NewsMedizinTyp-2-Diabetes: Frühe Kombinationstherapie erzielt in Studie langfristige Vorteile
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Typ-2-Diabetes: Frühe Kombinationstherapie erzielt in Studie langfristige Vorteile

Freitag, 20. September 2019

Blutzuckerkontrolle /gamjai, stock.adobe.com
/gamjai, stock.adobe.com

Oxford – Eine frühe Kombinationstherapie, die Metformin mit Vildagliptin kombiniert, hat den Blutzuckerlangzeitwert HbA1c in einer randomisierten kontrollierten Langzeit­studie effektiver kontrolliert als die derzeit allgemein empfohlene Monotherapie mit Metformin. Die Vorteile blieben auch in einer zweiten Phase der Studie erhalten, in der alle Patienten die Kombination erhielten. Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Barcelona vorgestellt und im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32131-2) publiziert.

Die Leitlinien in Europa und den USA sind sich einig, dass die Behandlung des Typ-2-Diabetes mit einer Monotherapie begonnen werden sollte, wobei das Biguanid Metformin wegen der geringen Neigung zur Hypoglykämie das Mittel der Wahl ist. Da die Insulinem­pfindlichkeit und später auch die Insulinproduktion nachlassen, benötigen die Patienten früher oder später weitere Medikamente und viele später auch Insulin.

Anzeige

In den letzten Jahren wurden weitere Wirkstoffe zugelassen, die ebenfalls den Blutzucker senken, ohne eine Hypoglykämie zu provozieren. Dazu gehören die ab Mitte der 2000er Jahre zugelassenen DPP-4-Inhibitoren. Diese Mittel blockieren den Abbau der körpereige­nen Inkretine GLP-1 und GIP und verstärken dadurch deren Wirkung. Die Folge ist eine Steigerung der Insulinsekretion – allerdings nur während der Mahlzeiten, was das Hypo­gly­kämie-Risiko zwischen den Mahlzeiten vermindert. Die Wirkung der DPP-4-Inhibito­ren ist damit komplementär zu Metformin, das unter anderem die Insulinempfindlichkeit der Zellen erhöht.

Der Hersteller des DPP-4-Inhibitors Vildagliptin hat 2012 mit einer groß angelegten Stu­die begonnen, die die derzeitig empfohlene Initialbehandlung mit einer Monotherapie von Metformin und späterer Hinzufügung weiterer Mittel (in der Studie Vildagliptin) mit einer initialen Kombination beider Wirkstoffe verglich. Bis 2014 beteiligten sich an 254 Zentren in 34 Ländern insgesamt 2.001 Patienten an der Studie. Bei allen Patienten han­delte es sich um die Ersttherapie des Typ-2-Diabetes. Der HbA1c musste zwischen 6,5 und 7,5 % liegen.

Die Hälfte der Patienten wurde von Beginn an mit einer Kombination aus Metformin (in einer Dosis von 1000 mg bis 2000 mg pro Tag) plus Vildagliptin in einer Dosis von 50 mg 2-mal täglich behandelt. Die übrigen Patienten erhielten nur Metformin plus Placebos (anstelle von Vildagliptin). Der primäre Wirksamkeitsendpunkt war die Dauer bis zum Versagen der Behandlung, definiert als ein HbA1c-Anstieg auf 7,0 % – gemessen an 2 aufeinanderfolgenden Kontrollen im Abstand von 13 Wochen.

Kombination mit DPP-4-Inhibitors Vildagliptin erzielt niedrigere HbA1c-Werte

Dieser Zeitpunkt wurde unter der Monotherapie nach durchschnittlich 36,1 Monaten erreicht. In der Kombinationsgruppe ist dieser Zeitpunkt noch nicht bekannt, da mehr als die Hälfte der Patienten (62,1 %) auch beim Ende der Studie nach 5 Jahren noch einen HbA1c von unter 7 % hatte. Unter der Monotherapie waren es nur 43,6 %. David Matthews von der Universität Oxford und Mitarbeiter ermittelten eine Hazard Ratio von 0,51, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,45 bis 0,58 signifikant war.

