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Ärzteschaft

KV Thüringen betont Bedeutung der kommunalen Infrastruktur für die Versorgung

Dienstag, 24. September 2019

/WavebreakMediaMicro, stock.adobe.com

Weimar – Eine veränderte Altersstruktur der Bevölkerung und neue Versorgungsmodelle verändern die Struktur der ambulanten Versorgung in Thüringen. Das geht aus dem neu­en „Versorgungsbericht 2019“ der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) des Bundeslandes hervor.

„Kein Thüringer hat es weiter als zehn Kilometer bis zum nächsten Arzt. Wir verschließen jedoch unsere Augen nicht vor Problemen, wie sie in einigen Fachrichtungen und Regio­nen auftreten“, schreiben Annette Rommel und Thomas Schröter, Vorstand der KV Thürin­gen, zu Beginn des Berichtes. Punktgenaue Förderungen und Maßnahmen mit dem Ziel der Nachhaltigkeit seien eine Strategie.

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Laut dem Bericht waren 1991 rund 13 Prozent der Thüringer 65 Jahre und älter, 2017 wa­ren es bereits 24 Prozent. Die absolute Zahl der über 65-Jährigen stieg von 350.000 auf mehr als 500.000.

„Wer älter ist, geht häufiger zum Arzt, oft gezwungenermaßen. Und auch die Jungen ver­lan­­gen heute schneller nach einem Arzt als frühere Generationen, heißt es in dem Be­richt. Das erhöhe den Druck auf Ärzte und Psychotherapeuten.

Auch deren Zahl und Arbeitsverhältnis sei einem Wandel unterworfen: So sei die Zahl der niedergelassenen Ärzte in Vollzeittätigkeit von 3.282 im Jahr 2008 auf 2.600 im Jahr 2019 zurückgegangen. Gleichzeitig stieg die Zahl der angestellten Ärzte in Vollzeittätigkeit im ambulanten Bereich von 177 im Jahr 2008 auf 700 im Jahr 2019. Zusammen mit den im ambulant Bereich Teilzeit arbeitenden Ärzten liege ihre Zahl im Augenblick sogar bei 1.260.

Entfernungen ermittelt

Die KV Thüringen hat laut dem Bericht im Jahr 2016 ermittelt, wie weit es die Thüringer zum nächsten Arzt haben. „Im Schnitt waren es auf dem Land drei bis fünf Kilometer, in der Stadt deutlich näher. Knapp zehn Kilometer war die weiteste Entfernung – in Ausnah­mefällen. Arztpraxen sind in den allermeisten Fällen näher als das nächste Amt, die Schule, der Supermarkt oder die Polizei“, schreiben die Autoren des Versorgungsberichtes.

Zur wohnortnahen Versorgung trügen auch Zweig- und Filialpraxen bei. Neben Ärzten sind zudem speziell ausgebildete Medizinische Fachangestellte unterwegs, sogenannte nichtärztliche Praxisassistentinnen. Von ihnen gibt es in Thüringen laut dem Bericht im Augenblick 462.

„Wohnortnähe hat aber Grenzen: In jedem Ort einen Arzt jeder Fachrichtung – das ist ein unerfüllbarer Anspruch. Hier sind Landes- und Kommunalpolitik gefragt. Ein leistungs­fä­higer Nahverkehr mit nachvollziehbaren Fahrplänen, kostenfreie Parkmöglichkeiten in der Nähe der Arztpraxis oder Hilfe bei der Einrichtung barrierefreier Zugänge zu Praxen – auch das verkürzt den Weg zum Arzt oder Psychotherapeuten“, plädiert die KV.

Sie fordert außerdem den Ausbau schneller Internetverbindungen und eines stabilen Mo­bilfunknetzes: „Dass laut Thüringer Digitalstrategie Arztpraxen erst 2025 flächendeckend ans schnelle Internet angeschlossen werden sollen, ist inakzeptabel“, sagte Rommel, „Wer mehr Telemedizin fordert, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen“, betonte sie.

Rommel ging bei der Vorstellung des Berichtes auch auf die neue Bedarfsplanung ab 2020 ein, die es in Thüringen möglich macht, zusätzliche Sitze auszuschreiben, vor allem in der haus- und kinderärztlichen Versorgung, in einigen Facharztgruppen und in der Psychotherapie.

„Damit diese Sitze dann auch schnell besetzt werden können, ist ein stärkeres Engage­ment des Landes nötig. Deshalb unterstützen wir die Forderung der Landesärztekammer nach mehr Medizinstudienplätzen. Unbedingt nötig ist auch mehr Geld des Landes für die Niederlassungsförderung“, sagte Rommel. © hil/aerzteblatt.de

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