitung – eine Eisensubstitution durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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