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Ausland

Kongo führt zweiten Impfstoff gegen Ebola ein

Montag, 23. September 2019

/dpa

Genf – Die Demokratische Republik Kongo will nächsten Monat einen zweiten Impfstoff gegen Ebola einführen. Ab Mitte Oktober komme ein experimenteller Impfstoff des US-Konzerns Johnson & Johnson zum Einsatz, teilte die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) heute mit. Kurz zuvor hatte die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) der WHO vor­geworfen, den bislang verfügbaren Ebola-Impfstoff in dem zentralafrikanischen Staat zu rationieren.

Mit dem zweiten Impfstoff haben wir „potenziell ein zusätzliches Mittel“, um die Ausbrei­tung der Epidemie zu verhindern, erklärte die WHO-Regionaldirektorin für Afrika, Matshi­diso Moeti. Er werde nach genauen Vorgaben in gefährdeten Gebieten eingesetzt, in de­nen es noch keinen Ebolafall gebe.

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Mehr als 223.000 Menschen waren seit Anfang August 2018 mit einem Impfstoff des Pharmakonzerns Merck geimpft worden. Die WHO hatte auf die Einführung eines zweiten Impfstoffs gedrängt. Der Ge­sund­heits­mi­nis­ter der Demokratischen Republik Kongo, Oly Ilunga, hatte dies je­doch abgelehnt. Es sei riskant, in Gemeinden ein neues Mittel einzuführen, in denen den Notfallhelfern ohnehin mit Misstrauen begegnet werde. Ilunga trat jedoch Ende Juli zu­rück, nachdem er als Leiter des landesweiten Programms zur Ebolabekämpfung abgelöst worden war.

Ärzte ohne Grenzen hatte die bisher erreichte Impfquote als „in hohem Maße unzurei­chend“ kritisiert und der WHO vorgeworfen, die Impfdosen strikt zu limitieren. Es werde viel zu langsam geimpft, und nur ein Bruchteil der betroffenen Bevölkerung profitiere da­von, erklärte die Organisation heute. Die Gründe für die Einschränkungen seien unklar, erklärte MSF weiter. Der Impfstoff von Merck habe „seine Sicherheit und Wirksamkeit unter Beweis gestellt“.

WHO weist Vorwürfe zurück

Einen Mangel an dem Arzneimittel schloss MSF als Grund aus. Merck habe erklärt, dass zusätzlich zu den bereits an die WHO gelieferten 245.000 Impfdosen bei Bedarf 190.000 weitere Dosen verschickt werden könnten. In den nächsten sechs bis 18 Monaten könn­ten weitere 650.000 Impfdosen geliefert werden, hieß es.

Bis zu 2.500 Menschen könnten demnach täglich geimpft werden statt wie derzeit bis zu 1.000 Menschen, sagte Isabelle Defourny von MSF. Die Organisation forderte ein unab­hängiges internationales Komitee, um ein transparentes Management der Impfpro­gram­me zu gewährleisten.

Die WHO hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Sie tue „alles ihr Mögliche“, um die Epide­mie zu beenden, teilte die UN-Organisation mit. Sie arbeite eng mit der Regierung des Kongo zusammen, um so viele Gemeinden und Menschen wie möglich in den betroffenen Gebieten zu erreichen.

Seit dem Beginn der Epidemie im Kongo vor einem Jahr meldeten die Behörden mehr als 3.100 Ebola-Fälle, über 2.100 Menschen starben demnach an dem Virus. Die Epidemie war am 1. August 2018 ausgebrochen. Es ist bereits die zehnte in dem Land. Betroffen ist vor allem der Osten des Kongo. Im Juli hatte die WHO wegen der Ebolaepidemie im Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen.

Unterdessen sorgt sich die WHO auch um Gerüchte aus Tansania. Die WHO warf dem Land vor, Informationen über Ebolaverdachtsfälle zurückzuhalten. So habe die WHO erfahren, dass womöglich mehrere Menschen in dem ostafrikanischen Land an dem Virus erkrankt seien. „Trotz mehrerer Anfragen hat die WHO von den tansanischen Behörden keine weiteren Einzelheiten zu einem dieser Fälle erhalten“, erklärte die WHO.

Die WHO erfuhr nach eigenen Angaben am 10. September von einem Patienten in Daressalam, der positiv auf das Virus getestet worden sei. In der vergangenen Woche sei sie darüber informiert worden, dass Menschen aus dem Umfeld des Patienten nun auch im Krankenhaus behandelt würden. Zwei weitere Verdachtsfälle seien der Organisation inoffiziell gemeldet worden. Tansanische Behörden hingegen erklärten Mitte September, es gebe keine Ebolaerkrank­ten in dem Land. Laut WHO lehnten sie jedoch „zusätzliche Bestätigungstests“ in einem Zentrum der Welt­gesund­heits­organi­sation ab.

Die WHO kritisierte, dass der Informationsmangel die Bemühungen zur Eindämmung der Ausbreitung des tödlichen Virus behindere. Da der potenziell erkrankte Patient zuvor viel gereist war, sei „das Risiko auf nationaler Ebene als sehr hoch eingeschätzt“ worden. Sollten sich die Verdachtsfälle bestätigen, würde es sich laut WHO um die ersten offiziellen Ebolaerkrankungen in Tansania handeln.

Ostafrikanische Länder sind wegen des Ebolaausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo in Alarmbereitschaft. In Uganda starben vier Menschen. Zwischen 2014 und 2016 waren bei der schlimmsten Ebolawelle der Geschichte in Guinea, Sierra Leone und Liberia mehr als 11.000 Menschen gestorben.

Das Ebolavirus wurde erstmals 1976 im Norden der Demokratischen Republik Kongo registriert und ist nach einem dortigen Fluss benannt. Die Betroffenen leiden an Fieber, Muskelschmerzen, Durchfall sowie in an inneren Blutungen und schließlich Organver­sag­en. Die Krankheit endet laut WHO je nach Virenstamm in 25 bis 90 Prozent der Fälle tödlich. Übertragen wird das Virus durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten Infizierter. Ein wirksames Heilmittel gibt es bislang nicht. © afp/kna/aerzteblatt.de

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