Dass die initiale Kombination niedrigere HbA1c-Werte erzielt, war im Prinzip zu erwarten gewesen, schließlich hatten die Patienten 2 statt ein blutzuckersenkendes Medikament erhalten. Eine wichtige Frage lautet nun, ob die besseren HbA1c-Werte sich langfristig günstig auf die Häufigkeit von Spätkomplikationen auswirken werden. In der Studie wurde dies nicht untersucht.

Ein Vorteil für die Patienten könnte darin bestehen, dass die frühzeitige Kombination auch in der zweiten Phase der Studie, in der alle Patienten beide Wirkstoffe erhielten, das relative Risiko auf einen Verlust der Blutzuckerkontrolle um 26 % verminderte. Die Hazard Ratio von 0,74 war auch hier mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,63 bis 0,86 hoch signifikant. Die initiale Kombinationsbehandlung könnte deshalb die Patienten länger in einem HbA1c-Bereich halten, in dem die Patienten ohne Insulin auskommen. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Freitag, 20. September 2019, 20:05

Insulinresistenz durch eine Eiweißlastige Ernährung?

Während man auf medizinischen Internetplattformen zu lesen kriegt, dass ein exzessiver Konsum bei den Kohlehydraten als Ursache für die Insulinresistenz gelte (wobei in unmittelbarer Nähe darauf hingewiesen wird, dass es die genauen Mechanismen noch zu erforschen gelte, ist auf der Seite http://www.dr-schnitzer.de/diabetes-studie-einfuehrung.html etwas Interessantes zu erfahren: Dieser Autor schreibt, dass ab 1972 auf der Grundlage von Studien herauszufinden gewesen sein würde, dass eine zu hohe Eiweißzufuhr die korrekte Steuerung des Blutzuckerspiegels erschwere.
Avatar #596256
Blankenfeld
am Freitag, 20. September 2019, 19:41

Irreführender Titel

Wieder mal (2019) eine Studie, die einen Surrogatparameter untersucht und das eigentlich interessante offen lässt: Lassen sich Spätkomplikationen verhindern?
Warum dürfen solche Studien überhaupt laufen, ist das nicht verschwendete(s) Zeit und Geld?
Für die Pharma natürlich nicht, denn nun kann man die wenig sinnvollen Gliptine wieder ein bisschen bewerben...
Solche Surrogatstudien sind nicht zeitgemäß und bringen uns nicht weiter.
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Oktober 2019
Charlottesville– Ein hybrides künstliches Pankreas, das die Dosis des Basalinsulins automatisch dem kontinuierlich bestimmten Blutzucker anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle bei Diabetes Typ 1
18. Oktober 2019
Amsterdam – Schwere Hypoglykämien können künftig mit einem Nasenspray behandelt werden. Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat heute eine
Nasenspray behandelt schwere Hypoglykämien injektionsfrei
17. Oktober 2019
Berlin – Psychische Störungen treten bei Menschen mit Diabetes häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gleichzeitig stellten komorbide psychische Störungen eine Behandlungsbarriere dar,
Komorbide psychische Störungen bei Diabetikern häufig
17. Oktober 2019
New York – Frauen, die ihr Kind längere Zeit stillen, erkranken im späteren Leben seltener an einem Typ-2-Diabetes oder an einer arteriellen Hypertonie. Zu diesem Ergebnis kommt eine Meta-Analyse in
Lange Stillzeit schützt Frauen vor Diabetes und Hypertonie
16. Oktober 2019
Stuttgart – Der Ärzteverband Medi Baden-Württemberg und die DAK-Gesundheit haben einen neuen Facharztvertrag geschlossen, der die Versorgung von Diabetikern (Typ 1 und 2) verbessern soll. Ärzte können
Neuer Facharztvertrag zur Diabetesversorgung in Baden-Württemberg
16. Oktober 2019
Berlin – Für Eltern mit an Diabetes erkrankten Kindern gibt es nicht genug psychosoziale Hilfen. Darauf haben Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) im Vorfeld der morgigen Tagung
Psychosoziale Betreuung von Diabetikern verbesserungsbedürftig
15. Oktober 2019
München – An der bayernweiten „Fr1da“-Studie zur Früherkennung von Typ-1-Diabetes haben 100.000 Kinder teilgenommen. Das teilte heute das Ge­sund­heits­mi­nis­terin in Bayern mit. Die Studie wird dem
VG WortLNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER