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Medizin

US-Studie: Polypille verbessert Herz-Kreis­lauf-Risiken in sozial schwachen Gruppen

Donnerstag, 19. September 2019

/White bear studio, stockadobecom

Nashville – Eine Polypille mit 3 Blutdruck- und einem Cholesterinsenker, hat in einer randomisierten kontrollierten Studie die Herz-Kreislauf-Risiken von Menschen in prekären Verhältnissen und mit begrenztem Zugang zu einer medizinischen Versorgung verbessert. Die Ergebnisse wurden jetzt im New England Journal of Medicine (2019; 381: 1114-1123) veröffentlicht.

Ärmere Menschen weisen überdurchschnittlich häufig kardiovaskuläre Risikofaktoren auf und ihre medizinische Versorgung ist häufig unzureichend. Sie lassen sich nur schwer für die Behandlung von Risikofaktoren erwärmen. Zum einen haben die Medikamente keine unmittelbar spürbaren Auswirkungen auf die subjektive Gesundheit. Zum anderen ist die Behandlung mit lästigen Arztbesuchen verbunden. Außerdem fällt es vielen schwer, sich an die tägliche Einnahme von mehreren Medikamenten zu halten.

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Ein Team um Thomas Wang vom Vanderbilt University Medical Center in Nashville hat deshalb die Idee der Polypille aufgegriffen. Sie besagt, dass angesichts der hohen Prävalenz von Gesundheitsstörungen ab einem bestimmten Alter die gesamte Bevölkerung präventiv mit Medikamenten behandelt werden sollte. In der Summe würde dies die Zahl der Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Gesellschaft senken. Die Risiken seien wegen der guten Verträglichkeit von Blutdruck- und Cholesterinsenkern gering.

Die Idee der Polypille war zuletzt von Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen aufgegriffen worden, in denen viele Menschen medizinisch unversorgt sind. Kürzlich hatten Mediziner aus dem Iran über den erfolgreichen Einsatz der Polypille berichtet. Doch auch in den USA gibt es Gegenden, in denen viele Menschen keinen Zugang zu einer qualifizierten medizinischen Versorgung haben. Hier könnte die Polypille einige der Hindernisse überwinden, die ärmere Menschen den Zugang zur medizinischen Versorgung versperren und die Therapieadhärenz senken, hofft Wang.

Die Ergebnisse der Studie könnten ihm Recht geben. An der Studie nahmen 303 Erwachsene teil, darunter 96 % Afroamerikaner, etwa 60 % waren Frauen und 75 % hatten ein Jahreseinkommen von weniger als 15.000 Dollar, womit sie weit unter der Armutsgrenze lagen. Der durchschnittliche Body-Mass-Index im Alter von 56 Jahren betrug 31 kg/m2, der durchschnittliche Blutdruck lag bei 140/83 mm Hg und das LDL-Cholesterin bei 113 mg/dl. Das 10-Jahres-Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis wurde auf 12,7 % geschätzt.

Die Hälfte der Teilnehmer wurde gebeten, täglich eine Polypille einzunehmen. Sie enthielt 10 mg Atorvastatin, 2,5 mg Amlodipin, 25 mg Losartan und 12,5 mg Hydrochlorothiazid. Die monatlichen Kosten der Polypille lagen bei 26 Dollar. Die andere Hälfte der Patienten nahm an der üblichen medizinischen Grundversorgung teil. Medikamente wurden nur bei Bedarf verordnet.

Primäre Endpunkte der Studie waren die Blutdruckwerte und das LDL-Cholesterin nach 12 Monaten. Wie Wang berichtet, hatten 86 % der Teilnehmer die Polypille regelmäßig eingenommen. Der mittlere systolische Blutdruck verringerte sich in der Polypillen-Gruppe um 9 mm Hg im Vergleich zu 2 mm Hg in der Gruppe mit der üblichen Versorgung. Die Differenz von 7 mm Hg war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2 bis 12 mm Hg hoch signifikant.

Der mittlere LDL-Cholesterinspiegel verringerte sich in der Polypillen-Gruppe um 15 mg/dl und in der Kontrollgruppe um 4 mg/dl. Auch hier war die Differenz von 11 mg/dl mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 5 bis 18 mg/dl hoch signifikant.

Die Verträglichkeit der Polypille war gut. Nur 1 % der Patienten klagten über Muskel­schmerzen (einer Nebenwirkung des Statins) und bei 1 % kam es zu einem sympto­matischen Abfall des Blutrucks (Benommenheit).

Der Vorteil der Polypille liegt laut Mitautor Daniel Muñoz, ebenfalls vom Vanderbilt University Medical Center, in der Einfachheit. Die einmal tägliche Einnahme sei leicht zu verstehen und leicht umzusetzen, da sie keine Dosis-Anpassung erfordere. Dies erkläre die hohe Akzeptanz, die deutlich besser war als in der Allgemeinbevölkerung, von der in der Regel nur etwa die Hälfte ihre Blutdrucksenker regelmäßig einnimmt. Bei der Statin­verordnung sind es oft noch weniger. © rme/aerzteblatt.de

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