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Krebsberatung soll von Krankenkassen finanziert werden

Montag, 23. September 2019

/RFBSIP, stockadobecom

Berlin – Ambulante Krebsberatungsstellen sollen künftig von der gesetzlichen Kranken­versicherung (GKV) finanziert werden. Das geht aus dem „Änderungsantrag 22“ der Frak­tio­nen von Union und SPD zur Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung hervor, das am kommenden Donnerstag (26. September) vom Bundestag verabschiedet werden soll. Übermorgen soll der Antrag, über den das Deutsche Ärzteblatt bereits im Mai be­rich­tet hatte, im Gesundheitsausschuss des Bundestags beraten werden.

Der Antrag sieht eine Fördersumme von jährlich bis zu 21 Millionen Euro vor. Die private Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) soll sich mit einem Anteil von sieben Prozent an der Förde­rung be­teiligen, wie es heißt. Die Förderung soll ab dem 1. Juli 2020 rückwirkend für den 1. Januar 2020 gel­ten. Ab 2023 soll die Fördersumme ansteigen.

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Die Beratungsleistungen der ambulante Krebsberatungsstellen beziehen sich Union und SPD zufolge auf soziale, sozialrechtli­che und psychologische Fragen und Probleme, die im Rahmen einer Krebserkrankung auf­treten. Aufgrund der psychosozialen Zielsetzung gehöre die ambulante psychosoziale Beratung bislang grundsätzlich nicht zum Leistungs­umfang von GKV und PKV. Bisher finanzieren sich die Krebsbera­tungs­stellen daher im Wesentlichen durch Spendeneinnahmen, projektbezogene Förderungen und freiwilligen Zahlungen verschiedener Kostenträger.

Gefördert werden sollen dem Antrag zufolge künftig ambulante Krebsberatungsstellen, soweit sie an Krebs erkrankten Personen und ihren Angehörigen psychoonkologische Beratung und Unterstützung anbieten. Der GKV-Spitzenverband soll bis zum 1. Juli 2020 Grund­sät­ze zu den Voraussetzungen und zum Verfahren der Förderung bestimmen und mit der privaten Kran­ken­ver­siche­rung abstimmen.

Niedrigschwellige beratung

„An Krebs erkrankte Menschen benötigen vielfach Hilfe, die über die körperliche Behand­lung ihrer Erkrankung hinausgeht“, heißt es in der Begründung zum Antrag. So wiesen rund die Hälfte der Betroffenen und ihrer Angehörigen „erhebliche psychosoziale Belas­tungen auf, die unter Umständen eine entsprechende ambulante psychosoziale Krebs­be­ra­tung erforderlich machen“. Diese könne helfen, die Schwierigkeiten bei der Bewälti­gung der Krebserkrankung zu mindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Ambulante psychosoziale Krebsberatungsstellen bieten den Betroffenen aus Sicht von Union und SPD eine „niedrigschwellige, in der Regel unentgeltliche psychosoziale Bera­tung an“. Damit werde auch eine Lotsenfunktion bei der Vermittlung und Erschließung weiterführender Leistungsangebote erfüllt.

Zur Sicherung einer dauerhaften Versorgung sei es „sachgerecht, dass die GKV und PKV eine Finanzierungsverantwortung für diejenigen Leistungsanteile der ambulanten psy­cho­sozialen Krebsberatung übernehmen, die ihrem Aufgabenbereich zuzuordnen sind“. Dies betreffe die Beratung mit psychologischer Schwerpunktsetzung und psychoonkolo­gische Krisenintervention.

Der Antrag beruft sich bei der Höhe der Summe auf eine Bestandserhebung des Univer­si­tätsklinikums Hamburg-Eppendorf im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Darin wird davon ausgegangen, dass diese psychologischen und psychoonkologischen Leistungsanteile rund 35 bis 40 Prozent des Leistungsumfangs der Krebsberatungsstellen umfassen und somit dem Verantwortungsbereich der GKV und PKV zugerechnet werden können.

Unter Zugrundelegung der in der Studie projizierten Gesamtkosten für die ambulante psychosoziale Krebsberatung von 44 bis 52 Millionen Euro, die zur Versorgungsdeckung notwendig wären, betrage der Kostenanteil der GKV und PKV, einschließlich anteiliger In­frastrukturkosten, demnach rund 21 Millionen Euro, heißt es in der Begrün­dung zum Antrag.

Mit der Finanzierung dieser Angebote sowie der entsprechenden Betriebskostenanteile leiste die GKV und die PKV einen „wichtigen Beitrag für eine dauerhafte Erhaltung der am­bulanten psychosozialen Krebsberatungsstellen“. „In den Beratungsstellen finden Krebs­kranke schnell Antworten auf ihre Fragen und ein offenes Ohr“, sagte Bundesge­sund­heitsminister Jens Spahn (CDU) der Bild. Die Kranken­versicherungen müssten diese Beratung in Zukunft endlich mitfinanzieren. © may/afp/aerzteblatt.de

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