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Psychotherapeuten: Gesundheits-Apps auf Wirksamkeit überprüfen

Freitag, 20. September 2019

/antgor, stockadobecom

Berlin – Gesundheits-Apps können die Versorgung psychisch kranker Menschen ergänzen – sie sollten in der Behandlung aber nur eingesetzt werden, wenn sie auf ihre Wirksam­keit überprüft wurden. Das hat heute die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK) vor der Presse in Berlin angemahnt.

„Digitale Programme für psychisch kranke Menschen müssen Daten­sicherheit und techni­sche Funktionalität sicherstellen, vor allem aber dürfen sie Patienten nicht gefährden. Eine App, die nicht wirkt, ist bei psychisch kranken Menschen nicht einfach nur überflüss­ig, sondern sogar schädlich“, erklärte Dietrich Munz, Präsident der BPtK.

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Die BPtK fordert deshalb, dass der Hersteller einer Gesundheits-App, womit internet- und mobilbasierte Interventionen gemeint sind, die Wirksamkeit nachweisen muss. Diese sollte durch klinische Studien mit Kon­trollgruppen geschehen.

Mit dem Digitale-Versorgungsgesetz (DVG), das am 27. September in erster Lesung im Bundestag beraten werden soll, plant Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) unter ande­rem, digitalen Gesundheitsanwendungen den Weg in die Versorgung zu ermögli­chen.

Der Gesetzentwurf enthält Regelungen, wie Ärzte und Psychotherapeuten ihren Patienten künftig Gesundheits-Apps verschreiben können. Sie sollen aber auch ohne Rezept, zum Teil direkt über die Krankenkassen zu erhalten sein. Vorgesehen ist auch, dass das Bun­des­­institut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Apps prüfen und in ein „Verzeichnis für digi­tale Gesundheitsanwendungen“ aufnehmen soll.

Intensivierung von psychotherapeutischen Behandlungen

Durch Gesundheits-Apps lassen sich nach Angaben der BPtK psychotherapeutische Be­handlungen intensivieren, indem Ärzte oder Psychotherapeuten sie gezielt einsetzen, um beispielsweise die Bewältigung angstauslösender Situationen wirksamer üben zu können.

Sie könnten das psychotherapeutische Angebot auch erweitern, weil sie zwischen den Ge­­­sprächsterminen zusätzliche Behandlungseinheiten oder Übungen auch ohne den Psychotherapeuten ermöglichen. Einige Patienten können so mit Unterstützung einer App allein an ihren Beschwerden arbeiten. Gesundheits-Apps können darüber hinaus genutzt werden, um psychische Erkrankungen zu vermeiden oder Rückfällen vorzubeugen.

Insbesondere für Diagnose, Indikationsstellung und Aufklärung ist nach Ansicht des BPtK-Präsidenten das unmittelbare Gespräch von Arzt/Psychotherapeut und Patient von Angesicht zu Angesicht erforderlich.

Programme für psychische Erkrankungen sollten ausschließlich durch Psychotherapeuten und Ärzte verordnet werden. Eine fachgerechte Diagnostik könne weder durch die App selbst noch durch Krankenkassen erfolgen. „Die Servicehotlines und Berater von Kranken­kassen sind nicht in der Lage, beim einzelnen Patienten die Risiken einer Gesundheits-App einzuschätzen“, betonte Munz.

Patienten können Gesundheits-Apps auch nutzen, um psychischen Erkrankungen vorzu­beu­gen. Damit dies insbesondere Patienten tun, bei denen das aufgrund von individu­ellen Risikofaktoren angebracht ist, sollten Psychotherapeuten und Ärzte präventive An­gebote gezielt empfehlen, fordert die Bundes­psycho­therapeuten­kammer.

Dies wäre insbesondere in der psychotherapeutischen Sprechstunde sinnvoll. „Rund 40 Prozent der Patienten, die in eine psychotherapeutische Sprechstunde kommen, benöti­gen anschließend keine Behandlung. Oft haben sie aber psychische Beschwerden, bei de­nen präventive Angebote ratsam wären“, erläuterte Munz.

Transparentes Online-Verzeichnis gefordert

Darüberhinaus wünscht sich die BPtK, dass Gesundheits-Apps, die als wirksam und sicher über­prüft wurden, für Patienten, Psychotherapeuten und Ärzte in einem Online-Verzeich­nis nachzuschlagen werden können.

Die Apps sollten allen Versicherten der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung verordnet wer­den können und nicht nur, wie jetzt noch häufig, den Versicherten einzelner Kranken­kas­sen zur Verfügung stehen. Außerdem sollten die Versicherten einen Leistungsanspruch auf wirksame und sichere Gesundheits-Apps haben, sodass die Krankenkassen die Kosten für diese Gesundheits-Apps übernehmen müssen. © PB/aerzteblatt.de

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