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Politik

Eigenanteile für Pflegeheimbewohner steigen weiter

Dienstag, 24. September 2019

/dpa

Berlin – Pflegebedürftige müssen für einen Heimplatz immer mehr aus eigener Tasche dazu bezahlen. Die Eigenbeteiligung stieg weiter und lag mit Stand 1. September im Bundes­schnitt bei knapp 1.930 Euro. Das waren gut 110 Euro mehr als zum 1. Oktober 2018, wie eine Auswertung der Pflegedatenbank des Verbandes der privaten Krankenver­sicherung (PKV) ergab. Dabei gibt es weiterhin regionale Unterschiede. Zuerst berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bundesweit am höchsten sind die selbst zu zahlenden Beiträge weiter in Nordrhein-West­falen mit nun 2.406 Euro – am 1. Oktober 2018 waren es noch 2.309 Euro. Enthalten sind Kosten für die eigentliche Pflege sowie für Investitionen, Unterkunft und Verpflegung. Danach folgen das Saarland mit 2.301 (2.178) Euro und Baden-Württemberg mit 2.250 (2.116) Euro.

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Im Mittelfeld liegen Berlin mit 1.931 (1.856) Euro, Hessen mit 1.936 (1.783) Euro und Brandenburg mit 1.646 (1.527) Euro. Am preiswertesten sind Heimplätze derzeit in Meck­lenburg-Vorpommern, wo 1.346 (1.238) Euro selbst bezahlt werden müssen.

Die Pflege­datenbank der PKV enthält Informationen von mehr als 11.000 der etwa 13.000 Pflegeheimen in Deutschland. Pflegebedürftige müssen einen Eigenanteil für die eigentliche Pflege leisten, weil die Pflegeversicherung – anders als die gesetzliche Kran­kenversicherung (GKV) – nur einen Teil der Kosten trägt. Dass die Belastungen unter­schied­lich hoch sind, erklären Experten auch mit regional unterschiedlichen Löhnen und Vorgaben für die Personalausstattung.

Bisher werden oft Kinder zur Kasse gebeten, wenn Pflegebedürftige die Heimkosten nicht bezahlen können. Zwar springt zunächst das Sozialamt ein. Aber in vielen Fällen holt sich die Behörde das Geld zumindest teilweise von Angehörigen zurück. Dies soll sich bald ändern. Nur wer mehr als 100.000 Euro brutto im Jahr verdient, soll nach den Plänen der Bundesregierung in Zukunft noch finanziell herangezogen werden.

Über steigende Belastungen für Pflegeheimbewohner und Angehörige wird seit längerem diskutiert – gerade vor dem Hintergrund, dass Löhne für dringend gesuchte Pflegekräfte steigen und weiter steigen sollen.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatte im März beim Deutschen Pflegetag gesagt, für zusätzliche Pflegekräfte und bessere Bezah­lung fielen Mehrkosten an. Zu sa­gen, dies wirke sich nicht auf die Eigenanteile aus, wäre unrealistisch. Er kündigte zuletzt eine Reform der Pflegeversicherung an. Die SPD fordert, Eigenanteile für pflegebedingte Kosten zu begrenzen und langfristig zu streichen.

Kordula Schulz-Asche, Sprecherin für Alten- und Pflegepolitik der Grünen, bezeichnete es heute als „fatal“ wie sich die Eigenanteile der pflegebedürftigen Menschen entwickeln. Die Grünen sprechen sich für eine doppelte Pflegegarantie aus, mit der die Eigenanteile sofort gesenkt und nachhaltig gedeckelt werden sollten. Darüber hinaus wolle man den Eigenanteil für die pflegebedürftigen Menschen festschreiben, sodass die Pflegeversiche­rung zukünftig alle pflegebedingten Kostensteigerungen übernimmt.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband forderte einen „Pflegedeckel“, der die Eigenanteile zur Finanzierung der Pflege auf maximal 15 Prozent der Kosten begrenzt. „Es ist höchste Zeit, dass aus dem Festzuschuss der Pflegekasse eine verlässliche Versicherung wird“, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hatte gefordert, dass die Pflegeversicherung alle Pflegekosten übernimmt. Zusätzlichen Aufwand für Unterbringung, Verpflegung und Investitionen zahle dann weiter jeder selbst. © kna/aerzteblatt.de

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