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Ausland

Wutrede beim Klimagipfel

Montag, 23. September 2019

Greta Thunberg /picture alliance, TT NEWS AGENCY

New York – In einer hoch emotionalen Wutrede beim Klimagipfel in New York hat die Klima-Aktivistin Greta Thunberg den Staats- und Regierungschefs mangelnde Handlungs­bereit­schaft vorgeworfen. Sie warf den Politikern vor, sie seien immer noch nicht reif ge­nug zu sehen, wie ernst die Lage sei. „Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer an­haltenden wirtschaftli­chen Wachstum – wie könnt Ihr es wagen?“, fragte sie.

Im Publikum saßen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, der französische Präsident Em­manuel Macron und zahlreiche weitere Staats- und Regierungschefs. Überraschend nahm auch US-Präsident Donald Trump teil. Er kam aber zu spät und verpasste Thunbergs Rede – und er blieb auch nur wenige Minuten. Trump gilt als mächtigster Bremser beim Kampf gegen den Klimawandel. Nach seinem Amtsantritt hatte er den Ausstieg aus dem zentra­len Pariser UN-Klimaabkommen verkündet – und das als Staatschef des Landes mit dem zweithöchsten Ausstoß von klimaschädlichen Gasen.

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Thunberg ist die Initiatorin der Jugendbewegung „Fridays for Future“, die vergangene Woche weltweit Millionen Menschen zu einem Klimastreik auf die Straße gebracht hat. Merkel traf Thunberg vor Beginn des Gipfels. In ihrer Rede sagte sie zu ihrer Bewegung: „Wir alle haben den Weckruf der Jugend gehört.“ Die Kanzlerin rief dazu auf, den Rat­schlä­­gen der Wissen­schaft zu folgen. Das Klimapaket, dass die Bundesregierung in der vergangenen Woche nach hartem Ringen beschlossen hat, wird aber auch von Wissen­schaftlern als zu zaghaft kritisiert.

„Die Industriestaaten sind die Verursacher dieser Erderwärmung“, sagte Merkel. Die Ent­wicklungsländer seien dagegen die Hauptleidtragenden. „Deshalb haben wir als Vertreter der Industrieländer die Pflicht, Innovation, Technologie und Geld einzusetzen, um die Weg zu ebnen, um die Erderwärmung zu stoppen.“

Auch UN-Generalsekretär António Guterres rief eindringlich zum Kampf gegen die schnell voranschreitende Erderwärmung auf. „Wenn wir nicht dringend unseren Lebensstil än­dern, setzen wir das Leben selbst aufs Spiel“, sagte er. Das Rennen gegen den Klimawan­del könne gewonnen werden. „Die Zeit ist knapp, aber es ist noch nicht zu spät.“

Schon vor dem Gipfel sagten die Teilnehmerstaaten konkrete Maßnahmen zu. 66 Länder, zehn Regionen, 102 Städte und 93 Konzerne verpflichteten sich zur Klimaneutralität bis 2050. Unter dem Strich wollen sie dann also keine klimaschädlichen Treibhausgase mehr ausstoßen. Merkel hat dieses Ziel auch für Deutschland ausgerufen.

„Das ist kein Klimagipfel der Reden. Wir haben genug geredet“, sagte Guterres. „Das ist kein Klimagipfel der Verhandlungen. Man verhandelt nicht mit der Natur. Das ist ein Klimagipfel der Taten.“ Nach seinen Angaben haben 59 Staaten zugesichert, ehrgeizigere Pläne für den Klimaschutz vorzulegen. Nach dem Pariser UN-Klimaabkommen von 2015 sollten das allerdings bis 2020 eigentlich alle Unterzeichner machen. Bisher sind es nur etwa ein Drittel.

Guterres hat den Gipfel einberufen, um die Dringlichkeit des Kampfes gegen den Klima­wandel zu verdeutlichen. Die Welt hinkt weit hinter den Zielen des Pariser Abkommens von 2015 hinterher. Ziel ist es, die Erderhitzung auf deutlich unter 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen, möglichst auf 1,5 Grad.

„Wir stehen am Anfang eines Massenaussterbens und alles, worüber Ihr reden könnt, ist Geld und die Märchen von einem für immer an­haltenden wirtschaftli­chen Wachstum – wie könnt Ihr es wagen?“Greta Thunberg

Wenn man alles zusammennimmt, was die Staaten bisher zugesagt haben, steuert der Planet aber mit hoher Wahrscheinlichkeit auf rund 3 Grad zu. Das hat katastrophale Fol­gen, die jetzt schon in vielen Weltregionen sehr deutlich zu spüren sind, zum Beispiel durch den steigenden Meeresspiegel und die Zunahme extremer Wetterphänomene wie Wirbelstürme.

Rederecht erhielten bei dem Gipfel nur Länder mit konkreten Plänen, darunter große Wirtschaftsmächte wie Deutschland, Frankreich, Indien oder die Türkei. Aber auch kleine Staaten, die wenig für den Klimawandel können, aber besonders stark unter ihm leiden, erhielten das Wort: die Marshallinseln, die Seychellen, Jamaika oder auch Tonga standen auf der Liste. Neben den USA erhielten Klimasünder wie Brasilien, Südkorea, Japan, Saudi-Arabien und Australien kein Rederecht. © dpa/aerzteblatt.de

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