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Ermittler finden toxischen Stoff in Apotheke nach zwei Todesfällen in Köln

Dienstag, 24. September 2019

Heilig-Geist-Apotheke in Köln /picture alliance, Oliver Berg

Köln – Bei der Untersuchung zweier Todesfälle in Köln, die auf ein Glukosemittel aus einer Apotheke zurückgehen sollen, sind die Ermittler auf einen toxischen Stoff gestoßen. Dieser Stoff sei in einem Glukosebehältnis in der Apotheke festgestellt worden, teilte die Polizei heute mit.

Eine junge Frau und ihr Kind, das Ärzte noch per Kaiserschnitt retten wollten, waren in der vergangenen Woche nach der Einnahme eines in der Kölner Apotheke hergestellten Glukosemittels gestorben. Die Frau starb laut Obduktion an multiplem Organversagen. Die Glukoselösung war nach Angaben der Polizei für einen standardmäßigen Test bei Schwangerschaftsdiabetes verkauft worden.

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Die Ermittler können nach Angaben eines Sprechers nicht ausschließen, dass weiteres giftiges Material im Umlauf ist. Die Polizei hatte nach dem Tod der 28-Jährigen und ihres Neugeborenen auf Grundlage erster Erkenntnisse vor der Lösung gewarnt. Bislang habe sich aber noch niemand gemeldet, der Glukose aus der betroffenen Apotheke zu Hause habe, sagte Polizeisprecher Ralf Remmert heute in Köln.

Polizei und Stadt hatten am gestern Abend ausdrücklich davor gewarnt, Mittel mit Glu­ko­se einzunehmen, die in der Heilig-Geist-Apotheke in Köln-Longerich zusammengestellt wurden. Patienten, die glukosehaltige Präparate dieser Apotheke besitzen, sollten sie nicht einnehmen und umgehend bei der nächsten Polizeiwache abgeben. Die Stadt hat der Heilig-Geist-Apotheke vorerst untersagt, selbst produzierte Medikamente zu verkau­fen.

Keine Erklärung

Die Todesfälle stellen den Inhaber der Apotheke nach eigenen Angaben vor ein Rätsel. „Ich bin fassungslos, ich kann es mir nicht erklären“, sagte der Apothekeninhaber Till Fuxius. Er vertraue auf die Ermittlungen der Polizei. „Dabei bin ich Zeuge nicht Beschul­dig­ter“, betonte der Apotheker.

Ein Arzt hatte am vergangenen Donnerstag die Behörden eingeschaltet. Bei einer ande­ren Frau, die das gleiche Mittel eingenommen habe, seien auch Komplikationen aufgetre­ten. Sie habe die Einnahme abgebrochen. Glukosetests werden nach Informationen der Deutschen Diabetes Gesellschaft durchgeführt, um mögliche Diabetes-Erkrankungen wäh­rend einer Schwangerschaft erkennen zu können.

Das Heilig-Geist-Krankenhaus, auf dessen Gelände sich die Apotheke befindet, ist nach eigenen Angaben nicht betroffen. Man beziehe keine Medikamente aus der Apotheke, sagte eine Sprecherin. Die Apotheke sei eigenständig und gehöre nicht zum Krankenhaus.

ABDA weist auf Vorgaben hin

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) sieht in dem Fall keinen Grund, selbsthergestellte Arzneimittel aus Apotheken generell in Misskredit zu ziehen. „Apotheken stellen regelmäßig Arzneimittel her, und das in sehr hoher Qualität“, sagte ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold.

Der Vorfall in einer Kölner Apotheke sei „fatal“, sagte er. „Es tut uns unheimlich leid für die betroffenen Menschen, aber wir müssen die Fakten genau aufklären.“ Jeden Tag stellten Apotheken große Zahlen von Rezepturen her. Kriminelle Energie und menschli­ches Versagen kommt in allen Hochrisikoprozessen vor.

Bei der Herstellung von Individualrezepturen haben Apotheken nach Angaben Arnolds eine umfangreiche Dokumentationspflicht. Jede Apotheke müsse die Identität der Wirk­stoffe prüfen. Für jede Rezeptur müsse eine Plausibilitätskontrolle gemacht und ein Pro­tokoll erstellt werden. Die Anforderungen für die Herstellung von Rezepturen seien „sehr deutlich nach oben gegangen“.

Apotheken stellen nach Angaben Arnolds Individualrezepturen vor allem im Bereich der Dermatika zur Anwendung auf der Haut sowie Kinderarzneimittel mit geringeren Wirk­stär­­ken oder Mittel ohne Konservierungsmittel her. „Das ist ein tägliches Geschäft in den Apotheken.“ © dpa/aerzteblatt.de

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