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Politik

Keine Häufung von Fehlbildungen in Hamburg und Mecklen­burg-Vorpommern

Donnerstag, 19. September 2019

/dpa

Hamburg – Nach einer Abfrage aller Geburtshilfen in Hamburg und Mecklenburg-Vor­pommern gibt es nach Angaben der Gesundheitsbehörden keine Steigerung von Fehl­bildungen bei Neugeborenen.

Das Gesundheitsministerium in Schwerin teilte mit, dass sich auffällige Häufungen von Fehlbildungen aus den bisherigen Statistiken nicht erkennen lassen. „Statistisch auffälli­ge Schwankungen in der Häufigkeit der Fehlbildungen konnten weder in den vergange­nen beiden Jahren, noch im laufenden Jahr festgestellt werden“, sagte auch der Sprecher der Hamburger Gesundheitsbehörde, Dennis Krämer.

In den Hamburger Geburtshilfen kommen jährlich mehr als 25.000 Kinder zur Welt. Da­von haben durchschnittlich bis zu 40 Kinder Fehlbildungen an den oberen und unteren Extremitäten, insbesondere Finger, Hand, Unterarm, Schulter, Becken oder Fuß. Ein ange­borenes Fehlen der Hand oder eines oder mehrerer Finger sei sehr selten und komme durchschnittlich drei bis fünf Mal pro Jahr vor.

In einer Klinik in Gelsenkirchen (Nordrhein-Westfalen) waren in zwölf Wochen drei Kinder mit fehlgebildeten Händen geboren worden. Das hatte eine von Medien befeuerte De­batte über mögliche Gründe ausgelöst. Derzeit werden in allen Bundesländern die ent­sprechenden Geburtsklini­ken nach Daten gefragt.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gestern und vorgestern wiederholt vor Mutmaßungen gewarnt. „Wir nehmen das ernst, wir schauen uns das an“, sagte er. „Wir ziehen erst dann Schlussfolgerungen, wenn wir auch etwas wissen.“ Es gehe nun darum herauszufinden, ob es tatsächlich eine Häufung solcher Fehlbildungen bei Babys gebe.

Spahn kritisierte, er lese nun die „wildesten Spekulationen, bis hin zu Handystrahlen“. Er warne vor einer Verunsicherung, wenn jeden Tag neue Erklärungen in Umlauf gebracht würden. Bisher gebe es keine Hinweise auf eine Häufung.

Auch Mediziner wandten sich gegen Spekulationen. „Man kann nicht von einer Häufung sprechen, wenn man nicht weiß, wie hoch die Zahl sonst ist“, sagte der Abteilungsleiter der Pränatal- und Geburtsmedizin des Universitätsklinikums Leipzig, Holger Stepan, dem MDR-Magazin „Hauptsache Gesund“. Dennoch sei es verständlich, dass mehrere Fälle in einem kurzen Zeitraum zunächst stutzig machten.

Zu einem vorsichtigen Umgang mit dem Thema riet auch der Leiter des Fachbereichs Ne­o­natologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Uniklinikum Dresden, Mario Rüdiger. „Es gibt gelegentlich die Situation, dass eine seltene Erkrankung für eine lange Zeit nicht auf­getreten ist und dann plötzlich mehrere Kinder nacheinander betroffen sind“, sagte er dem MDR. Hier müsse man wachsam sein, aber nicht in Panik verfallen.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte erklärte, Fehlbildungen könnten unter­schiedliche Ursachen haben. Er forderte wie die Grünen im Bundestag ein bundesweites Register. © dpa/afp/may/aerzteblatt.de

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