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Medizin

Entspannung nach Schlaganfall führt in Studie zu weniger Stürzen als Laufband-Training

Montag, 23. September 2019

/peterschreiber.media, stockadobecom

Greifswald – Ein gezieltes Laufband-Training hat Patienten in der subakuten Phase nach einem Schlaganfall in einer randomisierten Studie wider Erwarten nicht geholfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen. Es kam laut der Publikation im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2019; doi: 10.1136/bmj.l5101) in den folgenden Monaten zu mehr Stürzen als in einer Vergleichsgruppe, der ein Entspannungstraining angeboten wurde.

Patienten müssen nach einem Schlaganfall verloren gegangene Fähigkeiten wieder neu erlernen. In der Anschlussheilbehandlung wird ihnen deshalb eine intensive Physio- und Ergotherapie angeboten. Ob die Behandlung tatsächlich immer die Rehabilitation der Patienten fördert, ist wenig untersucht. Eine frühere US-Studie (LEAPS) hatte für ein intensives Training keine Vorteile gegenüber häuslichen Übungen aufzeigen können (NEJM 2011; 364: 2026-36). Eine in der Folge an 7 Reha-Einrichtungen in Deutschland durch­geführte Studie kommt jetzt zu ähnlichen Ergebnissen.

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An der PHYS-STROKE-Studie („Physical Fitness Training in Patients with Subacute Stroke“) hatten in den Jahren 2013 bis 2017 insgesamt 200 erwachsene Patienten mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren teilgenommen, deren Schlaganfall 5 bis 45 Tage zurücklag. Die Patienten wurden auf ein aerobes Laufband-Training oder auf eine Kontrollgruppe randomisiert, in der Entspannungsübungen angeboten wurden. Jede Gruppe absolvierte das jeweilige Training 5-mal wöchentlich, jeweils 25 Minuten, über insgesamt 4 Wochen.

Die primären Endpunkte der Studie waren die Verbesserung nach 3 Monaten in der Gehgeschwindigkeit auf einer 10-Meter-Strecke und im Barthel-Index. In beiden Endpunkten gab es, wie das Team um Prof. Agnes Flöel von der Neurologischen Klinik an der Universitätsmedizin Greifswald berichtet, keine signifikanten Unterschiede. Die Patienten, die am Laufband trainiert hatten, verbesserten ihre Ganggeschwindigkeit um 0,4 Meter/Sekunde. Die Teilnehmer der Entspannungsgruppe waren um 0,3 Meter/Sekunde schneller. Ein Vorteil von 0,1 Meter/Sekunde wäre zwar klinisch relevant gewesen. Doch die Differenz von 0,1 Meter/Sekunde war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,0 bis 0,2 Meter/Sekunde nicht signifikant.

Auch im Barthel-Index, der die Alltagsfunktionen mit maximal 100 Punkten bewertet, gab es keine Unterschiede. In beiden Gruppen kam es zu einer durchschnittlichen Verbesserung um 30 Punkte. Wie in der US-Studie, in der die Teilnehmer nach dem Laufband-Training häufiger über Benommenheit und Schwindelgefühle geklagt hatten, kam es in der PHYS-STROKE-Studie nach dem aeroben Training häufiger zu Komplikationen. 38 von 105 Patienten aus der Laufband-Gruppe berichteten über Stürze. In der Kontrollgruppe waren es nur 14 von 95 Teilnehmern (relative Inzidenz 2,34; 1,26 bis 4,34). Es kam in der Fitnessgruppe auch tendenziell häufiger zu erneuten Schlaganfällen (8 versus 3 Fälle, relative Inzidenz 2,41; 0,64 bis 9,10).

Die Forscher raten aufgrund der Ergebnisse, bei mittel bis schwer betroffenen Patienten in der subakuten Phase nach dem Schlaganfall das aerobe Training nicht zu forcieren. Möglicherweise könnten aber leichter betroffene Patienten schon früher profitieren. Diese Frage müsse jedoch in künftigen Studien überprüft werden.

Eine weitere US-Studie kam kürzlich zu einem anderen Ergebnis. Reha-Mediziner aus Chicago konnten mit einem intensiven Gehtraining, das die Bedingungen im Alltag der Patienten besser nachahmen soll, die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten verbessern. Aber auch in dieser Studie kam es unter dem intensiven Training häufiger zu Schwindelgefühlen oder Synkopen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 24. September 2019, 09:14

Unbrauchbare Studie - Irreführung im Titel

Diese Studie ist m.E. wissenschafts- und erkenntnistheoretisch vollkommener Quatsch!

Selbst im Titel ist irreführend ausschließlich von "Physical Fitness Training" und nicht von "Relaxation Session" als Vergleichsgruppe die Rede. Das haben das wissenschaftlich erlauchte Autorenteam und die BMJ-Redaktion offenbar völlig übersehen.

Jeder, der über ein Minimum an bio-psycho-sozial-rehabilitativer Kompetenz und Intelligenz verfügt, erkennt auf den ersten Blick, dass nur die K o m b i n a t i o n beider Grundelemente zu optimalen Ergebnissen führen kann; und nicht die Konfrontation bzw. Konkurrenz.

Titel: "Physical Fitness Training in Patients with Subacute Stroke (PHYS-STROKE): multicentre, randomised controlled, endpoint blinded trial BMJ 2019; 366 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.l5101 (Published 18 September 2019)". Aus den Schlussfolgerungen dagegen im Wortlaut: "Conclusions Among moderately to severely affected adults with subacute stroke, aerobic bodyweight supported, treadmill based physical fitness training was not superior to relaxation sessions for maximal walking speed and Barthel index score but did suggest higher rates of adverse events... "

Mf+kG, Dr. med. Thomas g. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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