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Ausland

Pariser Prozess rollt Skandal um Diabetesmedikament auf

Montag, 23. September 2019

/picture alliance, Fred Tanneau, AFP

Paris – In Paris hat mit mehr als 100 Zeugen, 376 Anwälten und fast 2.700 Opfern als Ne­benkläger ein Prozess um das ehemalige Diabetesmedikament Mediator begonnen. Zwölf Beschuldig­te müssen sich bis Ende April 2020 vor Gericht verantworten. ­Zudem müssen elf Organi­sa­tionen oder Unternehmen auftreten, darunter der Hersteller Servier und die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit (ANSM), wie französische Medien heute be­richteten.

Die Vorwürfe reichen von schwerem Betrug bis hin zu fahrlässiger Tötung. Das Arznei­mittel des Pharmakonzerns Servier könnten allein in Frankreich den Tod von mindestens 500 Pa­tien­ten verursacht haben. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Aufsichtsbehör­de für Medikamentensicherheit zu Beginn des Jahrzehnts. Rechtsexperten würden inzwi­schen die Zahl von 1.500 bis 2.100 Toten nennen, berichtete die Tageszeitung Le Monde.

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Das Mittel soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben. Mediator ist seit rund zehn Jahren in Frankreich nicht mehr auf dem Markt, in Deutschland wurde das Medikament nicht verkauft.

„Wir warten darauf, dass ein Strafrichter über die Vergehen entscheidet, die Servier vorge­worfen werden“, sagte die aus der Bretagne stammende Fachärztin Irène Frachon dem Sender BFMTV. Die auf Lungenkrankheiten spezialisierte Ärztin trug wesentlich dazu bei, den Gesundheitsskandal aufzudecken. Sie verglich im Hospital Krankenakten und stellte die Verbindung zwischen bestimmten Krankheiten und dem Medikament her, das 33 Jah­re auf dem Markt war.

Servier weist die Betrugsvorwürfe zurück. „Das Pharmaunternehmen Servier hat niemals seine Patienten betrogen“, sagte einer der Anwälte des Konzerns, François de Castro, laut Tageszeitung La Croix. Das Unternehmen beschäftigt in der ganzen Welt 22.000 Mitarbei­ter und macht einen Milliardenumsatz.

Beim Auftakt ging es in erster Linie um die Organisation des riesigen Prozesses. Eine zen­trale Figur, der Gründer des Pharmakonzerns Jacques Servier, kann sich nicht mehr ver­ant­worten – er starb vor gut fünf Jahren im Alter von 92 Jahren.

Der Pharmahersteller Servier hatte Mediator Mitte der 1970er-Jahre als Diabetesmedika­ment auf den Markt gebracht. Es wurde jedoch auch häufig Übergewichtigen als Hunger­zügler verschrieben. Schätzungen zufolge nahmen etwa fünf Millionen Menschen das Mittel ein.

Die Behörde für Arzneimittelsicherheit erinnerte daran, dass sie nach Enthüllung des Skan­dals 2011 umgebaut und umbenannt wurde. Es gebe nun strikte Regeln, um die Un­abhängigkeit zu gewährleisten. Und es werde kein Geld von der Industrie angenommen. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 29. September 2019, 20:33

Mediator

war wohl eher vergleichbar mit dem guten alten Preludin, daher auch die mögliche tödliche Nebenwirkung "pulmonale Hypertonie", Myokardfibrosen und Klappenschäden.
Wie Fenfluramin bzw Dexfenfluramin ist der Stoff mit Amphetaminen verwandt, es ist anzunehmen, dass die Substanz auch missbräuchlich, also in mehrfach überhöhter Dosis, eingenommen wurde.
Avatar #555822
j.g.
am Freitag, 27. September 2019, 23:43

die Redaktion ist offenbar so überlastet,

daß sie nicht mitzuteilen vermag, um welchen Stoff es sich handelt: Benfluorex. ein Antiadiposum.
LNS

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