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Medizin

Ischämienachweis im MRT zeigt späteres Schlaganfallrisiko nach transitorischer ischämischer Attacke

Mittwoch, 25. September 2019

/vrx123, stock.adobe.com
Calgary – Den wenigsten transitorischen ischämischen Attacken (TIA), bei denen die Pa­tienten kurzfristig die Symptome eines Schlaganfalls zeigen, lag in einer Beobach­tungs­studie in JAMA Neurology (2019; doi: 10.1001/jamaneurol.2019.3063) ein in der Magnet­resonanztomografie (MRT) erkennbarer Hirninfarkt zugrunde. Ohne den Nachweis einer Ischämie im MRT war das Schlaganfallrisiko in den folgenden 12 Monaten nicht erhöht.

Eine TIA oder ein „Mini“-Schlaganfall kündigen häufig ein größeres ischämisches Ereignis an, das durch eine präventive Behandlung häufig abgewendet werden kann. Es ist des­halb wichtig, dass die Diagnose der TIA zutrifft und die Patienten tatsächlich einen ersten kleinen Hirninfarkt erlitten haben. Die klinische Diagnose beruht jedoch häufig allein auf den Angaben des Patienten, der sich bei der späteren Untersuchung durch einen Neurolo­gen bereits wieder erholt hat.

In der DOUBT-Studie („Diagnosis of Uncertain-Origin Benign Transient Neurological Symptoms“) wurde deshalb bei 1.028 Patienten mit klinischem Verdacht auf eine TIA innerhalb von 8 Tagen eine MRT durchgeführt. Dabei wurde mit der Diffusions-Tensor-Bildgebung (DWI), die Störungen in den Leitungsbahnen anzeigt, nach ischämischen Lä­sionen gesucht. Wie Shelagh Coutts von der Universität Calgary und Mitarbeiter berich­ten, wurde nur bei 139 Patienten (13,5 %) ein akuter Schlaganfall nachgewiesen.

Verdacht des Arztes bestätigt sich nur in einem Fünftel der Fälle

Die wichtigsten Prädiktoren für den Ischämie-Nachweis im MRT waren ein männliches Geschlecht (Odds Ratio 2,03), motorische Symptome (OR 2,12), bis zur ärztlichen Unter­suchung anhaltende Symptome (OR 1,97), abnorme Befunde in der neurologischen Erst­untersuchung (OR 1,71) sowie das Fehlen eines identischen Ereignisses in der Vorge­schichte (OR 1,87). Die Prädiktoren waren jedoch nicht in der Lage, die Ergebnisse der MRT vorherzusagen. Die klinische Verdachtsdiagnose des Arztes bestätigte sich nur in einem Fünftel der Fälle.

Die klinische Bedeutung der MRT ergibt sich aus der Vorhersage weiterer ischämischer Ereignisse. 7 Patienten erlitten im ersten Jahr nach der TIA einen Schlaganfall. Bei einem positiven Befund im MRT war das Risiko um den Faktor 6,4 (95-%-Konfidenz­intervall 2,4 bis 16,8) erhöht. Meist waren es Patienten mit 2 oder mehr Läsionen. Nur 2 von 889 Patienten mit einer oder keiner Läsion im MRT erlitten später einen Schlaganfall. Ein Normalbefund im MRT schloss zu 99,8 % einen späteren Schlaganfall aus.

Die Autoren raten deshalb den Ärzten zu einem MRT, wenn sie nicht sicher sind, ob ein Patient nach einer TIA eine präventive Behandlung benötigt. Ein negatives Ergebnis könnte auch für den Patienten eine beruhigende Information sein. © rme/aerzteblatt.de

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